Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1902)
- Date
- 1902-03-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Und was gelangt' heutzutage nicht Alles zur Aufführung. Die Zeiten, in denen das Theater sich die Aufgabe stellte,, die Tugend zu belohnen.und das Laster zu bestrafen, sie sind längst vorüber. Verächtlich lächelt man über die Tendenzstücke' der Großvater, heute schreibt man um der Kunst selber willen, da heißt es, das Leben Möglichst treu zu copiren, ohne Rücksicht, ob das Copirie nächahmenswerth ist oder nicht. Da ist ein neues Stück von Sudermann, „Es lebe das Leben", . in diesem wird eines der schrecklichsten Verbrechen, der Ehebruch, verherrlicht. Unsere jungen Damen kommen aus dem Theater und sind entzückt und begeistert über das herrliche Spiel der Frau. -k und deS Herrn F, und die bethörten Eltern, die den Inhalt des Stückes nicht kennen, freuen sich, daß ihre Töchter sich so gut amüsirt haben. ' - : .. Wir glauben, hiermit genug gesagt zu haben. Ihr Väter- und Mütter, schützt Eure heiligsten Güter; müßt Ihr aus Geschäftsrücksichten Blätter halten, die es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, das Dasein Gottes zu leugnen, so versteckt sie in Euren Comptoiren: falls Ihr Kinder zu Hause habt, von denen Ihr wißt, daß ihre Lebensanschauung noch nicht abgeschlossen und befestigt ist, wollt Ihr für Eure Töchter und Gattinnen auf illustrirte Journale abonniren,^ so prüfet zuvor sorgfältig deren Inhalt, und müssen Eure Kinder durchaus das Theater besüchen, so sucht Euch wenigstens über den Inhalt der Stücke, die sie sich ansehen wollen,, vorher zu unterrichten. . zerLurrgSrmchrrchLett imd Corresponderrzen. Berlin, 19. März. Im „Deutschen Reichsanzeiger" veröffentlicht der . Präsident der königlichen Akademie der Künste fplgende Mittheilung: „Der Senat und die Genossenschaft der ordentlichen Mitglieder der königlichen Akademie der Künste haben als zuständige Preisrichter in dem laut Bekanntmachung vom 20. September'1901 für jüdische Maler aller Fächer ausgeschriebenen Wettbewerb um das Stipendium der Ersten Michael Veer'schen Stiftung, im Betrage , von 2260 Mk., zu einer einjährigen Studienreise nach Italien den Preis dem Maler David Moses, genannt Mose, aus Wien, zur Zeit in Venedig, zuerkannt." . . . . ' ' Berlin, 18. Marz. Herr Hofräth Prof. Dr. Rosin in Freiburg hat die Ausführung des vom VIII. Deutsch-Israelitischen Gemeindetage im Okto- - ber 1898 gefaßten Beschlusses: Auf Grund der in- . zwischen veranstalteten Enquete über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reiche ein neues Organisationsgesetz auszuarbeiten, freundlichst übernommen. . . V -v - Frankfurt a. M.. 18. Marz. Am Montag, 17. d. Mts., sprach im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" Herr Professor Dr. J^Barth aus Berlin über „Babel und altisraelitisches Religions- Wesen." Der Vortrag, der sich durch besondere Klarheit und Deutlichkeit auszeichnete, gestaltete sich gegenüber den letzthin in hiesigen Zeitungen verbreiteten Auslassungen anderer Forscher zu einem wahren 7, vmp und verdient sicher ausführliche Besprechung Und weitere Verbreitung. Wolle« doch die Assyriologen neuester Zeit einen bedeutenden Einfluß babhlonischen und assyrischen Geistes auf unsere Bibel, deren Erzählungen und deren Vorschriften behaupten. Klar und deutlich bewies der hervorragende Redner, auf diesem Gebiete einer der bedeutendsten Gelehrten unserer Zeit, daß dies alles Hypothesen seien, die von wenig Wahrheit und viel Dichtung getragen werden sollen. — Wie wollen diese Gelehrten sich wohl den Gegensatz zwischen dem reinen jüdischen Monotheismus und der krassen Vielgötterei Babels erklären? Wie kann wohl eine Religion von solcher . Eigenart, wie es die unsere ist, in Abhängigkeit stehen von irgend eiyer anderen . Kultur? v" Da ist zuerst der S a b b a t, dieses herrliche Juwel,, das Israel der Menschheit geschenkt! . Kein anderes semitisches Volk kennt die Heiligung des siebenten Tages. Wird sie doch als besonderes Kennzeichen israelitischen Ursprunges und als Denkmal des Bundes zwischen Gott und Israel bezeichnet! pm xpa ttoth 'bvtm. Aber auch von christlichem Forschern wird darauf hingewiesen, daß eine Bezeichnung, die unferm Worte Schabbos gleichkäme, überhaupt nicht in den Syllabaren vorkommt. Ein ähnlich klingendes, aber durchaus nicht dem unseren verwandtes Wort bedeutet nur etwa einen Buß- und Betrag „zur Besänftigung des Herzens der Götter." Nun existirt aber eine zweifellos echte Tafel, in die mit Keilschrift die religiösen Vorschriften für den babylonischen zweiten Monat Ellul eingezeichnet sind. Da sind allerdings der 7., 14.. 21. und 28. Tag besonders hervorgehoben; aber sie sind ausdrücklich als Ungl ü cks tage bezeichnet, an denen der „Hirt der Menschen" — der König — keine reinen Gewänder anziehen, kein Fleisch essen darf u. s. w., also Trauerbestimmungen beobachten muß. Vor allem aber ist auch der 19. ein solch', wichtiger Tag. Don einer wöchentlich regelmäßigen Wiederkehr kann also keine Rede sein; denn zwischen dem 7. und 14. Tage liegen 7. zwischen dem 14. und 19. nur 5. zwischen dem 19. und 21. nur 2. zwischen' dem 21. und 28. wieder 7 und zwischen dem 28. und 7. deS nacklen Monats gar 8, resp. 9 Tage. — Den 7. Tag der W