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Der Israelit · 1902-03-06 · Heft 19 (6.3.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 19 (6.3.1902)
Date
1902-03-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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426 thum fördernde Schriften und dgl. zugänglich zu machen. Die nächste Versammlung wird am 8. Mai d. I. in Sögel stattfinden. Der Vorsitzende der Bezirkskonferenz wird in derselben ein Vortrag über das Thema: „Der Unterricht in Religionslehre und bibl. Geschichte in den Neligionsschulen der Filialgemeinden nach Ziel und Umfang." halten. L. Strauß. Vorsitzender. Ungarn. Budapest, im Febr. Der Religionsunterricht kostete — laut Budget — im abgelaufenen Jahre der Pester isr. Religionsgemeinde 128,820 Kronen! Viel, sehr viel Geld, man würde das gar nicht für glaubwürdig halten, und selbst die Gemeinde möchte die Größe der angegebenen Summe bestreiten. Also seien wir etwas deutlicher und folgen wir den zerstreuten Posten des Budgets, die sich auf den Religionsunterricht unb nur aus diesen ganz allein beziehen. Da heißt es: für den Religionsunterricht 109,620 Kr., für die Talmud- Thora 7780 Kr., für den Jugendgottesdienst 6220 Kr., für den Schulinspektor 5200 Kr., zusammen demnach wie oben angegeben 128,820 Kronen. Das Seminar, oder die Rabbinerschule, sowie die isr. Lehrerpräparandie, und die Waisenhäuser sind da nicht mit inbegriffen, die bestreiten den Religionsunterricht aus ihren eigenen Mitteln, ganz unabhängig und selbstständig im eigenen Wirkungskreise. Fragt man nun, was für das Riesengeld von rund 130,000 Kr. geboten wird, so erhält man die höchst betrübende, vom jüdischen Standpunkte aus höchst beklagenswerthe Antwort: Sehr wenig! Eigentlich aber sollte es heißen: Weniger als Nichts! Denn, das hebr. Lesen ist bei den Meisten gleich Null; es geht ihnen wie mit dem Chinesischen. „sie haben keinen Dunst davon." Die Bibel wird ihnen in homöopathischen Dosen, d. h. in hundertfacher Verdünnung gelehrt, und selbst die einzelnen Stellen der Gotteslehre, die der Jugend zum Deklamiren eingepaukt werden, damit man doch bei der Prüfung etwas ' aufweisen könne, werden barhaupt gelehrt, so daß der Gottesname unzählige Male während des Religionsunterrichts und gerade beim Bibelstudium entweiht wird. Wir waren Ohrenzeuge des folgenden Vorfalles: Bei der Prüfung frug der Lehrer: „was weißt Du, mein Sohn, von der Sündfluth?" Antwort: „Daß Gott alle Menschen umgebracht hat." Nun fragen wir — nachdem der Lehrer dies stillschweigend acceptirte — üb dies Religionsunterricht genannt werden kann? Ist denn Gott ein Massenmörder? Gott hat die sündige Menschheit um kommen lassen, er hat sie vernichtet, aber umgebracht — nein, dagegen muß jeder Jude — selbst der Neologc — eine entschiedene Einsprache erheben. In der vierten Mädchenklasse der Bürgerschule hörten wir durch einige (4—6) Unterrichtsstunden nichts anderes. als die Keduscha Vorträgen. Wir wurden bei dem Kultusvorsteher mit unserer diesbezüglichen Beschwerde mit dem Hinweis abgewiesen, daß Mädchen oder Frauen nicht mehr von der Religion zu wissen brauchen; es genüge vollkommen, wenn sie den Tempel besuchen und daselbst die Keduscha mitsagen können!? -„Gottlob, der Kultuschef, welcher solch' unsilbische Ansichten propagirt, ist schon seines Amtes enthoben worden," es ist aber sehr fraglich, ob der unjüdische Geist mit ihm gegangen, oder'weiter geblieben ist? Wie solche Mütter, mit einer solch' laxen Religionskenntniß ihre Kinder jüdisch erziehen, kann sich Jeder leicht vorstellen.' Und da hört man immer die leere Ausflucht: „ja die Schule kann nicht Alles leisten, das Haus muß auch milhelfen." Schön, aber wenn der Familienvater und die Familienmutter nicht wissen, wo Gott wohnt, was können da ihre Kinder von ihnen lernen? . . . Wir könnten noch fortfahren, doch genug für heute. . D. H. Sp. Nachbemerkung der Redaktion: Ueber das unjüdische Gebühren in den Lehranstalten der großen Budapester Gemeinde sind uns mehrere Zuschriften zugekommen.. Man hatte an den neuen Kultuschef und Schulstuhlpräses große Erwartungen geknüpft.. Wie es scheint, ist aber alles beim Alten geblieben. Der Religionsunterricht in „allen jüdischen Schulen" dieser größten Gemeinde Ungarns wird „unbedeckten Hauptes" abgehalten. Schüler und Lehrer, zum großen Theile absolvirte Rabbiner, lernen Bibel und Gebete und wiederholen unzählige Mal den Schem „Ha' wajoh" barhäuptig. Dies allein ist ein zum Himmel schreiender Chilul-Haschem, eine frivole Beleidigung der jüdischen Gefühle. In einer Zuschrift wird auch Erwähnung gemacht, daß man allseitig gehofft Habs, der neue Rabbiner F e l d m a n n werde sich dieser Sache annehmen. Doch fehlt es ihm auch an der nöthigen Energie. In seiner Bescheidenheit wartet der fromme Mann, bis der Kultusvorstand ein diesbezügliches Gutachten vom Rabbinate abverlangen werde. Dies wird aber noch lange dauern. Seine Kollegen K o h n und K a i s e r l i n g sorgen schon dafür, daß der von ihnen Jahrzehnte hindurch geförderte Abfall, durch den neuen Rabbi nicht desavouirt werde. Auch in den Schechitah-Anstalten und Fleischbänken ist keinerlei Besserung wahrnehmbar. - „Eine Million Kronen" — schreibt einer unserer Korrespondenten. — „verausgabt jährlich die Budapester Gemeinde angeblich für jüdische Angelegenheiten, und nicht eine, einzige Kultuseinrichtung funktionirt in „echtjudischem" Sinne." Das ist allenfalls tief beschämend und wir begreifen nur nicht, daß diese Herren, die auch die Landeskanzlei-Leitung in Händen haben, trotz alledem von einem Ausgleich mit den Orthodoxen immer und immer wieder faseln. Das ganze GeLahren ist unjüdisch und unehrlich.)

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