Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1902)
- Date
- 1902-03-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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48. Jahrgang. sraekM Rabbi Wiel Ml ÄS aas kloW. /HH f f V •' «I ft. ■ Mim in Kirre ßiograp6ifd?e Skizze. Von Heermrrm Löwinger, Frankfurt a. M. Der einsame Wanderer, der sich in fremdem Lande auf der öden, menschenleeren Landstraße befindet, und vom richtigen Wege abzukommen fürchtet, späht begierig nach einem menschlichen Wesen, und ist hocherfreut, wenn er ein solches von der Ferne wahrzunehmen glaubt. Er strengt, seine Augen an, schärst seinen Blick, doch ist es vergebliche Mühe. Er vermag vorerst nur einen dunklen Fleck zu sehen, später sieht er schon die Umriffe einer menschlichen Gestalt. Erst wenn er nach längerem, kräftigen Ausschreiten derselben näher kommt und deren Gesichtszüge sieht, vermag er mit Bestimmtheit zu erfahren, ob er Jemand gefunden, der ihn von dem Irrwege auf den richtigen Weg führen kann. Dem Biographen, dem nur geringe Daten über die Persönlichkeit, deren Lebenslauf er beschreiben will, zu Gebote stehen, ergeht es ebenso, wie dem fremden Wanderer. Auch er muß oft ihm unbekannte steinige, ungeebnete Pfade wandeln, wo keine Spur, kein sicherer Anhaltspunkt zu finden ist, und er von fortwährenden Zweifeln gequält ist, ob er den richtigen Weg eingeschlagen. Auch er muß sein geistiges Auge anstrengen, die ältesten Bücher und Schriftstücke durchsuchen, die Inschriften von alten, verwitterten Grabsteinen zu entziffern versuchen, um das nöthige Material zur Biographie seines Helden herbeizuschaffen. Doch der Lohn, der für diese mühselige Arbeit winkt, wiegt oft die Mühe vielfach auf, wenn es ihm gelungen, die Geschichte berühmter Männer der Vergessenheit zu entreißen, und deren nachahmungswerthen Lebenswandel als leuchtendes Vorbild der Nachwelt zu erhalten. Mit dem Niederschreiben der Biographie Rabbi Ascher Lemel's haben wir uns der oben geschilderten Mühe unterziehen müssen.*) Doch die Lebensbeschreibung von deffen Sohne, unseres Urgroßvaters Rabbi Jechiel Michel Löwy s. A., ist uns ein wenig leichter geworden, da Schreiber Dieses außer den aus verschiedenen jüdischen Werken entnommenen Daten, sich noch auf die mündliche Ueberlieferung seines Vaters Vatt v« basb ms pnn, welcher ein Lieblingsenkel *) Auch Ihrem geschätzten Mitarbeiter. Herrn M. «chroer.zer aus Glogau, der in Nummer 81 dieses Blattes m seinen lehr interessanten Bemerbpigen zu meiner biographischen Skrz-e über »Rabbi Ascher Lemel f'v“ zur Ehrung desselben bergerragen. sei hiermit unser herzt. Dank ausgedruckt. . des Rabbi Jechiel Michel Löwy's gewesen, und in dessen Hause.auferzogen wurden stützen kann. Rabbi Jechiel Michel Löwy war gleich seinem Vater in Glogau geboren. Sein Geburtsjahr ist nicht genau festzustellen, und dürfte dieses ungefähr im Jahre 5503 gewesen sein. Er war ein piro von Rabbi Eleasar Kallir, des berühmten Verfassers des tf-tn *r« und -w ritn dessen Tochter seinen Sohn. Rabbi Mosche Löwy, Rabbiner in Zehlim, zum Manne hatte, der ein Schwager des Rabbi David Horowitz, Rabbiner in Frauenkirchen in Ungarn und Nachkomme des nx^rn und rnpn gewesen. Rabbi Jechiel Michel Löwy zeichnete sich schon in frühester Jugend durch seine große Belesenheit im Talmud, wie auch durch sein glänzendes Rednertalent aus. Der Verfasser des y.x wm2, Rabbi Meir Warsir, sagt in seiner Vorrede zu seinem Werke von seinem Schüler Rabbi Michel Löwy, daß er den größten Theil seiner in seinem Werke enthaltenen vvrnr, ihm mitgetheilt, welcher dieselben wieder seinem Vater, Rabbi Ascher Lemel Löwy, der zu dieser Zeit noch Dajon zu Glogau gewesen, vorgetragen und deffen Beifall gefunden habe. In noch verhältnißmäßig jungen Jahren erhielt Rabbi Jechiel Michel den Ruf als Rabbiner und Magid von der damals noch kleinen, nur aus Schutzjuden bestehenden jüdischen Gemeinde in Wien, wo er auch als Hausrabbiner der dort in großem Ansehen stehenden reichen Familien Arnstein und Eskeles fungirte. Ueber seine glänzende Rednergabe und große Talmudgelehrsamkeit spricht sich Rabbi Moses Sofer (ic:s cnr) in seiner Haskomo zum <DW2 wo in folgenden Lobesworten aus: pcn vraxi oro use uvn w *o lamwA tohdv 12 x:*in:n Vxt bv'v N"A -nss TN'vd.i %“) rwev b$2 pinn yj>3 cns-icn emi wns iwn NI'X rrorca X'^v wirr "3X pwn ''p^x pix npte w pre» *.aw cvuo TO» spw V"X p' ps .'3X XS2 bv 28?1 Wie lange Rabbi Jechiel Michel Löwy in Wien gelebt und gewirkt, dies ist uns trotz unserer Bemühungen bisher nicht gelungen festzüstellen. Wir wissen nur, daß er in großem Ansehen in Wien gestanden und sich einer großen Beliebtheit bei den Familien Arnstein und Eskeles erfreute, und auf seine Empfehlung und Fürsprache bei denselben viele Wohlthaten an bedürftigen e’ssn ’vsbn ausgeübt wurden. Nach dem Hinscheiden seines berühmten Vaters im Jahre 6550 wurde Rabbi Jechiel Michel an dessen Stelle nach Eisenstadt als Rabbiner berufen, in lvelcher Gemeinde er nahezu drei Dezennien, von ppn bis »Trpiy segensreich gewirkt und eine große Jeschiwa gehalten, aus welcher berühmte Talmudgelehrte und Rab- 7402