Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1902)
- Date
- 1902-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Frankfurt a. M. Bei dem herannähenden Purimfeste, an dem jedem Juden die Pflicht des Spendens ein Herzensbedürfniß ist, dürste es wohl nicht ungeeignet erscheinen, an daS ^Deutsch- Israelitische Kinderheim* zu erinnern, das auf eine reiche Thätigkeit zurückblicken darf, das schon so viel Segen gespendet, Wittwen die Sorge für die verlassenen Waisen abgenommen, Zündern seine liebevolle Fürsorge zugewendet, sie zu existenzfreudigen Männern erzogen, die ohne diese Fürsorge dem sittlichen und materiellen Elend verfallen waren. Gewiß werden sich, wenn der Anspruch an sie herantritt, die Herzen und Hände der Kleinen und Großen öffnen und eine kleine Gabe dem Bittenden nicht verweigern; erfreut ja das jüdische Herz gern die Armen und Verlassenen. Jede kleine Gabe ist ein Baustein zur Erhaltung des Kinderheims, und jeder Spender darf des beglückenden Gefühls sich erfreuen, mitgearbeitet zu haben an einem weithin Segen verbreitenden Werke der Humanität und jüdischer Liebesthat. Auf der Purimspende besteht die Existenz des Kinderheims; möge sie eine recht ergiebige sein. D. I. K. BreSIau, 17. März. (Trauerfeier für den verstorbenen Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt s. A.) Zahlreiche Trauernde hatten sich gestern Nachmittag in der Neustadt-Synagoge (der Synagoge für den Jugendgottesdienst) eingefunden, um der Trauerfeier für den verstorbenen Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt f. A. beizuwohnen. Nicht vermochte das Gotteshaus alle die Leidtragenden zu fassen, welche sich hier zusammenfanden, um in gemeinsamer Feier noch einmal alle die Verdienste hervorzuheben, die sich der große Gelehrte erworben. Ja, und wer wollte da auch nicht zugegen sein, wo es sich darum handelte, noch eine Ehre einem Verklärten zu erweisen, der, wie kaum ein Zweiter seines Zeitalters, die Fahne für den Mischen Glauben hochgetragen hatte. Nachdem Herr Dr. Louis Neustadt, der älteste Sohn de? Verstorbenen, das Minchagebet verrichtet hatte, eröffnete Herr Kantor R o s e n t h a l mit dem Vortrage eines hebräischen Trauergesanges unter Begleitung des Männerchors die Feier. Dann bestieg unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Rosenthal die Kanzel, um in langen Zügen noch einmal der Thätigkeit des Verblichenen zu gedenken. Hart am Geburts- und Todestage unseres großen Lehrers Mose, führte Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus, haben wir uns hier versammelt, um wiederum den Heimgang eines Großen in Israel zu beklagen. So sehr wir aber auch um den Tod des Da- . Hingeschiedenen trauern, gedenken wir doch mit Freude, mit einem erhebenden Gefühle des Mannes, dessen Geist noch lange in uns fortleben wird, dessen irdische Ueberreste allerdings nunmehr abgestorben sind, .aber bellen Ueberirdisches, seine Seele, nie aus . unserer Mitte scheiden wird, beginnt sie doch erst in Wirklichkeit mit dem Tode ihrer sterblichen Hülle zu leben? So wird der § Todestag dieses Weisen, der als einzigen Lebensgenuß :? nur das Studium der heiligen Lehre kannte, zu seinem Geburtstage. Ebenso wie bei unserem Lehrer Möses,? auf welchen das Volk sagte, als er starb: «Diese Hände, die uns die Thora gebracht haben, sollen uns nunmehr '.j entrissen, sollen nunmehr begraben werden?* Wohl war der Körper eines Moses aus der Mite des Volkes geschieden, aber sein Geist begann erst zu leben, noch heut, nach mehr als 3000 Jahren, weilt er noch unter uns. .; ■ . -V; ' ' Nachdem Herr Dr. Rosenthal geendet, gedachte Herr Julius Neustadt in einigen Worten seines verstorbenen Vaters. Nicht als Redner betrete ich heute diese Stelle, um den großen, dahingeschiedenen Meister zu rühmen, begann Herr Neustadt, nein, als trauernder Sohn will ich um. den Verlust meines Vaters klagen.! Und nun schilderte er in rührenden, jedem Einzelnen zu - Herzen gehenden Worten seinen Erzieher, seinen Er- - nährer, Lehrer und Pfadweifer, der ihm stets mit Rath! und That zur Seite gestanden und dessen Heimgang er j 1011111 ju faffen tietmag. V - .! Sodann sprach Herr Kantor R o s e n t h a l daS ' El Mole Rachamim, worauf Herr Rabb. Dr. Kra- 'lauer in einem halbstündigen Vortrage die Redner- - reihe beschloß. Auch er hob in beredten Worten die! großen Verdienste des Dahingeschiedenen hervor. Von : seinen Ausführungen will ich nur eines Punktes, vor ■ allem Erwähnung thun: Herr Dr. Krakauer gedachte u. a. der Trauerrede, die der Verblichene vor nunmehr fast zwei Jahrzehnten Moses Montefiore s. A.. gewidmet hatte. In dieser stellte Dr. Pinkus Neustadt jenen großen Zeitgenossen als Beispiel allen Denjenigen hin. welche sagen, daß man unsere heiligen Gesetze uild altüberlieferten Gebräuche nicht mehr halten könne, um den Ansprüchen der Neuzeit gerecht zu werden. Wahrlich, ein MoseS Montefiore genügte dessenungeachtet allen Anforderungen seiner Zeit, ohne auch nur eine einzige Mizwah außer acht zu lassen! - . Mit dem Gesänge von -mV aroo (Oberkantor Cerini) schloß die erhebende Feier. Unverlöschlich wird das Andenken des Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt in uns wach bleiben, ttfob pn? *ot F. . Posen, 17. März. Der in seinen Tendenzen so wohlthätige Verein «Anschei-Chesed* hat zu den'bisher verwaltenden, auch noch die für Förderung der Bildung sorgenden, litterarifchen Vorträge ausgenommen, Da hierzu erst im Januar dieses Jahres der Beschluß gefaßt wurde, waren für diesen Muter einige Vortrage beschlossen worden und sind dieselben auch zur allgemeinen Befriedigung des Vereins und seiner Freunde bereits gehalten worden, v .;-- Nach Rabb. Bloch Hatte Herr Rabb, Dr. Jacob s s o h n, Gnesen, die Güte, sein Wissen . und Können in einem Vortrage, «die Frau im Talmud'