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Der Israelit · 1902-03-24 · Heft 24 (24.3.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 24 (24.3.1902)
Date
1902-03-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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großen Theil der Vortrage in uneigennützigster Weise übernommen. Die Bibliothek hat einen bedeutenden Zuwachs zu verzeichnen. Freifrau Wilhelm Karl von Rothschild hat aus dem Bücherschatz ihres unvergeßlichen, verMrten Gatten 2500 sehr werthvolle, von einem Fachmanne eigens ausgesuchte Werke nebst den entsprechenden Schränken zum Geschenk überwiesen. Der hochherzigen Gönnerin sei hiermit der tiefgefühlte Dank für diese Schenkung ausgesprochen und wird die Schule dieselbe stets in Ehren halten. Danzig, 17. März. Am 11. d. Ms. Hielt Herr Rabbiner Dr. Beer mann, Insterburg, einen äußerst beifällig aufgenommenen Dortrag im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteraiur." Vor dem zahlreich erschienenen Publikum sprach Redner — zum ersten Male in Danzig — über die Erftlge des Judenthums in der griechisch-römischen Kultürwelt. Rach einer schwungvoll gehaltenen Einleitung, deren Hauptgedanke eine Verherrlichung der Geschichtswissenschaft war, schilderte Herr Dr. Beermann in kurzen, markigen Zügen das Milieu in der griechisch-römischen Kulturpelt. Judenhaß gab es auch in damaliger Zeit. Cicero, Tacitus und andere Schriftsteller, die Vortragender auch erwähnte, ließen erkennen, wie groß damals die Abneigung gegen die Juden war, wenn auch einige Schriftsteller, wie namentlich Philo, den Werth der Juden hochschätzten. Interessant war zu Horm, daß zum ersten Male von Apion in Alexandrien das Märchen vom „Ritualmorde" in die Welt gesetzt wordm war. Nichtsdestoweniger fand die jüdische Religion bei Männern und Frauen des römisch-griechischen Reiches Eingang und damit war Redner auf das eigentliche Thema seines Vortrages gekommen. Mit Angabe von Beispielen führt er ausführlich aus, wie Männer, weit mehr aber noch Frauen, . dm jüdischen Glauben annahmen, ganz nach jüdischer Art lebten und Fest- und Fasttage beobachteten. Man schätzte die Zahl der Uebergetretenen auf einige Tausend. Alsdann warf Herr Dr. Beermann die Frage auf, warum das Judenthum denn nicht, wie spater das Christenthum, eine sog. Weltreligion geworden sei. Die Antwort hielt er für falsch, weil der Kaiser Hadrian bei Todesstrafe den Uebertritt verboten habe, denn auch der Uebertritt zum Christenthum war bei Androhung derselben Strafe verboten. Der wahre Grund, nach der Meinung des Redners, war der, daß das Judenthum den Uebertritt nicht erstrebte, im Gegentheil eher möglichst erschwerte und vor allen Dingen nichts von den Grundprinzipien seines Glaubens und den Vorschriften seiner Religion aufgab. In wirkungsvollster Weise richtete zum Schlüsse der Vortragende einen Appell an seine Zuhörer, unter den eigenen Glaubensgenossm Proselyten zu machen und sie 'zum Judenthum zurückzuführen und ihnen den vortrefflichen und unausrottbaren Gottesglauben zu predigen.—: In dem ca. eine Stunde dauernden Vortrage hat Herr Dr. Beermann mit solcher Begeisterung gesprochen, daß die Anwesenden vollkommen im Bann des Vortragenden standen. Er versteht es aber auch, durch die Art seines Vortrages, durch die Begeisterung, die er selbst empfindet, seine Zuhörer von Anfang bis zu Ende zu fesseln. Dazu kommt noch sein modulationsfähiges Organ und seine große Kenntniß der Geschichtsquellen, die den Hörern imponiren müssen. Köln, 20. März. Fast alle gesetzestreuen Jehudim Kölns hatten sich am 2. Adar II im Hofe des jüdischen Lehrerseminars versammelt, um der am Heimgegangenen einzigen Schwester unseres allverehrten Seminardirektors Dr. Plato das Trauergeleite zu geben. Tief ergriffen war die imposante Trauerversammlung, als der 80jährige Bruder seiner 78jährigen Schwester das letzte Lebewohl zurief. In einem von .Tun mi erfüllten -wvn führte der ehrwürdige Rabbi aus. daß seine Schwester wie Moscheh Rabbenu, am Geburtstage dahin geschieden sei und auch als höchste Tugend die Bescheidenheit gehabt habe. Auf die Heimgegangene passe der Satz aus tum tüotb nrnsv po nm Auch sie habe als Modistin dum nsüwn angefertigt und ihre Ersparnisse — einige hundert Thaler— dem Bruder zur Verfügung gestellt, damit derselbe seinen Studien obliegen könne. Während ihrer Lebzeit konnte der Verstorbenen der Dank nicht abgestattet werden, weil sie nichts'von Dank hören wollte. Erst jetzt könne der Bruder dem Dankgefühl Ausdruck verleihen. Die Charakterfeinheit und -Reinheit der Todten beweist wohl am besten der Umstand, daß der Gründer des bekannten Halberstädter Hauses, Aron Hirsch, seiner Tochter mit keinem anderen Mädchen zu verkehren gestattet habe, als mit Emilie Plato. Den Lebenden rufe man zum Abschiede nach vbvb ziehe zum Frieden, aber den Todten tihvz •p gehe in Vollkommenst heim, und auf die Verstorbene könne man mit großer Berechtigung sagen: ofoa *£> Gehe in Frieden! Dem Sarge folgte eine große Trauergemeinde, an der Spitze der Neffe der Verstorbenen, Herr Rabb. Dr. Plato-Hamburg. Auf dem dVv wn in Deutz widmete der Rabbiner der Synagogen-Gemeinde, Herr Dr. Rosenthal, der Todten warme Worte der Trauer. „Es hieße den tiefen Eindruck der Rede Dr. Plato's abschwächen," so begann Dr. Rosenthal seinen Nachruf, „wollte er die Verdienste und Tugenden der Verstorbenen nochmals betonen. Aus den Abschiedsworten des 80jährigen Greises sei deutlich zu erkennengewesen, daß die dahingeschiedene Frau den Namen Esther nicht mit Unrecht getragen habe und daß ihre Lebensrolle eine nb;a gewesen sei." Auch diese Worte verfehlten eines nachhaltigen Eindruckes nicht. Zum Schlüsse sei noch die Bemerkung - gestattet, daß allenthalben die wohlthuende Wahr- I nehmung gemacht wurde, wie die thatkräftige man

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