Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1902)
- Date
- 1902-03-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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550 vor Allem nothig, daß die Mitglieder deS Konsistoriums in religiöser Beziehung sich für dieses ihr Ehrenamt eignen. -Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß im Jahre 1808 die Bürgerrechts der Juden in. Frankreich wieder geschmälert, nach der Revolution von 1848 wieder erweitert wurden. In den letzten Jahren hat bekanntlich in Frankreich eine sehr starke antisemitische Strömung um sich gegriffen. . Frank re ich. . Paris, 18. März. „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet feine Leute!" Wenn schon ein klein Paris seine Leute bildet, so kann man sich leicht vorstellen, wie sehr ein groß Paris seine Leute zu bilden vermag. Jeder, der sich für den Fortschritt von Kunst und Wissenschaft interessirt, hat reichlich Gelegenheit, in der Seinestadt, die man mit vollem Rechte la Ville-Lumiere nennt, seine intellektuellen Bedürfnisse zu befriedigen und von da aus, wie von einer Warte, das ganze geistige Leben der Menschheit zu beobachten. Aber dieses Großstadtleben hat auch sehr viele negative Seiten. Auf den Boulevards, im Herzen von Paris, gibt es rin Cafee, das fast ausschließlich von russischen-jüdischen Handwerkern ausgesucht wird. Die Stammgäste dieses Caffeehaufes vernachlässigen buchstäblich vollkommen ihre Arbeit, ihre Familie, ihr Volk, um Tag und Nacht, in der stumpfsinnigsten Weise Karten Zu spielen. Das jüdische.Familienleben, das. selbst unsere Feinde so oft bewundert, wird hier in geradezu skandalöser Weise zerstört. Vergebens erwartet die Frau die Rückkehr des Gatten, die Kinder — die des Vater s; der mit so großer Ungeduld Erwartete spielt in diesem Augenblicke Skat, ohne sich auch nur im geringsten um Weib und Kind zu kümmern. Diese jüdischen Handwerker, deren ökonomische und auch geistige Bedingungen bisher sehr bescheiden waren, hätten doch allen Grund, ihre etwas verbesserte ökonomische Lage und den Umstand, daß sie gerade Paris bewohnen, dazu zu benutzen, um sich durch Arbeit, Fleiß und Sparsamkeit in jeder Beziehung zu erheben. Statt dessen vergeuden sie ihre beste Kraft, ihre Zeit und ihr Geld an einem schmutzigen Spieltische. Vor einigen Tagen bin ich in das betreffende Cafeehaus gegangen, wo ich sehr werthvolle psychologische Beobachtungen zu machen glaubte. Auf allen Gesichtern sieht man Spuren überstandener Leiden und Entbehrungen, aber dies alles macht der augenblicklichen Erregung Platz, die klar und deutlich zum Vorschein kommt. Ich lese einige in- und ausländische Zeitungen, schreibe einige Briefe — und die Spüler an den Nachbartischen setzen immer ihre Arbeit lustig fort. In dem Augenblicke, wo ich das Cafeehaus verlasse,; schreit ein kleines Schneiderlein: „Pik ist Trumpf!" Nicht nur Pik, sondern auch Stumpfsinn und Unwissenheit sind hier Trumpf! Arme Brüder, wie seid ihr doch zu bedauern!; 9t-n ß l a » d. Cherson. (Die jüdischen Vornamen.) Der antisemitische Eifer gewisser Gouverneure stellt sich manchmal auf komische Weise dar. Trotz der Senatsverfügungen, welche den jüdischen Kaufleuten gestatten, christliche Vornamen in den öffentlichen Akten zu führen und sie auf den Schildern ihrer Läden anzubringen, ist der Gouverneur von Cherson durch die „Unverschämtheit" eines Juden, der den Vornamen Wladimir trägt, aufgeregt. Nachdem jener diesem verboten hatte, diesen Vornamen zu führen, fragte er bald darauf den Rabbiner, welcher jüdische Vorname dem Namen Wladimir entspreche, und ob die israelitische Religion ihren Anhängern erlaube, christliche Vornamen zu führen. Der Rabbiner antwortete, daß er einen dem Namen Wladimir entsprechenden jüdischen Vornamen nicht kenne; daß die jüdische Religion über die Wahl der Namen nicht spreche, und endlich, daß das Departement der religiösen Angelegenheiten in den Jahren 1892 und 1894 den Rabbinern von Woronesch und Taganrog gestattet habe, in ihre Geburtsregister christliche Vornamen einzutragen, wenn die Eltern es wünschten. .7 Diese Antwort hatte nicht das Glück, den Gouverneur zu befriedigen, der, wie es scheint, entdeckt hat, daß der dem Wladimir entsprechende jüdische Vorname Wolf sei; er scheint.nicht zu wissen; daß Wolf ein deut- . scher und nicht ein hebräischer Name ist. Rum an i e n. Bukarest, 19. März. In Folge des ausschließlich zu Gunsten des nationalen Handwerkerstandes er-, lassenen neuen Gewerbegesetzes steht neuerlich eine Massenauswanderung. israelitischer Handwerker aus Rumänien bevor. ' K e ui I i et- «*♦ Nach vierhundert Jahren. «] Bon Friedrich Rott. Die Kinder waren pünktlich. Mit dem sechsten Glockenschlage drückten sie an den Schellenknopf der ersten Etage und wurden von dem alten Pedro mit der ihm eigenen Förmlichkeit zu seiner Gebieterin geführt. „Da sind wir!" rief Selma, indem sie dem ihnen enigegentretenden jungen Mädchen die rosigen Lippen, zum Kusse.bot.- s > •; W Jsabella zog die.Kleine an. Viktor reichte ihr ebenfalls die Hand zutn Giuße.' „Haben Sie das Heft da, Fräulein Jsabella, das?. Sie'^ uns zeigen wollten?",- . K‘'-; „Eben war ich im Begriffe, es herauszunehmen?' Sie öffnete bei diesen Worten die Kasette, die bereits