Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1902)
- Date
- 1902-03-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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ließ Graf PLüler diese Klein- oder Feldbahn, soweit sie auf dem ihm gehörigen Gebiet lag, zerstören. Leipzig, 14. Marz. Die Revision des nach Wien geflüchteten antisemitischen Redakteurs Vöckler wurde vom Reichsgericht verworfen. Böckler war vom Berliner Landgericht I am 18. Oktober v. I., wegen Beleidigung des Justizraths Cassel in Berlin, zu einer Gefängnißstrafe von sechs Monaten verurtheilt worden. Darmstadt, 14. März. (Kammer.) Auf die Anfrage des Abg. Köhler-Langsdorf betr. Handhabung der Rechtspflege am Großh. Amtsgericht Darmstadt I, verliest der Justizminister Dr. Dittmar eine Erklärung, nach der die Regierung keinen Anlaß zu irgend einem disziplinarischen Eingreifen in Folge der bekannten Urtheilsbegrundung habe, zumal der Richter selbst erklärt hätte, daß. ihm ein Verallgemeinerung dabei völlig ferngelegen. Abg. Köhler-Langsdorf sieht darin eine Abbitte des Richters, wodurch er sich für befriedigt erklärt, zumal die Regierungserklärung indirekt zugebe, daß der Richter mit seiner Urtheilsbegrundung einen kaux pas gemacht habe. Gegen diese Auffassung wendet sich Abg. Dr. G u t f l e i sch, da der Richter gar keinen Grund zur Abbitte habe, zumal er sachlich im Rechte fei, was der Redner auf Grund seiner 31jährigen Anwaltsth'ätigkeit nur bestätigen könne. Der Richter hätte sich vielleicht anders ausdrücken können, aber es sei begreiflich, daß er sich so ausgedrückt habe, da, wie der Redner gehört, man demselben Richter noch vor einem Jahre Antisemitismus vorgeworfen habe. Er bedauert, daß der Abg. Köhler-Langsdorf immer wieder diese kleinlichen Dinge vorbringe, da die Kammer doch wahrlich Wichtigeres zu verhandeln habe. Der Justiz minister stimmt den Ausführungen des Vorredners zu und bestätigt, daß in der That gerade diesem selben Richter vor einem Jahre von einem-jüdischen Anwalt Antisemitismus vorgeworfen worden sei. Die Antisemiten fuhren die Debatte noch eine Weile in altbekannter Weise fori, so daß sich schließlich auch noch die Abgg. Cramer und Ulrich gegen sie wenden. Oldenburg, 16. März. In unserer Gemeinde herrscht jetzt freudiger Jubel. Die Lehrerfrage hat einen befriedigenden Abschluß gefunden. Die Regierung bat gesprochen. Der frühere Lehrer Herzberg hatte in der ganzen Stadt Flugblätter gegen unseren allverehrten Herrn Landesrabbiner Dr. Mannheimer verthcilen lassen, worin stand, daß Herzberg die Amtsentsehung des. Landrabbiners. beim Großh. Stg.atsminifterium beantragt habe. Diese. Flugschriften machten viel. Rifchus und dis Juden konnten sich kaum mehr in öffentlichen Lokalen sehen lassen. D a r a n sh i n würde Herzberg sofort abgesetzt. In der That hatte er gegen Dr. Mannheimer eine Denunziation beim Ministerium eingereicht, die sieben Anklagepunkte enthielt. Räch viermönaNicher eingeheüder Untersuchung und Vernehmung von eck 40 Zeugin ist nunmehr, wie in voriger Rümmer kürz berichtet." folgende Antwort des Großh. StaatSministeriums' eingetroffen:;-v .. „Das Siaatministeriüm tHilt Ihnen hierdurch, mit. daß nach den angestellten Ermittelungen keinerlei,. Anlaß vorliegt, gegen den Landrabbiner Dr.'Mannheimer disziplinarisch vorzügehen." . -... Oldenburg, 9. Wan 1902. Staätsministerium,. '^ H Departement der Kirche und Schule/' *;, ' Ru Hst r a t.*^?- Diese Antwort hat in allen Kreisen der .'christlichen und jüdischen Bevölkerung große Begeisterung hervorgerufen.. > ' - i! Am letzten Sabbat war die Kanzel mit Lorbeer-. guirlanden und der Platz des Landrabbiners in der Synagoge mit einem großen Lorbeerkranze geschmückt. '. ll n g a r n. r\ :; Budapest, im März. Das Siumfest des hiesigen - Vereines hat dieser Tage in den Lokalltäten des Restaurateurs Herrn I. H. Schwar ß stattgefunden. Dieser Verein bietet jüdischen Kindern.der' Hauptstadt einen besseren Unterricht in hebräischen Disziplinen und versieht arme Barmizwah-Knäbe'n mit Talis und Tefilin. ' - Nach Beendigung des Traktates vDvb' durch den Vereinsrabbiner S. Goldberger, hielt Gemeinderabbiner M. Feldmann einen geistreichen Vortrags in welchem er die Anwesenden ermahnte, die Jugend im jüdischen Geiste zu erziehen. Beim Festessen toasteten, die leitenden Männer des Vereines, sowie zahlreiche Gäste, die zu Ehren des wackeren Vereines an " dieser rrxo rrnyo theilnahmen. I. H. S. (Ueber diese Feier erhielten wir auch noch einen zweiten, ausführlichen Bericht, in welchem hervorgthoben wird, daß mehrere angesehene Vertreter der. großen Gemeinde durch ihren Besuch die echtiüdische Wirksamkeit dieses bescheidenen Vereines würdigen wollten. Was' die Herren beim grünen Tisch in'den offiziellen Gemeindesißungen — meint unser Correspondent — aus falscher Scham unterdrücken müsien, das verlautbaren in solchen außerordentlichen diskreten Zusammenkünften, wo sie von den Gewalthabern der Gemeinde nickt lontrolirt werden. Die^/Herren Direktor Halaß und Redakteur Szabolcsi. hielten sehr fromme Reden. Es ist nur zu bedauern, daß solcke Reden nicht, auch in. dep amtlichen jüdischen Schulsektionen der orohen Gemeinde, aeba sieg, werden. Nachdem"dieser Verein meint schließlich'unser .Cor?' respondent — nicht direkt dem Rabbinäte K o h n 'und Kaiser l in g und apch nicht dem ‘GemeindÄjpr-