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Der Israelit · 1902-03-13 · Heft 21 (13.3.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 21 (13.3.1902)
Date
1902-03-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Gabe, sehr verständlich zu sprechen, so daß ihm auch die weniger mit den heiligen Lehren vertrauten Zuhörer zu folgen vermögen. Die Vorträge, an die sich übrigens um 12% Uhr immer das Minchagebet anschließt, erfreuen sich auch eines, recht zahlreichen Besuches, so daß sich das jetzige Lokal, die Fuchs'sche Synagoge, schon längst als zu klein erwies. Der Verein hat daher die Absicht, in die Nebensynagoge des „Storchtempels" überzusiedeln, doch steht über diesen Punkt noch ein Bescheid von 'seiten der Gemeindeverwaltung aus. In den Vorstand sind wieder gewählt worden die Herren Ludwig Falk als Vorsitzender, Alfred Freudenthal (stellvertretender Vorsitzender), Benno Freund (Schriftführer). Dr. Walter Roth (stellverir. Schriftführer und Bibliothekar), und als Kassirer wurde neugewählt Herr..Eugen Perle. München, 10. März.- Unsere Haupt-und Residenzstadt, die Kunst- und Fremdenmetropole par excellence, mit ihren Monumentalbauten, ihren klassischen, stylvollen Kunstdenkmälern, ihren großartigen historischen Sammlungen und Gemäldegallerien, ihren herrlichen Darbietungen auf dem Gebiete aller ausübenden und darstellenden Künste, hatte bisher nur einen Mangel: eine Hochburg des Zionismus ist sie bis jetzt nicht gewesen; seit gestern ist sie jedoch auf dem besten Wege dazu, wenigstens glauben es die Palladine des Zionismus, oder sollen wir dabei an einen gerade von dem Hauptredner desselben gestern Abend öfters angewandten Satz denken, der da lautet: „Der Wunsch ist des Gedankens Vater?" Die erste hiesige zionistische Volksversammlung fand gestern im großen Saale des Kreuzbräu statt; die Räume waren bis auf den letzten Winkel dicht besetzt. Es ist hervorzuheben, daß die Versammlung in allen Theilen durchaus würdig verlief, wie es ja auch erwartet werden darf, wenn ernste, nach edlen Zielen strebende Männer zu wichtiger Verathung zusammentreten. Das Referat - hatte Herr Dr. Klee- Bonn übernommen, ein geborener Volksredner. Das Programm, die Ziele und die bisherigen Arbeiten des Zionismus sind den Lesern dieser Blätter, die über die bisherigen Kongresse und öffentlichen Kundgebungen schon so oft erschöpfend berichtet, ja zur Genüge bekannt. Ich kann mich daher auf die Feststellung beschränken, daß Herr Dr. Klee es verstand, seine Ausführungen mit feuriaer, glänzender Beredsamkeit vorzubringen und einen großen Theil der Hörer mit sich fortzureißm; über hundert Anmeldungen' erfolgten sofort auf das Referat des genannten Herrn. Wenn die Zahl der Beitretenden im Laufe des Abends nicht noch größer wurde, so liegt der Grund zum guten; Theil darin, daß aus der Mitte der Versammlung die Gegner des Zionismus in sehr wirksamer Weise ihren - Standpunkt zur Geltung brachten. Don den. vielen hier in Bekracht kommenden Red-' nern erzielten weitaus den größten Erfolg die Herren ' Dr. Holländer und Sigmund Fränkel; letzterer unterließ nicht, den unerhörten Angriff des Zionistenführers Zangwill (aus dessen Ausspruch: „Man gebe., die^ Millionen ohne Zweck dem Zweck ohne Millionen, man - - gebe das Land ohne Volk dem Volke ohne Land,", seine Anhänger so reichlich Kapital schlagen möchten) auf R. Jochanan ben Sakai entsprechend niedriger zu hängen und auf's schärfste zurückzuweisen. In seinem Schluß- ' wort hielt der Referent alles von ihm Gesagte aufrecht . und setzte sich mit den. Opponenten Auseinander. Im . Ganzen blieb er objektiv und bewährte sich auch in der Diskussion als brillanter Rhetoriker und schlagfertiger Debatter. Nichtsdestoweniger werden diejenigen bei . überaus zahlreichen Hörer, die sich neben eineyl warm fühlenden Herzen auch. nüchterne Ueberlegung bewahrt, haben, mit dem Empfinden fortgegangen sein: „Es sind nur Worte, die da gesprochen."- Oesterreich. '. Wien, 6. März. (Abgeordnetenhaus.) y Abg. Dr. Straucher (Demokrat). Die öffentliche Sicherheit versage sehr oft und merkwürdigerweise gerade dann, wenn es sich um die Sicherheit der Juden handle. In den letzten Jahren sei die Jüdenplunde-': rung eine Spezialität Oesterreichs geworden. In Rußland habe es in den letzten Dezennien Judenplünderungcn nicht gegeben. In anderen Ländern seien derartige Erscheinungen überhaupt unmöglich^ Diese Judenplünderungen seien nicht das Werk des Pöbels, sie werden vielmehr oft von den höheren Schichten des Bürgerthums, des Adels und der Affiliirten organisirt. - Die einflußreichen Führer bleiben allerdings in der . Regel unausforschbar. So oft die Untersuchung auf höher stehende Persönlichkeiten stoße, reiße der Faden plötzlich entzwei. Nie sei es in die Oeffenilichkeit gedrungen, wer diese leitenden Persönlichkeiten waren. Die werkthätigen Excedenten aber werden niederge- . schossen oder büßen oft mit schweren Strafen. An sehr vielen Orten schon wurden die Juden von Deutschen, Czechen, Polen, geprügelt, boykottirt, verfolgt und vor den Augen der Sicherheitsorgane und unter ..ihrer passiven Mitwirkung geplündert. Dadurch werden die Autorität und das Ansehen der Staatsgewalt untergraben. Die Ursachen für diese Ausschreitungen und für die damit verbundene Erschütterung des Rechtsbewußtseins liegen darin, daß man allzu lange und all- . zu geduldig zugesehen habe, wie von gewisser Seite ungestraft die brutalsten Beschimpfungen verübt und . die niederträchtigsten Lügen über die Juden, in . Wort und Schrift verbreitet wurden.- 5- Eine weitere österreichische Spezialität seien die vielen Kinderraube und Entführungen halbwüchsiger Mädchen in gewisse Klöster. Redner erinnert an den

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