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Der Israelit · 1902-03-10 · Heft 20 (10.3.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 20 (10.3.1902)
Date
1902-03-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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459 den herzufallen und sie zu verkeilen, löste der Polizeileutnant die Versammlung auf. Pletz,. 9. März. Der Landrath des hiesigen Kreises läßt es sich angelegen sein, in dem amtlichen Plesser Kreisblatte dem Märchen vom „Ritualmorde" entgegenzutreten, indem er nachstehende Bekanntmachungveröffentlicht: „In Neumann's Stadtbuchdruckerei in Gleiwitz ist zum Preise von 8 Pfennig das Stück ein Schriftchen über Ritualmord und Eid als offener Brief an den Reichstagsabgeordneten Liebermann von Sonnenberg in Groß-Lichterfelde von'Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz erschienen. Indem ich die Kreiseingesessenen auf dies vorzügliche Schriftchen aufmerksam - mache, empfehle ich die Beschaffung der Lektüre desselben allen, die noch an das Märchen des „Ritual-; mordes" der Juden glauben und in unbegründeten Vorurtheilen unseren jüdischen Mitbürgern gegenüber befangen sind." - Hoffentlich bleibt diese Mahnung an die Kreiseingesessenen nicht ohne die erhoffte Wirkung, l; Oester rei ch. - Seräjewo, 6. März. Das gestern um 2 Uhr Nachmittags stattgefundene Leichenbegängniß des verstorbenen Oberrabbiners von Bosnien, Abraham A b i n u n, gestaltete sich zu einer imposanten. Trauerkundgebung um den allgemein geschätzten Mann, der seines Amtes Jahrzehnte hindurch in stiller, anspruchsloser Weise gewaltet und sich die Achtung. Aller errungen, die mit ihm bei seinen Lebzeiten in Berührung zu treten Gelegenheit hatten. Die Leiche war im schwarz drappirten Hofe des Tempels der sefard. Gemeinde in der Camalusa aufgebahrt, sie lag in einem Sarge, war mit einem schwarzen Bahrtuche bedeckt und nur die zu Häupten der Leiche' angebrachte, mit purpurfarbenem Stoffe eingefaßte Mütze, verrieth die Stellung des Verstorbenen. Nach Verrichtung der vorgeschriebenen Todten-; gebete hielt der spaniolische Religionslehrer Herr. Mercad Romano eine Gedächtnißrede in spaniolischer Sprache, worauf der Rabbiner der österr.-ungar. Kultusgemeinde, Herr Dr. Samuel Weßel, dem dahingeschiedenen Kollegen einen tiefempfundenen Nachruf \r hielt. ' ' ' " Hierauf fetzte sich der endlose Leichenzug in Bewegung. An der Spitze zwei berittene Sicherheits-; Wachmänner, ihnen folgte die spaniolische männliche I Schuljugend,' mit brennenden Kerzen in den Händen, dann kamen die im Schoße der Gemeinde befindlichen! zahlreichen rituellen und humanitären' Vereine, deren Mitglieder ebenfalls schwarzumflorte',brennende LjHf ter . trugE eine Äbördnung der seÄifch-otthödöten j. Kirchengemeinde, hieraus unter Vorantragung einer Trauerfahne die Lsterr.-ungar. israelitische Kultusgel ' meinde unter Führung ihres Präsidenten Dr. Moritz Rothkopf, nahezu vollzählig! Ünmittelkar^.hinter^.der Leiche schritt Rabbiner Dr. Weßel. diesem folgte. Se. > . ' . ' Excellenz der Civiladlatus Baron Kutscher« mit ^dem Vorstande der sefardischen Gemeinde und eine:überaus^.: zahlreiche, ausschließlich' aus männlichen Leidtragend -. / den bestehende Menge, denn der strenge sefardische. Ri-. ',■ tus gestattet die Theilnahme weiblicher Leidtragender. , / nicht. Vor dem Sarge schritt ein Knabe , mit Hern Or-!), den des Verstorbenen auf einem rothsämmtenen^Polster. Auf dem Friedhofe wurden abermals Todten- 7.- ' ' gebete verrichtet und Psalmen, recitirt, worauf./die. Leiche unter strenger Einhaltung der vorgeschriebenen .. ' einfachen Ceremonien in das Grab, -.versenkt wurdet.; . . Zum Zeichen der Trauer waren gestern, tagsüber - . fammtliche Spaniolen gehörende Geschäfte geschloffen. \ Die „Bosnische Post" schreibt über. den Verstorbenen: Mt dem Ableben des sel. Oberräbbiners für. ' Bosnien . und die Herzegowina, , Herrn.. Abraham. :. Abi nun, erleidet die gesammte spaniolische,Bevol-. kerung unseres Landes einen schmerzlichen/ unersetz/ - lichen Verlust. Es dürfte wohl keinen.Zweiten:gebe»,]&*• - der ihm an Wissenschaft und wahrer SeelenÄldung --) gleichkäme.. . Schon in seiner Jugend hatte er, Umgang mit den hiesigen .Rabbinern, die ln ihm, einen.äußerste . . . begabten Menschen erblickten und ihm riethen, sichrem Rabbinerstande zu widmen.' Er trat bald m .Travnik - eine Rabbinerstelle an, wo er 'durch 28 Jahre wirkte^'^ - und als vor 14'JähreU der OVeriabbiner. MM! Seräjewo starb,, fiel^ die Wahl aüf-Abinün.., Wie..<^ segensreich er wirkte, dafür dürste der beste Beweis fein, :.;s daß er im Jahre 1898 von Sr. Majestät..dem '^Kaife^^ durch den Franz-Jofefs-Orden ausgezeichnet würde/H . ,und die letzte Ehrung, ..die ihm von seinen.'Glavhevs/^^ genossen und vielen Freunden gestern zu Theil wurde; nicht blos aus Seräjewo, sondern auch von auswärts, waren Tausende erschienen, .'die dem hochverehrten Manne das letzte Geleite gaben.- . Aus Travnis^.der .J ' ersten Stätte seines Wirkens,' Jam''ein' Trauergasten an. -7- Oberrabbiner Abinün hinterläßt eine Wittwe mibvier Söhnen und zwei Töchtern:^ ./. ' ' & pxt f «Äl. -• - Breslau / 4. MgrF.^ . Sehr geeWjeHedaMiii,'^E>'^^'^'^ Die Richtigstellung im Sprechsaas, der Pr« 1? . -, Ihres geschätzten Blattes bedarf einer Ergänzung.)^!.>) Zunächst hätallerdings Herr F.. die Erklärung : vorgebracht, daß nach seiner. Ansicht! nur-, diejenige^ - als Juden zu betrachten sind!.die strengean'je^.älte^ .orthodoxen..Gesetzen - klärüngrm'Anschlüsse an seine Ausführungen gegen. den Zionismus folgte, so war dieselbe doch, ganz im Allgemeinen gehalten und nach dem orthodoxen .y„ Standpunkte des Herrn F. vollständig berechtigt. Von > "

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