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Der Israelit · 1902-03-10 · Heft 20 (10.3.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 20 (10.3.1902)
Date
1902-03-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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458 Wenn Man sich die Personen der Führer der Reformer näher betrachtet, so findet man, daß es durchweg Herren, .sind, die seither, fiir alles Interesse zeigten, .nur nicht für den jüdischen G öttesdi e n st. Diesen besuchten sie das ganze Jahr nicht, sie wußten nicht, wie er beschaffen ist, ob er und wie er verbessert oder verschönert werden könnte und nahmen den Synagogen-Angelegenheiten gegenüber etwa die Stellung ein, die ein Mitglied der internatwnalen Friedensliga den neuesten Erfindungen zur Erhöhung der . Wirkungen Krüpp'scher Schnellfeuer- Geschütze gegenüber einnimmt. Sie selbst hatten kein Bedürfniß nach religiöser Erbauung im Gotteshause, empfanden aber auch lein Bedürfniß, den eigentlichen Interessenten, den regelmäßigen Synagogenbesuchern vörzuschreiben, wie diese ihrem Gotte an heiliger Stelle zu dienen hätten. Das war eine korrekte Haltung, die sich in dem Augenblick in ihr Gegentheil verkehrte, als die Herren mit einem Male das Bedürfniß fühlten, sich in Dinge einzumischen, zu deren Beurtheilung sie weder berufen, noch fähig sind. Ist cs in Wirklichkeit^ nicht ein sonderbares Schauspiel, wenn, ein Rechtsanwalt, der vielleicht nicht einmal hebräisch zu beten versteht und den je in der Synagoge gesehen zu haben, sich die bekannten „ältesten Leute" nicht erinnern können, über den jüdischen Gottesdienst und dessen angebliche „Berschönerungsbedürftigkeit" in einer Weise -spricht, als ob er zeitlebens nichts anderes gethan hätte, als in den Synagogen der Welt diesbezügliche Studien zu machen und außerdem sein theoretisches Wissen durch ein unausgesetztes Studium unserer Religions- und Halachischen Schriften zu vertiefen? Was würde der Herr wohl dazu sagen, wenn bei der Verhandlung über eine wichtige, folgenschwere, juristische Frage, zu deren Lösung ein eingehendes Fachstudium und langjährige : praktische Erfahrungen in der Jurisprudenz unbe- - dingte Voraussetzung sind, etwa ein ehrsamer Schuh- . machermeister, eine in seinem Fache ganz bewährte Autorität, das. große Wort führen wollten? Sicherlich wurde er dem Herrn mit dem alten Mahnworte dienen: „Schuster, bleib' bei deinem Leistent" Und - wenn ein jovialer Rentner, der häufig Abends in christlichen Kreisen seinen Schoppen zu trinken liebt, dort um fein llrtheil gefragt würde über die Einzelheiten eines neuen Jagdgesetzes, dann würde der Herr sicher auf seine völlige Unkenntniß aller hier in Betracht kommenden, Verhältnisse Hinweisen, weil er das edle Waidwerknie praktisch ausgeübt, habe. Bei der. Beurtheilung und Beschlußfassung über die wichtigsten' die Lebensinteressen einer jüdischen Großgemeinde. '' betreffenden Kulturangelegenheiteu, halten sich' solche Herren aber für völlig kompetent, obschön'sie' in Mchen Dingen ebensowenig Erfahrung, als Kenntnisse 'besitzen und den .Gottesdienst vielleicht ein öder zch'et 'Nal'im Jahre'aüf ein Stündchen mit ihrem Besuche beehren. In jüdischen Kuliusangelegenheiten hält sich eben Jeder für eine A u t o r i t a t; der den Beruf m sich fühlt, mit Schlagworten um . sich zu werfen um die Rolle des Reformators zu spielen und dies um so mehr, wenn sein Urtheil durch keinerlei Sachkenntnitz getrübt ist. Solchen Führern gesellen sich dann noch diejenigen Elemente zu, die um jeden Preis eine Rolle oder ein Röllchen spielen möchten und zahlreiche Indifferente, die von solchen Führern" für „ihre Sache" gewonnen werden. Dann ist. die Reformpartei fertig. Fehlt nur noch die rabbinische „Autorität". Auch die hat sich in der Person des Herrn Rabbiners Dr. Frank gefunden mit seinem merkwürdigen „Gutachten." Nun, wir gönnen den Herren gerne und neidlos diese. „Autorität," die in sämmtlichen Schriften des Judenthums nicht das Geringste gegen die Einführung der christlichen Orgel. in den jüdischen Gottesdienst gefunden haben will. Dieser „Autorität" stellen wir eine andere Autorität gegenüber: Die Lehren unserer heiligen Thora und deren berufenen Erklärer, das ganze orthodoxe und konservative Judenthum mit seinen Rabbinen und Gelehrten, die glorreiche V e r g a n g e n he i t des Judenthums und seine g e h e r l i g t e T r a d i t i o n und endlich die unheilvollen Erfahrungen, welche die jüdischen Gemeinden noch überall mit den das Judenthum zu zerstörenden Reformen gemacht haben. Ob diese Autorität nicht stärker in's Gewicht, fällt, als die „Autorität"' des Herrn'Rabbiners Dr.' Frank?!. Zeitungsnachrichten unv tkorrespondenze«. Deuts ch l a n d. Berlin, 9. März. Eine Umfrage über die Zahl und die Lage der jüdischen Handwerker in Berlin veranstaltet der „Verein selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens." Auf Grund dieser Erhebungen soll gegen das Mißtrauen angekämpft werden, welches vielfach auch iu jüdischen Kreisen gegenüber jüdischen Handwerkern besteht. Dadurch, daß diese seitens ihrer eigenen Glaubensgenossen nur geringe Förderung erfahren, wird nicht allein ihre Existenz erschwert, sondern die w.itere Ausbreitung des Handwerks unter den Juden, welche sich verschiedene Vereinigungen zur Aufgabe machen, geradezu unmöglich gemacht. > - - —. (Aufgelöste P ü ck ler -Versa mm - lung.) Eine von ca.,MM Personen — darunter die Hälfte Sozialdemokraten — besuchte Pückler-Versammlung. die am 7. Dss. Abends, bei Keller, Koppen-, firaße. tagte, verfiel der Auflösung Als Pückler die f Zuhör«.Kuffiwd^'-zm'je',M..W.,3l> über eiyzesqe Ju-r << ■ i ';:*y v

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