Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1902)
- Date
- 1902-03-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449817--55562-2518211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mmmrnmmmmmmm K: L 43* Jahrgang. des« « Ltlterarischer Aerichl. ' bnv ri^eri. Israels Gebete. Das Gebetbuch der Synagoge, in poetischer Verdeutschung, von Dr. I. Goldschmidt, Großherzogl. Rabbiner zu Offenöach. a. M. Mainz, Joh. W i r t h 'sche Hofbuchdruckerei, 1902. Selbstverlag des - Verfassers. Heute liegt das Buch des Dr. Goldschmidt, über dessen Probebogen ich seiner Zeit in Kürze referirte, ganz vor uns; ganz, d. h. auch mit dem ganzen hebr. Text. Goldschmidt hat die alten Gebete nicht bloß passiv ausgenommen, sondern auch das g a n z e Gebetbuch, ohne jede Ausnahme (bis auf die Mischnah-Stücke jopo tn*K und pp^no nv2. die naturgemäß keiner poetischen Bearbeitung fähig sind), in poetischer Form zur Darstellung gebracht. Hier haben wir unser unverändertes altehrwürd.Gebetbuch! Der Dichter kann nicht heucheln, die poetische Begeisterung kann man nicht erkünsteln, und Goldfchmidt ist Dichter, obgleich er nur Rabbiner sein will. Man steht es ihm an, sein Herz schwelgt am meisten da, wo ihm eine schöne, neue Erklärung gelungen ist. Der „ungarische Jeschiwa-Bochur" guckt auf Schritt und Tritt aus seiner Arbeit hervor. Ja selbst der Strahl seines poetischen Schaffens entzündet sich am hellsten an einem guten tspD, der ihm gelungen ist. Das Schwierige reizt ihn, und das Allerschwierigste hat für ihn den größten Reiz. Im jwi, 2V, rivn, nb-,2N, man etc., da wachsen ihm gleichsam die Flügel, im Kaddisch, das er in geistreichster Weise in meffianischer Auffassung in ein ganz neues Licht stellt, da schwillt die Fluth seiner "Sprache zu erhabenen Tönen an. Beim Olenu-Gebet genügt es ihm nicht, es in erhabenem Schwünge darzu- . stellen, er muß auch noch den Zusammenhang mit dem folgenden „Al itro" in der Bearbeitung des letzteren erklären; im Tischgebet ist er nicht zufrieden, die Mannigfaltigkeit-im Strophenbau u. Versmaße zu erhöhen, der Rabbiner will auch sein Recht haben, und er gibt in den Ueberschriften der vier Segenssprüche eine Erklärung über den tiefen Zusammenhang derselben. So hat er auf Schritt und Tritt Andeutungen über neue Auffassungen gemacht, und man merkt ihm gleichsam seine stille Freude an, daß er so reich ist und vieles versteckt darreicht, daß nur der , Suchende findet, was andere, weniger reiche, als kost- bare Schätze vor aller Augen in's glänzendste Licht i stellen würden. In Goldschmidt's Buch wird jeder \ Suchende etwas fü r sich finden, der Freund i der Poesie und der Sprachgewandtheit ebenso, h vo . wie der Talmudgelehrte. ES find ' nicht die ausge- ' tretenen Geleise der flachm Alltäglichkeit, die Goldschmidt wandelt, es ist der Weg der Originalität, und Goldschmidt ist so reich an Originalität, daß er auch , das Gewöhnlichste noch mit irgend einem Hauch der , Originalität interessant zu machen versteht. Wo ihr's .i' packt, da ist es interessant, — das kann man mit gutem Gewissen von Goldschmidt's Gebetbuch sagen.: Und wie hat er dem Suchenden das Suchen erleich-, tert! IedesStück hat feineUebers ch r i f t, .. . die den Inhalt angibt. Du willst etwas über die Natur lesen: Goldschmidt verweist dich an den 19. Psalm „Natur und Offenbarung." Dich interessirt die „Mt- . liche Weltordnung," Golvschmidt verweist dich an oen 104. Psalm; dein Geist schwebt hinaus in „das GotteS- -. reich und die Ewigkeit": Goldschmidt verweist dich auf •?. das Kaddisch der Hinterbliebenen; dich interessirt „JS-> - rael und die Zukunft der Menschheit": lieS .. Goldschmidt's „Olenu!" Du suchst etwas über „Offenbarung und Messias-Reich": Goldschmidt führt dich .: zum „Atto niglesso-Gebet" an Roschhaschonoh; / du suchst Trost über's Grab hinaus? Goldschmidt führt dich zum „Elaukai Neschomo"-Gebete: „Dü bist Herr aller Werke, Gott aller Seelen, Deiner Allmacht ist keine Grenze gesteckt; Im Leben, im Tode wir Dir uns befehlen, > Dir Preis, der die Todten zum Leben erweckt." : Oder zur zweiten Brocho der Schmaune eßreh: -' „Auch an des Grabes düsterer Schranke - r\! Die Seele in Gott sich zum Glauben erhebt;.■'! Auch im Jenseits lebet ein Gedanke --- Dir, Ewiger, Preis, der die Todten belebt!" ' Du willst mit I e r u s a l e m klagen? G. weist dich an die 13. Brocho der Schmaune eßreh und an „Rachem;" dein Geist lauscht den Tönen der großen Posaune, v . G. interpretirt dir die „Messias-Hoffnung" in der 6. ' Brocho des Mussaph für Rosch Haschono. Dü fuchst das „Ewige in der Zeit," das „Unendliche im Endlichen"? Lausche G.'s Versen, in die er das m nnz V2vn ov2 und das rnnst ovm gekleidet? — Und auch wer nichts sucht — und es suchen ja leider nur die Wenigsten! — er wird zum Suchen angeregt durch die Ueberschriften, die G. den einzelnen Gebeten . gegeben. Wer wird nicht stehen bleiben und gerne vet- . weilen, wenn „der Ernst des Lebens" (npoS nbvrü, „Israels Erinnerungen und Hoffnungen" onatj rbw, „Durch Nacht zum Licht" 1^2 „Israels Standhaftigkeit" (2ip ton®* ^rr '.n) „Licht* <tk „Liebe" con N2NM „Bekenntniß" oov)1 „Erlösung" jto) „Der Weg der Erlösung" |w6 jbo „Gott in der Geschichte" fv22 my... . alle die bedeutsamen Ueberschriften, mit denen G. das De-