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Der Israelit · 1902-03-06 · Heft 19 (6.3.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 19 (6.3.1902)
Date
1902-03-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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rüge Durchführung der Breslauer Beschlüsse betreffs der Rückwanderer ersucht hatte, wird die Debatte geschlossen und es gelangen der Antrag Lebrecht-Nürnberg: „das in Nürnberg im Gebrauch befindliche, zur Kontrolle der Wanderbettler bestimmte schwarze Buch, ist den Verbandsarmenkassen und den größeren Verbandsgemeinden zur Einführung zu empfehlen," sowie der Antrag Feilchenfeld-Köln: „der Verbandsiag beschließt, den großen Gemeinden, namentlich in den Grenzstädten, die Einrichtung von Arbeitsstätten als unentbehrliches Mittel gegen den Wanderbettel dringend zu empfehlen," zur einstimmigen Annahme. lieber die Arbeiterkolonie Weißensee berichtet alsdann in sehr ausführlicher Weise unter Vorlegung von Bau- und Situationsplänen Maurermeister Adler- Berlin, dessen hervorragenden Bemühungen das Zustandekommen der Kolonie zu danken ist. In der Debatte wird die finanzielle Unterstützung dieser Institution von allen Verbandsvertretern zugesagt, mit Ausnahme des Herrn Davids o h n - Danzig, der in der Kolonie nur eine Berliner Institution erblickt-, für deren Erhaltung die Provinzialverbände nicht aufzukommen hätten. Zur thatächlichen Berichtigung konnte dagegen der Vorsitzende anführen, daß seitens der Verbände wiederholt die finanzielle Unterstützung der Kolonie zugesichert worden sei. ohne welche die Errichtung der Arbeitsstätte niemals hätte unternommen werden können. Mit allen gegen eine Stimme gelangte der Antrag Philippson zur Annahme, wonach die Gemeindeverbände ersucht werden, zur Förderung der Kolonie Weißensee nach Kräften beizutragen. Zur Vorlage der Fürsorgeerziehungsanstalt für Mädchen betont der Referent Prof. Philippson, die Rothwendig-- keit einer solchen Anstalt, die sich noch als weit dringender als die Anstalt für Knaben erwiesen hätte. Eine gemeinsame Anstalt für Knaben und Mädchen, wie es derGemeindebund geplant gehabt hätte, wäre entschieden seitens der Regierung nicht genehmigt worden. In der Repziner Anstalt seien bereits 20 Knaben untergebracht. Für die Errichtung einer Anstalt für Mädchen ständen bereits 60,000 Mark seitens einer Waisenstiftung zur' Verfügung unter der Bedingung, daß der Gemeindebund die dauernde Unterhaltung der Anstalt übernehme. Die Gemeinde Berlin habe ebenfalls einen beträchtlichen Beitrag in Aussicht gestellt unter der Voraussetzung, daß auch die übrigen Großgemeinden und Bezirksverbände die Anstalt unterstützen und lebensfähig mache». Der Gemeindebund müsse der Beihülfe der Gemeinden bei diesem schwierigen Rettungswerk sicher sein und deßhalb sollte in weiten Kreisen für die Unterstützung der Anstalt gewirkt werden. In der anschließenden Diskussion erkannten fast alle. Redner die Rothwendigkeit der Anstalt an; von mehreren wurde der Familienerziehung der Vorzug eingeraumt, doch übersahen sie, daß nach dem neuen Fürsorgegesetz die Anstaltserziehung angeordnet werden kann. Nachdem noch vom Vorsitzenden die Erklärung abgegeben worden war, daß nach der Auffassung des Gesammtausschuffes der Gemeindebund auf die Beiträge der Gemeinden zur Erhaltung der Gemeindebunds-Institutionen werde verzichten können, sobald die Gemeinden 1 pCt. ihres jährlichen Budgets abgeben würden, nahm die Versammlung widerspruchslos die Resoluiion Löwe- Berlin an: „Der Verbandstag erachtet ' die Gründung einer Fiirsorgeerziehungsanstalt für sittlich verderbte, von den Behörden einer Anstalt überwiesenen Mädchen für erforder-. lich und beauftragt den „D.-I. G.-B.", die nöthigen Schritte zu thun, um diese Angelegenheit in die Wege zu leiten." Eine erregte Diskussion schloß sich an den Antrag des Gemeindeverbandes Posen an den Gemeindebund, um eine namhafte jährliche Subvention zur Ausbildung einer größeren Anzahl von reichsangehorigen Personen zu Religionslehrern, Schächtern und Vorbetern. Die Bewilligung der Unterstützung ist vom Gemeindebund abgelehnt worden, weil die in dem Institut des Rabbiners Dr. Feilchenfeld-Posen ertheilie Ausbildung der Religionslehrer, welche nur mit den Kenntnissen von Elementarschul-Absolventen ausgestatter werden, für durchaus unzureichend erklärt wird. In sehr scharfen Worten erhebt Herr Rabbiner Dr. Coblenz- Bieleseld Protest gegen die Geistesrichtung, die in dem Anträge zum Ausdruck kommt, da die pädagogische Ausbildung dieser Lehrer in keiner Weise auch nur den allerbescheidensten Ansprüchen zu genügen im Stande sei. Andere Redner verkennen zwar die Nothlage nicht, in der sich kleinere Gemeinden befinden, denen seminaristisch ausgebildete Lehrer, die keine Chafonim und in vielen Fallen auch keine Schochtim sind, nicht genügen können, doch wollen sie dann lieber gar nichts schaffen, als die Ziele der Posener Anstalt unterstützen. Dr. Reich- Breslau tritt dafür ein, in dem Institut nur Kantoren und Schächter heranzubilden und Eichelbaum-Jnsterburg befürwortet den Antrag mit Rücksicht auf die kleineren Gemeinden, welche nur einen Beamten besolden können. Nach den beredten Worten des Kirchenräthes Dr. K r o n e r - Stuttgart trat erst eine versöhnliche Stimmung wieder ein. Er empfahl eine jährliche Subvention unter der Voraussetzung, daß in dem Posener Institut nunmehr nur noch Kantoren und Schächter herangebildet werden sollen und bat, aus taktischen Gründen im Interesse des „D.-J. G.-B.", dieser Resolution znzustimmen. Der Referent des Ausschusses. Oberlehrer Dr. Schäfer- Berlin führte die praktischen Konsequenzen dieser Resolution vor Äugen, wonach die kleineren Gemeinden auch fernerhin die in Posen ausgebildeten Kantoren und Schächter als Religionslehrer anstellen

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