Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1902)
- Date
- 1902-03-13
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449816--55546-2518194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die direkte Ueberträgung in die deutsche Sprache, darf sich nicht gar zu strenge an den vorliegenden hebr. Text halten. Schon das deutsche Sprachgefühl zwingt uns oft zu Umschreibungen, zur freien Wiedergabe der hebr. Redewendungen. Ich erinnere an die Ausdrücke fein. rom prcv ,U12ZN2. Kein vernünftig ^-ekkender wird hier wörtlich übersetzen vor einem in diesen Ausdrücken nicht geschulten Publikum. Dem Eingeweihten freilich sind es teiwim technici, festgeprägte Kunstausdrücke. ■■‘Hin te die Vorschriften für das praktische Leben einzuführen, mutz aber für die Stoffauswahl vor allem ein alter Grundsatz maßgebend sein: . penn stn D~np rn srebnz, „man bereite stets eine geraume Zeit zuvor auf. einen religiösen Gedenktag vor!" Im Talmud (Trakt. Megila) wird diese Mahnung auf unseren großen Lehrer Moscheh zurückgeführt. Und so alt die Mahnung ist, so tief begründet und weise, so .einleuchtend, ja selbstverständlich dürfte sie erscheinen. Wer Sabbate und Festtage, freudige wie traurige Gedenktage recht begreifen und recht feiern will, wer die mit denselben verbundenen religiösen Pflichten, Obser-. vanzen und Zeremonien nicht mechanisch, sondern gedankenvoll und mit Verständniß erfüllen, will, der muß eben vorbreitet sein, vorbereitet werden. Das sollte ja nach. jener alten Forderung jeder Jsraelite für sich schonthün. Für den Lehrer in Israel, aber, für den Leiter und Führer einer Gemeinde wird es zur „unabweisbaren .Pflicht." Ja, man wird mitunter, die „dreißig Tage der Forschung" als zu knapp bemessen finden für unsere heutigen Verhältnisse und für die zur Verfügung stehende Zeit. Denn hier handelt es sich —; wohlgemerkt — nicht um eine Festtagspredigt, die gewöhnlich erst post festum wirkt, sondern um eine w i r k l i ch e Vorbereitung. um ein Lernen, um das Studium einer Sache, um die Erwerbung von K e n n t n i s s e n. Dazu genügt oft kaum die spärlich zugemessene Zeit. Man denke beispielsweise an das Peßachfest, an die Herbstfeiertage im Monate Tischri! 'Hier mutz sich wiederum in der Beschränkung der ' wahre Meister zeigen. Das Wesentliche. Nothwendige. Praktische ist auszusuchen, für den Dortrag zu wählen. Soll die Vorbereitung aber auch nur eine annähernd g enLgende sein, so muß sie d r e i Momente berücksichtigen, drei Punkte umfassen: 1) die geschichtliche Begebenheit oder Grundlage, 2) die reli- \ giösen Vorschriften für die Feier, die heiligen Gebräuche ' und Zeremonien. 3) die Gebete. Das gilt für die Fest- '^und-Fasttage, sür Halbfeiertage wie für besondere Sab- ''Mie." Die'Aufgabe ist für den Lehrer leicht und schwer» Micht? da eine FüÄ des Stoffes ihm zu Gebote steht' Mw8^W?LMnn'-et die rM Auswahl treffen soll» . Jedenfalls aber ist geradedrefe Aüfgälle des Schmrä lernen? -.interessant und dankbar. DaS Denken und 5.,''Fühlen der Zuhörer wird oft unmittelbar berührt.'. Man hat wohl mitunter noch einen Begriff von der geschichtli ch e n Grundlage eines Festes, allein der Begriff ist getrübt, die Vorstellung unnar, nicht selten trifft man gar f a l s ch e Ansichten, die zu berichtigen .sind. Hier ein Beispiel: „Makum feiernwir das Weihefest?" In hundert Fällen wirdmansich auf die Antwort gefaßt machen dürfen, welche von dem Oel- und Lichtwunder bei der Tempelweihe zu erzählen weiß. Das ist häufig alles,, was man zu erzählen weiß. Nichts ist bekannt von den Kämpfen zwischen Judaismus und Hellenismus/ nichts von der glaubensmuthigen Aufopferung der Hasmonäer und ihrer An- ’ hällger für das göttliche Gesetz. Hier liegt es dem. Lehrer ob, deutlich das Zeitbild zu malen, ausführlich den Gegensatz zwischen dem jüdischen Geist und der griechischen Weltanschauung zu schildern, .woraus der - Kampf entstand. Ja. man wird nicht vergessen, die „Griechlinge" jener Zeit., mit den „Kriechlingen" unserer Tage zu vergleichen, um nach der Methode der rationellen Geschichtsforschung vergangene Zeiten , durch moderne Verhältnisse zu beleuchten und besser verstehen zu lernen. Ist alles so in hellen Farben auK getragen, dann wird das Chanukafest in ganz anderem Lichte erscheinen. Erst dann wird man.. den Satz verstehen: Das Weihefest erinnert uns an die „wunderbare Rettung der Thora", erst dann' wird man das Gebet al hanissim recht verstehen; und' als dessen Kernpunkt l'haschkichom torosecho bezeichnen. Erst dann wird man richtig antworten können: die Chanuka l i ch t e r zünden wir an zur Erinnenmg an das Oelwunder im Heiligthume, welches Wunder auch. symbolische Bedeutung hat. -7- Immer sei'man-bei der Schaffung der geschichtlichen Grundlage ausführlich genug, um ein genaues Bild zu bieten. Man halte nicht leicht . etwas für überflüssig zu bemerken, eher sei man etwas weitgehend. So wird man bei der Vorbereitung auf Taanith Esther etwa zurückgreifen auf den Untergang des ersten Tempels, die babylonische Gefangenschaft und deren Geschichte. Bei der Geschichte von „Gedalja" wird man auf die beiden Reiche, Israel und Inda, zu sprechen kommen, von deren Sünden und Verfall erzählen, ja man wird „die vier Fasttage" in ihrem, „geschichtlichen Zusammenhang" vorführen,'um ein abge-'. rundetes Ganze zu bieten. Man ziehe eine Parallele , zwischen der Ermordung Gedaljahs und dem'Bar- Kochbäischen Aufstand. Die drei Wahlfahrtsfeste bringe man als „Näturfeste" in Zusammenhang. (Fest ' der Nehrenreife, Erntefest, Fest der Einlesen In; . ttnem Schaltjahre wird man anläßlich des Schaltmonats auch auf den jüdischen Kalender zu sprechen kommen. Immer ä u s der Zeit>- sü r die Zeit.-^ ■“*" -" Wasdie Vorbereitung äüf die heiligen-Gebräuche und Eeremonien betrifft, so gilt das bereits DarKlZgte über die Einführung in „Dinim." Die schonen Ge-