Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-03-24 · Heft 24 (24.3.1902) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 24 (24.3.1902)
Date
1902-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449819--55610-2518261
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

heimführen soll in unserer Urväter Heimathland ... " (S. Die jüdischen Wirren in Ungarn, von Leon de Moders Redirions. Leipzig- Pest, 1868. S. 99.) Wer nimmt aber nicht sofort gewahr die tüchtige Dosis Antisemitismus, welche in diesen Worten vermengt ist? Als ob die Orthodoxen Patrioten zweiten Ranges wären! Doch hierüber später. — Auf solche schmählichen Ausfälle haben wir nur kurz zu bemerken: Wenn wir in Wirklichkeit so tief gesunken wären, daß wir unsere mit Thränen benetzte, leidvolle, aber nicht minder glorreiche Vergangenheit verleugnen und unsere, von Gott durch seine Propheten verkündete Zukunft aufgeben könnten, dann thun uns die in Frage stehenden Gebete, die uns an dieselbe erinnern, doppelt noth. Denn nicht unseren eigenen Wünschen und Hoffnungen sollen jene Gebete Ausdruck verleihen, sondern, um es nochmals hervorzuheben, ihre Bestimmung ist vielmehr: Wünsche und Hoffnungen in uns zu w e ck e n und zu befestigen. Ist es dochan sich schon völlig undenkbar, daß Hunderttausende von Menschen zu gleicher Zeit, zu gleicher Stunde und vielleicht Minute gleichmäßig denken und fühlen sollten; ist es ja total unsinnig zu glauben, daß eine Gelegenheit bei Millionen Seelen dieselbe Empfindung. Hervorrufen müßte.*) Nach der erwähnten Anklage hätten unsere Weisen, als sie für Gesammtisrael Gebete festsetzten, wirklich so unsinnig denken muffen, wie unsere modernen Gebetkomponisten thatsächlich so widersinnig denken und handeln. Umso entschiedener müssen wir dagegen Stellung nehmen und lauten Protest erheben, wenn man von grundfalschen und geradezu lächerlichen und widersinnigen Voraussetzungen und Vorstellungen ausgehend, unsere heiligsten Gebete umgestaltet und verunstaltet. Wenn man diese piätätslose Beschneidung und rücksichtslose Abkürzung der von Altersher geheiligten Gebete von Seite der Neologen sieht, konnte man leicht auf die Idee verfallen, als Symbol der Reform — eine scharfe Scheere hinzustellen. Ob unsere Weisen, als sie die Klage iw vbvrn U'NQ'vv bib HDinb (Jerusalem und Dein Volk — o Gott — werden zu Schanden rings um uns) in das sog. „Laug-wehu-rachum"-Gebet ausgenommen haben, an die jetzige Reform gedacht hatten, deren Hauptvertreter ihren Stolz in der Schmähung und Verunglimpfung ihrer eigenen Vergangenheit erblicken, wollen wir dahingestellt lassen; aber dessen sind wir sicher, daß sie eine Zeit kommen sahen, wo die Enkel mit Verachtung oder doch mit Geringschätzung und Gleichgültigkeit auf ' die Ideale ihrer Ahnen blicken werten, und vielleicht schon aus diesem Grunde sahen sie sich veranlaßt, diese Ideale in den Gebeten niederzulegen, um sie hierdurch vor Vergessenheit zu schützen und die spätesten Geschlechter für dieselbe zu erwärmen und zu begeistern. ': *) Diesen Gedanken haben wir nachträglich in Hirsch'S Commentar zu Genesis 20, 7. gestruden. ZettmtgSnaHrichte« und Äorresporrdenie«. Deut sch l a n; - Frankfurt a. M., 19. März. In der Höheren Töchterschule der Israelitischen Religionsgesellschaft tritt mit dem am 3. April d. I. beginnenden Schuljahre eine vom Kultusministerium genehmigte Neuorganisation der oberen Klaffen in Kraft, die auch für auswärtige Eltern, soweit sie ihre Töchter der Anstalt anvertrauen wollen, von Interesse sein dürfte. An bit neun regulären Jahreskurse der Schule schließt sich forian unmittelbar eine Selekta von zwei Jahreskursen ' an. Die Schülerinnen des ersten Selektajahrganges ' werden in zwei Abtheilungen unterrichtet. Gemeinsam ' und zum Theil obligatorisch für beide Abtheilungen ist der Unterricht im Hebräischen 6 Std., Deutschen 4 Std.; Französischen. 4 Std. und Englischen 4 Std. Im Uebrigen. genießen diejenigen Schülerinnen, die sich einem kaufmännischen Berufe widmen oder aus. anderen Gründen ihre Bildung nach der praktischen Seite ergänzen wollen. Unterricht in Handelslehre,. Buchhaltung, kaufm. Rechnen, Deutscher und sremdsprachlicher Korrespondenz, Komptoirarbeiten und- Stenographie, während für die andere Abtheilung an Stelle dieser Fächer die zur Vertiefung der Allgemeinbildung dienenden Disciplinen treten:. Italienisch, Geschichte, Kunstgeschichte, Naturlehre. Hygiene, Zeichnen und Handarbeiten. Der Lehrplan ist derart eingerichtet, daß die Möglichkeit besteht, innerhalb des zweijährigen Lehrganges ein Jahr, der Abtheilung für allgemeine Fortbildung und ein Jahr der Handelsabtheilung anzugehören. Auch innerhalb der einzelnen Abtheilungen ist Wahlfreiheit für bestimmte Lehrfächer zugelassen, sodaß, bei denkbar größter Berücksichtigung der individuellen Bildungsbedürfnisse,- eine Ueberlastung der Schülerinnen vermieden wird.. Nähere Auskunft über den Lehrplan wird von Herrn Direktor Dr. Lange bereitwilligst ertheilt. . Frankfurt a. M. Nach dem Verwaltungsbericht, der Israelitischen Religionsschule wurden im abgelaufenen Schuljahre in den Anstalten 686 Schüler und Schülerinnen (gegen 660 im Vorjahre) unterrichtet. Da der Direktor, Herr Rabbiner Dr. Horovitz, im, Herbst zu seiner Erholung ein südlicheres Klima auf-' suchte, so würde seinem Vertreter im Gemeinderahbinate, Herrn Dr. Jakob Horovitz, auch die Vertretung, im. Direktorat der Schule übertragen.^ *; W *! i?: Der Kursus für Schülerinnen höherer Lehranstalten ist auch im abgelaufenen Jahr in bisheriger! Weise fortgeführt worden, ebenso derjenige in dM Beth Hamidrasch und in der Vorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf. Hier hat das Vorstandsmitglied'Herr Jakob S. Posen wie von Anfang an einen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.