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Der Israelit · 1902-03-06 · Heft 19 (6.3.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 19 (6.3.1902)
Date
1902-03-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43* Jahrgang. Grste Aeikage zu J619 des.Hsraelit." Berlin, 28. Februar. So unruhig die Verhandlungen des Gemeindetages verliefen, so friedlich gestalteten sich die Berathungen des zweiten Verbandsiages, dem auch nur noch der vierte Theil der Besucher des vorangegangenen Tages beiwohnte. Nach Eintritt in die Verhandlungen, die mit gewohnter Geschicklichkeit von Prof.' Philippson- Berlin geleitet wurden, wurde der Bericht über die Thätigkeit der Provinzialverbände, welcher im Druck vorliegt, ohne jede Diskussion als erledigt erklärt. Zu einer sehr lebhaften, über den ganzen Vormittag ausgedehnten Debatte kam es alsdann bei der Vorlage der Bekämpfung des Wanderbettels, über dessen verschiedene Arten, sowie über deren wirksame Beseitigung die Herren Frank- Leipzig, L e tzrecht - Nürnberg und Feilchenfeld -Köln auf Grund der in ihren Verbänden gemachten Erfahrungen in sehr interessanten Darlegungen einleitend referirten. Während Herr Schiff- Frankfurt a. M. nur von Mißerfolgen in seiner Heimathstadt trotz Errichtung von Arbeitsstätten und Arbeitsnachweisen zu berichten wußte, theilte KircheNrath Dr. K r o n e r - Stuttgart die in Württemberg erzielten Resultate mit, wo ein von den Ortsarmenkassen gebildeter Verband besteht, der wesentlich zur Entlastung der kleinen Gemeinden beiträgt. In Stuttgart hat ein beamteter Almosenvertheiler die Eingaben zu prüfen und aus den Mitteln der Verbandskasse sowie aus den Beständen mehrerer Ortschewras, an würdige Ame ausreichende Unterstützungen zu gewähren. Die Kommunen werden voll und ganz zu ihren Verpflichtungen herangezogen und der Verband übt nur eine ergänzende Thätigkeit aus. Eine positive Hilfe ist nach Ansicht dieses Redners nur in der Errichtung von Arbeitsstätten im Norden, Süden, Osten und Westen des Reiches zu erblicken. Mt scharfen Worten wendet er sich alsdann noch gegen die oon vielen Rabbinern geübte Unsitte, an die Bettler Empfehlungsbriefe zu geben, durch deren Abschaffung auch \ eine große Zahl von Bettler abgeschreckt werden würde. Landrabbincr Mannheimer - Oldenburg erhebt den gleichen Vorwurf, besonders gegen Rab- . biner in Süddeutschland, bekämpft die Uebertreibung der jüdischen Mildthäiigkeit und erblickt den besten Schutz gegen Fälschungen in der Mithilfe der Polizei. Für Ostfriesland. Oldenburg und Bremen sei ein Verband gegen die Wanderbettelei in der Bildung begriffen. Landgerichtsrath Peltasohn-Bromberg bezeichnet Thorn als Einfallstation für die russischen Einwanderer und will dem westpreußischen Verbände die Verpflichtung, Schutzmaßregeln gegen die Russen zu treffen, auferlegt wissen. ~ Herr Martin Simon-Berlin bezeichnet die kommunale Thätigkeit für die jüdischen Armen als verbältnißmäßig zureichend, die jüdischen Kaffen treten auch hier ergänzend ein. Er weist auf den Kongreß in Breslau hin, dessen Beschlüsse betreffs der Rückwanderer große Bedeutung für sich in Anspruch nähmen. Rabbiner Dr. Kopfstein- BeutheN bezeichnet die Errichtung von Arbeiterkolonien im Osten aus Gründen polizeilicher Schwierigkeiten als unmöglich und verwirft auch die Errichtung einer Centralkasse, da hierdurch den Schnorrern die Arbeit, noch erleichtert würde. Als erstrebenswerthes Ziel hält er, in denjenigen Ländern, aus denen die meisten Armen Herkommen, speziell Polen und Galizien, Arbeitsgelegenheit auf dem Wege der Hausindustrie zu schaffen. Der Vorsitzende weist den Redner darauf hin, daß dieses Petitum zum Wirkungskreis des kürzlich gegründeten Hilfsvereins der deutschen Juden gehöre. Kommerzienrath Meyer- Mainz gibt der Versammlung von einem in Mainz erzielten Erfolge Kenntniß. Dort ist es gelungen, von den städtischen Behörden die Rückvergütung der für die Wanderbetiler verausgabten Kosten der Eisenbahnfahrkarten zu erlangen. was einen jährlichen Betrag von 8—900 Mk. ausmacht. Rabbiner Dr. Werner- München bittet um Beseitigung eines Paragraphen, der sich voraussichtlich vielfach im Statut der Armenkassen vorfindet, daß . nämlich die durchreisenden Armen nur einmal im Jahre eine Gabe erhallen; die Rundreise, die gewöhnlich mit ' dem Tage des Ablaufes des Jahres angetreten werde, gestalte sich dadurch für die Bettler sehr lohnend. Herr Hirsch- Halberstadt ersucht die Verbandsvertreter, nach Rückkehr in ihre Heimath niöglichst sofort die gehörten Erfahrungen in die Praxis umzusetzen, um dadurch zu besseren Resultaten zu gelangen. Rechtsanwalt Schüller- Gleiwitz hält die Errichtung einer Arbeitsstätte in Oberschlesien für die zumeist aus Rußland und Galizien sich rekrutirenden Bettler wegen der polizeilichen Schwierigkeiten für gänzlich ausgeschlossen. Nachdem noch Rechtsanwalt Dr. Karlebach - Lübeck die Anbahnung einer Verbindung des Gemeindebundes mit den Nachbarländern betreffs der: Durchwanderrr als wünschenswerth. bezeichnet und Rabbiner Dr. V o g e l st e i n - Königsberg um schleu-

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