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Der Israelit · 1902-03-17 · Heft 22 (17.3.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 22 (17.3.1902)
Date
1902-03-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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-TT i i •ii 1 1'! I?L tragungs-Gebühren von Seite des hiesigen Central- Taxu. Gebührenbemessungs-Amtes mit dem Betrage von 9.643,860 Kronen 75 Hellern und es ergab sich daraus, daß verschiedene in der Nachlaßnachweisung geltend gemachte Passivposten von dem hiesigen Amte nicht anerkannt worden waren, insbesondere nicht die französische Erbschaftssteuer für den Mobiliarnachlaß, die oben erwähnten 21,762,287^ Frcs. 60 Cent., wovon nur ein kleiner Brnchtheil, nämlich 1,396,677 Francs 96 Cent, berücksichtigt wurden. Der Rekurs wurde in allen Instanzen, in letzter vom Finanzministerium, abgewiesen, und die Erben erhoben daher die Beschwerde anden Verwaltungsgerichtshof. Aus Mähren, 14. März. Nur noch eine kurze Spanne Zeit trennt uns von den Landtags-Wahlen in Mähren und wiederum drängt sich an uns die Frage heran: „Wen sollen wir wählen? Bei einem nichtjüdischen Wähler löst sich die Frage von selbst, denn dieser wählt ganz einfach einen Gesinnungsgenossen. Wo sind aber unsere Gesinnungsgenossen und unsere Freunde? Nirgends! Die Deutschen unseres Kronlandes können wir nicht zu unseren Anhängern zählen, und der slavische Abgeordnete Stransky, ehemaliger Jude, hat Recht, wenn er sagt, daß sämmtliche Deutschen in Oesterreich Antisemtien sind, nur mit dem Unterschiede, daß eine Gruppe der Deutschen schweigt, aber antisemitisch handelt, die zweite spricht und handelt antisemitisch. Obwohl der Abgeordnete Stransky weit entfernt ist, ein Philofemit zu sein, obwohl sonst seine Worte nicht auf die Goldwage zu legen sind, so hat er diesmal doch das Richtige getroffen; denn überall, wo die Deutschen in kompakten Massen beisammen sind, erklären sie sich offen' als Judenfeinde, und dort, wo sie eingeengt zwischen Slaven und Juden sind, stellen sie sich judenfreundlich. Das Räthsel ist gelöst. Die Deutschen sind überall liberal, wo sie die Juden bei der Wahl brauchen, werfen aber dort, wo sie diese Unterstützung ' nicht nöthig haben, die liberale Maske ab und zum Vorschein kommt der reine, unverfälschte Antisemit. . Aber auch mit den Czechen ist nicht rathsam, gemeinsame Sache zu machen; denn selbst, wenn die Juden sie bei den Wahlen unterstützten,, würden die Slaven dennoch fordern, daß unsere Glaubensgenossen sich im Umgänge der czechischen Sprache bedienen und der deutschen Sprache den Abschied geben. Ein solches Opfer werden die Juden in Mähren nie und nimmer bringen, weil diese ja doch deutsch sind und nur ihre Gesinnung wegen des thörichten Antisemitismus der Deutschen nicht bethätigen wollend Wenn man eine Kultursprache mit einem slavischen Idiom eintauscht. so muß man wissen, ob derjenige, für den man ein so ungeheures Opfer bringt, auch dessen wertst ist. Die Czechen haben noch nicht so viel Judenfreündliches geleistet, weder durch Worte, noch durch Handlungen, daß man die zuletzt aufgeworfene Behauptung^ bejahen könnte. Weder für Deutsche noch für Czeschen können -■* > wir uns erhitzen. Es bliebe noch ^ne Partei übrige die 7^ aufkeimende des Landes, nämlich die Sozialdemokratie. V Diese sind noch eine ganz junge Partei und kommen bei den Landtagswahlen weniger iit Betracht, da./?, hier nur diejenigen zur Wahlurne schreiten dürfen/die eine Steuer von 20 Kronen entrichten, waS bei den; Sozialdemokraten selten der Fall ist, da diese nur . festen Fuß in der besitzlosen Klasse gefaßt haveru. Aber/--. 1 selbst wenn die Wahlaussichten günstiger wären, so müßten jedoch die Juden ganz ernstlich mit sich zu f Rathe gehen, um diese Partei zu unterstützen. Ein zu-'-.' nächst in die Augen springender Punkt ist/die religiöse 7' Anschauung der Demokraten, welche mit der'der'koN-^ ' servativen Glaubensgenossen in grellem Kontrast steht. — Dieses Moment kann und darf von den Konservativen . unseres Kronlandes'nicht übersehen werden. Wollte man jedoch einwenden, daß Religion bei rein politischen :. Wahlen nicht in Betracht kommt, und vorausgesetzt, 7 . daß wir das zugestehen wollen, so sind noch andere Gründe da, welche uns gebieterisch befehlen, uns Re?-; ' serve aufzuerlegcn. Undank thut sehr weh.und nur / haben von den Deutschen einen sehr bitteren Undank — erlebt, denn wir waren bei den Wahlen, die treuesten". Bundesgenossen der Deutschen. Wir müssen daher . Umschau halten, ob wir bei den Sozialdemokraten nicht > eine ähnliche Erfahrung machen könnten. Wohl lassen die Grundsätze der Sozialdemokratie Hne/' sölche^Be-'?.-.' fürchtung jetzt nicht aufkommen, aber Grundsätze äüf- . stellen und sie handhaben, ist zweierlei/ Haben nicht - auch die Deutsch-Liberalen Prinzipien aufgestellt, die zu der Hoffnung berechtigten, daß der Rassenhaß 'nie mehr sein Haupt erheben werde? Und wie wurden 7 diese Prinzipien ausgeführt? Heute gibt es in Mähren viele Glaubensgenossen, die durch ihren Geist den So- ' zialdemokraten nützen; Wer weiß jedoch, was '■ gitschehen wird, wenn letztere Partei mit Hilfe der Juden / sich zur gewünschten Höhe hinaufgeschwüngen haben wird. Es ist dann nicht unwahrscheinlich, daß sie uns, - wie die seligen Deutsch-Liberalen, abstreifen und hinwerfen, wie eine Zitrone, der man den Saft ausgepreßt. Es ist am besten, wenn die Juden einmal ruhig zusehen, wie die Parteien sich bekämpfen; vielleicht wird dann die unterliegende Partei bei den künftigen Wah-' len die Unterstützung der Juden ansuchen und sich zu Konzessionen entschließen/ ' } — In Brünn' feiern am : 30. März die Eheleute Hermann und Johanna H a u s e r, geb. Witrofsky, V Schwester des bestbekannten Philantropen Alois Wi-; tröfsky, das fünfzigjährige HochzeitsjubilLÜm.:25iieß#. Ehepaar, welches fast ein halbes Jahrhundert' inmitten einer nichtjüdischen Bevölkerung gelebt hat;'erwarb sich - durch Religiosität, Güte und emsigen Fleiß, die Achl tung der dortigen christl. Bewohner u. besitzt auch heute '>>

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