Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1902)
- Date
- 1902-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43. Jahrgang. - M SS GenLtat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLHum. 7 Begründet von . - - ör. in HafltJ, * •, Do««erftag de« 20. März 5SS2 (1902).? Da mit dem 1. April 1902 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die gel /—v / ehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleid^. In der Postzeitungsliste pro 1902 eingetragen unter Nr. 3792. Neu eintretende Momenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten daS Blatt bis Ende dieses Monats gratis. . ' HW Än, Nhkt hu WM Wn! 7> •?. Mainz, IS. Marz. Die Erkenntniß, daß die Thora das kostbarste Gut ist, das wir besitzen^ ist heute wieder in weitere . Kreise gedrungen. Immer mehr bricht sich auch unter den, modernen Glaubensgenossen die Wahrheit' Bahn?- ohne sie, das hehre Erbgut, unser Volt langst existi-? ren aüfgehort hätte. Was bietet Uns aber die Gewähr dafür, daß dieser werthvolle, unschätzbare Besitz uns. auch erhalten bleibe? Doch nur das Bewußtseins daß es uns gelingen wird, unsere Jugend in der Lehre und durch sie zu erhalten und zu führen. Dieser unserer Jugend aber droht heute eine unendliche Gefahr, die um so großer, als dieselbe als eine solche von vielen, ja sogar streng frommen Kreisen nicht betrachtet wird. Welcher Vater, und sei er noch so religiös, nimmt heute Anstand, seinen halbwüchsigen Jungen die politischen. Blatter lesen oder ihn in das Theater gehen zu lassen; wer verwehrt seiner, irgend eine höhere Schule besuchenden Tochter, sich ein illüprirtes Blatt zu halten und doch! wieviel Giftstoff wird mit diesen Blättern und Aufführungen in die jugendlichen Herzen gesenkt! Da ist beispielsweise eine vielgenannte Zeitung, die ihrer politischen und Handelsnachrichten wegen von einem großen Theile unserer. Glaubensgenossen in Süddeutschland gehalten wird. Dieses Blatt bringt fast in jeder Nummer Artikel, Feuilletons und Abhandlungen, die geeignet find, auf daS jugendliche noch nicht zur Reife' gelangte Gemüth den verderblichsten Einfluß äuszuuben. Der Berliner Schwindel der Gesundbeter würde in diesem Blatte mit den Ge-? beten in eine Reihe gestellt, die ein gläubig Gemüth zum?£.- Vater im Himmel sendet, um die Genesung irgend eines v?- theuren Verwandten zu erflehen, und diese Gebete ln? . wenig feiner Weise lächerlich gemacht.' 'Vergebens'hatr?Qein Theil der Presse sich darü^r entrüstet, man spottet H weiter über jede positive Religion und wir. müffen es?? -uns dazm.nochfallen laff^ nehmen als „jüdisch" gebrandmarkt wird. Ein Herr' V" _aus Göttingen meditirte in eben dieser Zeitung über H moderne Religion, in einem Tone, der nicht den ge-?<: ringsten Zweifel an den Ausführungen zuläßt, alte Kantische Ideen werden da aufgewärmt und mit i?. ethischer Kultur neu Lbergoffefl. .!?? 7- 7 Betrachten wir. erst die illustrirten Blätter/ ' die 7? unsere jungen Leute in die Hand bekommen, so kann 7 unsere Besorgniß sich nür noch steigern. . Unter dem , 7/ Vorwände, daß ein modern gebildeter Mensch sich auch 7 die Pflege der modernen Kunst angelegen sein lassen V muß, werden da unseren Söhnen und . Töchtern aller-? Hand obscöne Bilder in die Hand gespielt, von' denen •/ man nicht weiß, ob sie nicht noch unschüldsvoller sind, wie der sie beschreibende Text? Mit Gewalt wird daS :' jugendliche Gemüth zur Leidenschaft und züm Sinnenreiz geführt,--' Doch schlimmer als Alles dies ist es, wenn , die . Eltern es unterlassen, die Theaterstücke, die die Jugend . sich ansieht, einer besonderen Prüfung zu unterzichen. Die Einwirkung einer Theateraufführung ist naturge- 7? mäß eine viel liefere und dauerndere, wie die eines ge- -/, druckten Artikels und daher auch der Schaden, den, sie unter Umständen anrichten kann, ein viel größerer. ', ■