Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1902)
- Date
- 1902-03-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449816--55530-2518178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
474 Er ist lrnl Wunt«, w«nn Ich unter s» günstigen Verhältnissen die neuen deutschen Niederlassungen in der Ostmark wirthschastlich so ausgezeichnet gut entwickeln. .. Aber auch sozial und in ihren Gemeinwesen kommen die deutschen Einwanderer im Osten ganz vor-' züglich voran. Diese Seite der Entwickelung wird ungemein gefördert dadurch, daß die königl. Ansiedelungskommission nicht nur auf Staatskosten überall in den neuen Gemeinden neue Kirchen und Schulen bauen läßt, sondern daß sie auch den neugegründeten Gemeinden stets sehr beträchtliche Ländereien unentgeltlich und dauernd als Gemeindeland überläßt. Es ist nicht selten, daß eine neue Ansiedlergemeinde 80 bis 100 preußische Morgen (20 bis 25 Hektar) oft vom. besten Lande, unentgeltlich als Almende bekommt und daraus schon nach wenigen Jahren 800 bis 1000 Mk. und mehr Pachtbeld für die Gemeindekaffe erlösen kann. . Schließlich sei auch erwähnt, daß der Aufenthalt in den Ostprovinzen sehr gesund ist; das Klima, ist sehr sonnenreich, nicht so regnerisch, wie in Mittel- und Süddeutschland. Kinder gedeihen in den Ansiedelungen besonders gut,, und kinderreiche Landleute, denen die Heranwachsenden Kinder schön etwas Lei der Arbeit helfen können, thun sich da ganz besonders leicht und kommen bei Fleiß und Sparsamkeit sehr, gut voran. Die Vorzüge und Vortheile der staatlichen Ansiedelung in Westpreußen-Posen sind leider noch immer zu wenig bekannt und viel zu wenig gewürdigt-.'-Sähen manche unserer kleinen Leute nur einmal diese prächtigen, neuen, großen Höfe.und das fröhliche Gedeihen dieser jungen deutschen Gemeinden in der Ostmark — sie wollten sich wohl bald genug entschließen, aus engen, drückenden Verhältnissen heraus, und nach dem Osten zu kommen! — Zunächst zu einem Besuche und zur Besichtigung der Ansiedelungen — jetzt im Frühjahre -- einzuladen, ist der Zweck dieser Zeilen. Interessenten werden aus' Anfrage gern jede erwünschte nähere Auskunft von der königlichen Ansiedelungskommission in Posen erhaldm. . - Es sei noch bemerkt, daß Israeliten sich solche Areale wählen könnten, die in der Nähe von Städten liegen. In den Schulen könnten dann die Kinder Religionsunterricht erhalten und jüdische Haushaltungen könnten dort ihren Bedarf an Fleisch und dergl. decken. Mir ist es wiederholt begegnet, daß ich. in Dörfern der Provinz Posen, und'Westpreußen Juden gefunden — oftnur eine Familie inmitten katholischer und evangelischer Bevölkerüng — die es durch Fleiß zum Wohlstand gebracht und streng nach den Vorschriften unserer Wwion lebt-rn^ einige sogar das Thorastudium pfleg« tenr^Mögen diese Zeilen dazu beitragen, die Förderung des Deutscht.hums durch Kolonisation zu heben. ■- .•■** L.-Horwitz. v v;'7 f- 7 -;«7 •': - / v'- v'/-.v;■: ■. : -7 ' ' - -; . ZeitmrgsnachrichLe» mrd Corresposde«ze«. ' Deutschland. ' Berlin, 9. März. (Repr äsenLante»versa m m l u n g.) Die heutige Sitzung bot wieder einmal ein interessantes Bild von Verlegungen. An Stelle des beurlaubten Herrn Aron H i r s ch ist Herr Oskar Berlin einberufen worden. In die gemischte Deputation zur Verathung des Normalbesoldüngsetats wurde Herr Direktor Isidor Sachs gewählt, in die Subventions-Kommission Herr Kommerzienrath F r i e d l Ln der. Bei Punkt 5: Neubildung einer ständigen Verwaltungs-Kommission an Stelle der Kommission zur Vorbereitung der Kantorenwahl/entsteht eine lebhafte Debatte über den Antrag des Herrn Dr. Minden, auch die Rabbiner in die Kommission zu wählen. Die Bedenken, welche dagegen . erhoben werden, sind vollkommen berechtigt, da das hiesige' Rabbinat aus Vertretern aller Richtungen zusammengesetzt' ist. (Der Antrag des Herrn Dr. Minden wurde schließlich abgelehnt.) Zur Belegung des Fußbodens/ im Chorraum der Synagoge, Kaiserstraße, werden 125 Mk. bewilligt, desgleichen 4513 Mk^ für Pflasterungen auf dem Friedhofe in Weißensee./Auch dem' „Verein für Arbeitsnachweis" wird eine Subvention bewilligt. ' .77 „.^E,R.<-7'7 München, 9. März. Üeber das Thema: „Die Grundideen des Judenthums" hörten wir gestern Abend im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" einen in jeder Hinsicht hochinteressanten Vortrag. Der gefeierte Gelehrte, Prof. Dr. Cohen- Marburg, wies in seinen in der vornehmen Sprache des geistvollen Philosophen gehaltenen Ausführungen, die trotzdem'fast in allen Theilen populär blieben, überzeugend nach, wie der Glaube an den einig-einzigen Gott, der Glaube an das meffianische Reich und der Sabbat die drei Fundamentalpfeiler bilden, auf denen die Religion des Judenthums aufgebaut ist; ferner entwickelte der Redner in scharfsinniger Logik und mit wirksamen Argumenten, wie die Religion des Judenthums. die Nährmutter aller Kulturreligionen gewesen, wie namentlich das neue Testament derselben so vieles verdanke, wofür allerdings dem Judenthume in Wirklichkeit nie gedankt, vielmehr in einer Weise vergoltenwurde, die im Rahmen dieses Vortrages nicht näher, geschildert werden solle. Das Gebot der Menschenliebe, die Aufforderung, den Fremdling nicht zu bedrücken, die Gesetze der Sittenreinheit, eine Reihe von Humanitäisvorschriften finden sich, wie der Vortragende' darlegte, in keiner Glaubenslehre so ausgeprägt, wie in der jüdischen; was'uns von all' diesen Sentenzen iiy neuen Testament entgegentritt, sei als Nachbildung leicht zu erkennen. Die Gewalt der Jahrtausende, die Schrecken I