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Der Israelit · 1902-03-17 · Heft 22 (17.3.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 22 (17.3.1902)
Date
1902-03-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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y^aejgxqaicrgfgsagMWC1wem1 * 506 fett der einzelnen Gebetstücke so treffend gekennzeichnet, und besonders die Ueberfchriften der „Pirke Ow auß", in denen auch jeder Spruch seine Ueberschrift erhalten hat, wenn der ganze unendliche Inhalt und Reichthum unseres Gebetbuches in klarer, geordneter Ueoersicht, in der edelsten, schwungvollsten Sprache deutscher Dichtkunst, zum Nachdenken einr laden? . Wir Eingeweihte, die die heilige Sprache beherrschen und mit ehrfurchtsvoller Liebe zu den heiligen Denkmälern des Judenthums emporschauen, wir waren stets im Herzen stolz auf unser Gebetbuch. Goldschmidt hat es vor aller Welt gezeigt, wie R e ch t die Orthodoxie hatte, als sie die sog. Kritik der reformsüchtigen Gebetfabrikanten mit Entrüstung zurückwies. Wer ^könnte es heute noch wagen, unser altehrwürdiges Gebetbuch „unzeitgemäß"zu nennen? Bisher konnten es solche wagen, die unsere Gebete nicht in der Ursprache, sondern nur aus den Uebersetzungen kannten, und in der Voraussetzung, daß der größte Theil des Publikums auch keine andere Kenntniß unserer Gebete besitzt. Heute, nachdem G.'s »Poesie der Gebete vorliegt,' würde sich ein,: , solche Anklage lächerlich machen, Mit den bisherigen Uebersetzungen konnte man vor dem ^großen Publikum solche Anklagen nicht genügend . widerlegen, nur der tüchtige Kenner des Hebräischen konnte deren Grundlosigkeit einsehen. Mit G.'s Gebetbuch kann man es auch dem Laien gegenüber. Ob Goldschmidt's Buch bewußt im Dienste der Orthodoxie stehl? Auf mich macht es fast den Eindruck, als ob seine warme Dichterbrust sich aus der Misere der abgewirthschafteten Reform zurückgeflüchtet hätte zu den sonnigen Idealen seiner Jugend. Schon sein „Morijah" - macht den Eindruck, als ob seine Jugend wieder in ihm lebendig werden wollte. Dem sei, wie immer: Wegen der reichen; Anregungen, die G.'s Buch jedem denkenden Juden bieten muß, »oünschen wir dem auch äußerlich. vorzüglich ausgestaiieien Buche die weiteste Verbreitung. . Goldschmidt ist ein Dichter, dessen Muse das alte, ech t j ü d i f ch e Leben nach allen Seiten, wie es in der Tephillo verklärt dasteht, poetisch verherrlicht, und darum.soll G.'s Gebetbuch dort nirgends-fehlen, wo altes, echijüdisches Leben zu finden / H. L...... r. Frankfurt a. M. 8stt«Ks§m»HrtHres «Kd EorresyoKveKze«. '.nrrar*<:V* 7»j:V* .' 7;: 'r' Dein vierten Be- 7-rM' der. »Jüdischen'Haushaltungsschule" (Eingetr. Verein) zu Frankfurt a. M., 1900—1901, entnehmen Ein Ereigniß, welches sicherlich von segensreicher Einwirkung auf den Verein sein wird, ist die demnächstige Uebersiedelung der Anstalt in das ehemalige Geschäftshaus der Firma M. A. von Rothschild und Söhne, Fahrgasse 146. Die jetzigen'Eigentümer dieses Hauses, die Herren Baron Alphonse de Rothschild in Paris, Lord Rothschild in London und Freiherr Albert von Rothschild in Wien, hatten die große Gute, uns den größten Theil des genannten Hauses nebst Bodenraum und Keller auf zehn Jahre unentgeltlich zu überlassen. Wir danken diesen edlen Männern, die überallhin ihre Wohlthaten ausstreuen, von ganzem Herzen für den großen Dienst, den sie unserer Anstalt erwiesen. Liese innere Befriedigung gewährt es uns, daß die Räume, in denen der verewigte Freiherr Wilhelm Carl von Rothschild s. A. viele Jahrzehnte hindurch für das Wohl der. Menschheit lebte und wirkte, nunmehr einem Werke gewidmet sind, das so ganz dem frommen Sinn des Verewigten entspricht: bedürftigen jüdischen Mädchen theils praktische Ausbildung, Lheils ein gemüthliches Heim ' zu mäßigem Preise zu gewähren.; Von den 24 Zöglingen, welche im Laufe des Vereinsjahres unsere Kurse durchmachten, sind 18 in Stellung gegangen. Die Zahl der Theilnehmerinne» am Mittagstisch haben wir, um den Zöglingen nicht zu viel Arbeit zuzumuthen, erheblich verringert.. Der in Folge dessen, entstandene Ausfall wurde nur dadurch gedeckt, daß wir eine größere Anzahl von Geschenken erhielten. Unter diesen heben wir hervor eine Gabe der Hinterbliebenen des sel. Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild von 2000 Mk., zu dessen ehrendem Andenken. Auch im begonnenen Vereinsjahr hatten wir uns der pekuniären Unterstützung der hochherzigen Familie von Rothschild zu erfreuen, indem Frau Generalkonsul Max Goldschmidt-von Rothschild 1000 Mark spendete. Glogau, 12. März. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts wird sich am 20. März c. der antisemitische Agitator Graf Walter Pückler aus Klem- Tschirne (Kreis Glogau) wegen Vergehens gegen § 305 St.G.B. zu verantworten haben. Der betr. Paragraph lautet: „Wer vorsätzlich und rechtswidrig ein Gebäude, eine Eisenbahn oder ein anderes Bauwerk — die fremdes Eigenthum sind — ganz oder teilweise zerstört, wird mit Gefängnist nicht unter einem Monat bestraft." Der Rittergutsbesitzer Metscher in Skeyden (Kr. Glogau) hatte von dem Grafen Pückler- Klein-Tschirne ein diesem gehöriges Stück Land an der Klein-Tschirner-Skeydener Fähre gepachtet und hätte' auf' diesem eine Feldhahn angelegt, die M zu seinein.'GuteSkeyden führte.. Obgleich dev PäPver- ' trag noch lange nicht abgelaufen Wr,; verlangte Graf Pückler plötzlich eine höhere Pachtsumme,' und als sich Rittergutsbesitzer Metscher weigerte, diese zu bezahlen.

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