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Der Israelit · 1902-03-13 · Heft 21 (13.3.1902) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 21 (13.3.1902)
Date
1902-03-13
Page
– (sequence 27)
Language
German
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brauche sollen „verständnißinnig" geübt, beobachtet werden. Es dürfte für jeden Lehrer eine Herzenslust sein, vor dem Pesachfeste das Festprogramm für die beiden ersten Abende ausführlich zu erläutern, auf den „Seder" vorzubereiten. Man kann hier wiederum die .methodische Behandlung des Stoffes in der Schule sich zur Richtschnur nehmen. Bei der Abhandlung über Omerzählen erkläre man nicht nur das Wort „Omer," man berichte auch, w i e es geschnitten ward, wie man demonstrativ der sadduzäischen Auffassung entgegentreten und entgegenwirken wollte. Das trägt zur Belebung des Ganzen bei. Beim Behandeln des Feststraußes am Hüttenfeste erzähle man auch vom Masseropfer, von den freudigen Umzügen im Tempel, von der Beschmückung des Altares mit Weidenzweigen u. s. w. So wird mit dem Berständniß der religiösen Gebräuche und Handlungen auch die Liebe dazu gepaart. Es soll aber auch auf die Liturgie für die Gedenktage vorberei- - tet lverden. — Der Lehrer als Volksmann, als Mann im Volke, als Volksfreund, besitzt ein feines Veobachtungsvermögen, das .er ständig anwendet und das er immer mehr noch schärst. Ihm entgeht nicht leicht . etwas. Er sucht und findet Lücken, im Wissen, im . Können, in den Kenntnissen seiner Gemeindemitglieder, und er möchte die helfende Hand zur Besserung anlegen. Er weiß als Familienfreund genau, daß am Feiertag- Abend oder -Morgen so mancher Hausvater nicht weiß, welches Kiddusch „gemacht" werden soll. Hie und da kommt es vor, daß Jemand am Feiertage die ' Sch'mone-Esrah des Sabbat betet, oft vernimmt ^r als Vorbeter hinter sich das verzweifelte „Blättern" eines im Gebetbuche Unbewanderten, der doch auch mit dem großen Haufen fortkommen möchte, da er kein Solo beten will. Am Sabbat Chol-hamaued ist mancher höchlich überrascht, wenn bei der lauten Wiederholung des Sch.-E. der Vorbeter das Mussaf der Wallfahrtsseste beginnt, während er, der Zuhörer, „leise" jenes von Sabbat gebetet. Vielleicht wagt er gar, dem Vorbeter einen wohlgemeinten „Ordnungsruf" zu geben, um dann beschämt und bescheiden seine eigene Unkenntniß zu erfahren und zu bereuen. Ein anderer glaubt überhaupt, am Chaul hamaued bete man werktägig. Die Einschaltungen von al hanissim, jaale w'jowau. Hallel werden verfehlt, anderes was wegzulassen wäre, hinzugefügt u. s. w. Ist hier nicht dem Lehrer die Aufgabe zugewiefen: zeige deinen Gemeindemitgliedern .wie und was gebetet wird?! Ist hier nicht die.beste Gelegenheit geboten, hinzuwirken und einzuwirken auf das Familien- und Gemeindeleben in seiner religiösen .Entwickelung? Soll:es eines Nachweises bedürfen, wie . sehr gerade die Gebest, mit, unserem: gesummten .religiös sen. Leben tund zwar zu. a Ile n Zeiten des.Jahr?s) -nvexy?achsen.styd? Msgtze ^ßhalbGehörsjaber./auch ihrs;iBesprechung....i» den Rahmen eines Schiurvortrages, eben darum ist auch eine Vorbereitung auf irgend eine Zeit des jüdischen Kalenderjahres nichtdenkbar, ohne ' Betrachtung der Gebete. Es würde . mich, zu- Mit führen, wollte ich näher auf die Sache hier eingehen. Jndeß kann ich es mir nicht versagen, wenigstens einige Punkte hervorzuhebsn, welche die „Wichtigkeit der Gebetserläuterung beweisen," einer Aufgabe, die man bislang sehr stiefmütterlich behandelt und der sich im allgemeinen nur wenige Kollegen unterziehen.. . '' -Unser Gebetbuch.unsereT'fillah ist, mitünem Worte gesagt, eine „wunderbare Komposition." Wir dürfen kühn behaupten, daß weder ein protestantisches, noch ein katholisches Gebetbuch an Tiefe der Gedanken, an Reichhaltigkeit des Inhalts und Abwechslung der Ideen ihm vergleichend an die Seite gesetzt werden kann. Es ist alles aus dem Geiste der Thora' geboren," von diesem Geiste durchweht und durchtränkt. Daher ist auch der Name Gebet — von Bitten — sehe unzutreffend. Es sind Theile der schriftlichen und' mündlichen Lehre mit eingeflochten. (Sch'ma, Waj'daber. Elu d'worim. Esehu m'komon, Vame madlikin u. a.) Mit Recht nennt der Jude die Synagoge „Schul",, sein Beten ist ein „Lernen", und Gesetzeskunde ist nöthig, wenn man in den w a h r e n und t i e se n Sinn der Gebete eindringen will. Da aber da8 Beten oft die einzige Geistesthätigkeit ist, durch welche Tausende unserer Brüder ihre Zugehörigkeit zum Juden- . thum bekunden, da die „T'fille" oft daS einzige hebr.. Werk ist, das man selbst beim letzten Juden im entlegensten Dorfe treffen kann, so sollte man die GebetSerläuterung durchaus wichtig genug erachten, um ihr ein Augenmerk zu widmen. Sie kann nicht nur un- . mittelbar Geist und Gemüth anregen, sondern. auch ' direkt das synagogale, das Gemeindeleben befruchten. Bei der Behandlung unserer Liturgie werden nicht bloß positive Religionskenninisse vermittelt, es wird nökrns volens unsere gesammte und weitschichtige Geschichte und Litteratur gestreift. Gar viele Zeiten und gar mannigfache Zeitverhältnisse haben mitgewirkt und mitgebaut, bis die kunstvolle Konstruktion, tvie sie heute vor unseren Augen steht, zu Ende geführt ward. Kein Wunder, daß große Männer vergangener Jahrhunderte große Kommentare zu unseren T'fillaus verfaßt,)'‘ um : uns Wesen und Schönheit derselben zu offenbaren. Kein Wunder auch, daß sich die Erläuterung der Gebete „höchst anziehend, höchst interessant" gestalten läßt. Der Lehrer kann das Gebetbuch vor seinen Gemeindemitgliedern erschließen wie ein Schatzkästlem/ das fein Gold, seinen Glanz dem staunenden Beschauer? - zeigt. Mit ganz anderen Augen wird man dann äusehen/j^aS man bisher>.kaum beachtet., Hier^ lvfe nirgends Wst, laßt sich Praktisches und -WissenswertMnntÄM/- -.«IN» AMM«? .binden-D schönster Hürmonsr,..-. «r: " Für die Behandlung der Gebete hiernüi?!, einige Winke und Andeutungen! Schon bei AdonOlam fließe

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