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Der Israelit · 1902-03-13 · Heft 21 (13.3.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 21 (13.3.1902)
Date
1902-03-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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TTnrrwSv? 43. Jahrgang. ge zu ^§ 21 des Auf, nach dem Osten. . Seit einer Reihe von Jahren ist in diesen Blättern oft von dem Wunsche die Rede gewesen, unsere Glaubensbrüder dem Ackerbau wieder zuzuführen. Es hat sicherlich nicht am Interesse der betheiligten Vereine und Gesellschaften gelegen, wenn ihre Bemühungen nicht immer den erwünschten Erfolg hatten.' Wenn ich nun jetzt, auf den „Zug nach Osten" aufmerksam mache» so veranlaßt mich dazu zunächst die Thatsache, daß die östlichen Provinzen unseres Vaterlandes von Juden -immer mehr entvölkert werden. Gemeinden, die vor dreißig Jahren zwei- und dreiklaffige, stark besuchte Schulen hatten, besitzen jetzt noch eine einklaffige mit wenig Kindern. Wollte man die Gemeindemitglieder des rheinisch-westfälischen J'ndustriebezirkes, /des Königsreichs Sachsen (Chemnitz, Leipzig, Dresden) auf ihre Herkunft prüfen, so würde man bald sehen, daß deren Wiege in Ostelbien gestanden. So sehr * sich unsere Glaubensbrüder aus dem Osten als tüchtige Kaufleute mit weitschauendem Blick und rühriger Unternehmungslust bewährt haben, —- ihrem engeren Heimathslande gingen sie verloren. Doch bietet der Osten vielfach gute Gelegenheit, sich anständig, wenn auch mühevoll, zu ernähren. Die General- Komission in Posen gibt auch Israeliten unter günstigen Bedingungen Ländereien als Eigenthüm her. Die königliche Ansiedlungskommission für die Provinzen Westprenßen und Posen hat sich vorbereitet, im kommenden Frühjahre eine besonders große Zahl neuer Ansiedler . zu. empfangen. Es liegen gegenwärtig an 2000 Landstellen in der durchschnittlichen Größe von 17 Hektar (68 preuß. Morgen) zur Besiedelung fertig. Darunter sind solche von 2 Hektar und mehr, vom leichten bis züm besten Mittelboden und schweren! Weizenboden, in bester Verkehrslage oder auch weiter entfernt von Marktorten und Eisenbahnen. Ebenso verschieden wie Größe, Boden und Lage sind selbstverständlich die geforderten Anzahlungen und Betriebsmittel: es können die kleinsten wie die größten bäuer-' lichen Vermögen, wie auch die allerverschiedensten sonstigen Ansprüche bei der Auswahl ihre volle . Befriedigung finden, und für. tüchtige, arbeitsame Landleute; jeder Art bietet sich hier eine Gelegenheit, , eigenen größeren Grundbesitz, größeres Vermögen, eine, volle. Verwerthung aller., ihrer, Kräfte und Fähigkeiten zu' finden/ so gut und so sicher, wie sonst nirgends ans.d^r Welt./ Selbst die .hochgepMellen'.-/AK.Mussggtek -"Nord- und Südamerikas vermögen deutschen ländlichest; Ansiedlern bei weitem nicht jene Sicherheiten und Annehmlichkeiten zu bieten, als die staatliche Ansiedelung. in der Ostmark. Schon der Amstand. daß sich Ansied- - ler, also Auswanderer, im deutschen Osten zuvor Umsehen, sich vorher selbst, nach sorgfältiger Prüfung. aller Verhältnisse, eine ihnen passende Stelle auswählen': können, spricht sehr für diese inländische Siedeluyg; ' denn wo wäre das bei her überseeischen Auswanderung' - möglich? — Da muß schließlich der Ansiedser eben zufrieden sein mit dem, lvaS er sich ohne vorherige Besichtigung auf den Landbanken auf dem ^Papier gewählt hat..y : :; : i Sodann spricht, für die Ostmark die Geringfügigkeit der erforderlichen Mittel; der kleine Mann mit nur . wenigen hundert Mark Erspartem kann da ebenso gut \ ankommen, wie der Größte mit hunderttausend Mark Vermögen. Es ist insbesondere in der neuesten Zeit Vorsorge getroffen worden, daß auchfeilte.-.niH . ge* ... ringsten. Mitteln, ivenn sie nur fleißig und brauchbar sind, noch Ansiedlerstelle» erhalten könnenzuerstin Pacht mit Freijahren und alsdann, wenn sie stch genug gespart haben, gegen geringe Anzahlung zu Eigenthum. Beim Aufbau der erforderlichen Gebäude werden den Ansiedlern die weitgehendsten Erleichterungen gewährt: alles, was zum Bau erforderlich ist, als Steine, Holz. - . Sand,..Aals und dergl.^ wird den Leuterr unentgeltlich ' angesahren; sie erhalten während der Bauzeit unentgeltlich Verköstigung und Unterkunft, , und das Land, was zur Stelle gehört, wird ihnen auch fertig.bestellt.. mit der vollen Ernte übergeben, so daß sie, wenn.sie im.. Sommer mit dem Aufbau des Gehöftes/ fertig, sind, eben nur zu ernten brauchen. y In der Regel werden den neuen Ansiedlern auch mehrere Freijahre gewährt, also Jahre,,in denen sie daß ' Geld, welche die Stelle lostet, gar. nicht zu. verzinsen brauchen. Dabei ist auch zu ^merken, daß das Kapital, das auf der Stelle eingetragen bleibt,. den.Ansiedlern niemals gekündigt werden kann und daß es ein-, für allemal nur mit bis 3 pCi. verzinst. zu werden braucht. Dieser Zins, die sog. Rente, ist das. einzige, , was dauernd und gleichmäßig an die konigl. Ansiede-. lungslommission entrichtet werden muß. . Sie beträgt/.7 zwischen 5 bis D0 Mk. vom preußischen Morgen (20 7 bis 40 Mk. vom Hektar),- je. nach Boden und.Hjge,vnv 7- / stellt sich auf 'ein Wte.l bis ejn sechstel dessen, was. in 7 besseren./ Gegendenvon. lNsttA-'. und Westsieutschsand 7/ für Boden gleicher. Ärt/und. Güte als Pachtgeld, bezahlt; denn vom preußischest MoMst/W?Mi Ä/Helfa^,5^ ' 10 Centnex M :. 200 biß 900 'CWÄrVZüÄerrÄen,/das'rst^ in normalen - - Jahren auf besserem Boden der Änsiedelüngrn durchaus . nichts Seltenes und gilt nicht für übermäßig.' '

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