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Der Israelit · 1902-03-06 · Heft 19 (6.3.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 19 (6.3.1902)
Date
1902-03-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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425 trägt. Selber mußten wir eine unserer Schwestern fast während des ganzen Berichtsjahres Familienverhält^ niste halber beurlauben. Wie im vergangenen Jahre, hat sich die Thätigleit der Schwestern in die Hospitalpflege hier und in Hamburg und-in die Privatpflege getheilt und wir haben die Organisation nun so getroffen, daß diejenigen Schwestern, die in Anstalten eine leitende Stellung als Oberin einnehmen, dieselbe dauernd behalten, bis eine Aenderung aus besonderen Gründen nothwendig würde. Die in Hamburg beschäftigten Schwestern verbleiben dort regelmäßig ein Jahr und werden dann durch andere abgelöst. Ebenso ist die Armenschwester jedesmal nur auf ein Jahr erwählt; hingegen verbleiben die in das Israelitische Gemeindehospital zur Pflege berufenen Schwestern in der Regel nur ein halbes Jahr und tehren dann wieder in die Privatvflege zurück. Durch diesen steten Wechsel zwischen Hospital- und Privatpflege werden die Schwestern vor Einseitigkeit bewahrt und erhalten durch den Hospitaldienst Gelegenheit zu weiterer Ausbildung. Auch während des Berichtsjahres mußten leider wieder vielfache Anfragen von auswärtigen Gemeinden wegen ständiger.Ueberlassung von Pflegerinnen ablehnend beantwortet werden, da wir unsere Thätigkeit nicht zersplittern dürfen; hingegen gaben wir in nicht seltenen Fällen, wo die Umstände es geboten und ernstere Krankheitszustände Vorlagen,, unsere Schwestern zeitweise nach auswärts in Pflegen. Im Ganzen wurden von 16 Schwestern, von denen jedoch ein Theil nur kürzere Zeit in der Privatpflege thätig war, 124 Pflegen ohne Unterschied der Konfeffion, gegen 111 Pflegen des vergangenen Jahres, geleistet. 17 Pflegen — im Vorjahre 13 — waren außerhalb Frankfurts. 169 Pflegen geschahen gegen Bezahlung in verschiedenen Abstufungen, während 16 Pflegen mit 263 Pflegetagen ganz unentgeltlich geleistet wurden. Die Pflegen wurden ausgeübt unter der Leitung von 52 verschiedenen Aerzten; sie erforderten 2364 Pflegetage — im Vorjahre 2857 — und 283 vollständige Nachtwachen — im Vorjahre 268. lieber die Thätigkeit unserer Armenschwestcr im Berichtsjahre können wir Folgendes mittheilen: Es wurden im Ganzen 184 Kranke — im Vorjahre 151 — mit 3490 Einzelbesuchen — im Vorjahre 3150 — gepflegt; von diesen gehörten 111 Kranke der jüdischen Konfession — im Vorjahre 88 — und 73 .Kranke der christlichen — im Vorjahre 63 — an. Die Hilfeleistung der Armenschwester wurde von 33 verschiedenen Aerzten in Anspruch genommen. Bei 22 Operationen war die Armenschwester behülflich. Verbandwechsel, Massage, Verabreichung von Bädern und andere Hülfeleistungen auf ärztliche Verordnungen hin sind bei den Einzelbesuchen mit inbegriffen. Außerdem wurde bei vielen Familien die Führung der Haushalts, Bereitung der Nahrung, Wartung und Beaufsichtigung der Kinder u. s. w. mit übernommen. Durch die Vermittlung der Armenschwester wurden 43 Familien mit Lebensmitteln, Wäsche, Brennmaterial oder Geldbeiträgen unterstützt. Zu diesem Zwecke erhielt die Armenschwester aus freiwilligen Spenden 2321 Mark, von denen 2185 Mk. verausgabt wurden. Außer von privater Seite wurden der Armenschwester Gaben für ihre Pfleglinge von dem Armenverein. dem Jsr. Almosenkasten und dem Jsr. Hülfsverein zu Theil, wofür wir auch hier den besten Dank aussprechen. Aus dem Reg.-Bezirk Osnabrück, 28. Febr. In der bekannten Lingener Schulasfaire haben wir bereits wiederholt das Wort ergriffen, während Organe, die ein Vertreten der Interessen des Lehrerstandes in Erbpacht genommen haben, bis jetzt noch keine Gelegenheit fanden, zu dieser bedeutsamen Sache Stellung zu nehmen. Es gewinnt nach unserer Information den Anschein. als ob der Streit in ruhigere Bahnen einlenkt. Jedenfalls müssen wir es als ein Glück bezeichnen, wenn die Schule der Gemeinde erhalten bleibt. Die betheiligten. hier in Frage kommenden Vertreter müssen Licht und Schatten endgiltig gleichmäßig vertheilen und dazu beitragen, daß die letzten Schatten endgiltig beseitigt werden. Durch eine Auflösung der öffenlichen Volksschule würde sich die Lage der Gemeinde nicht verbessern, im Gegentheil, die Besoldung eines Religionslehrers würde der Gemeinde ganz erhebliche Lasten aufbürden, während jetzt die Königl. Regierung einen ganz bedeutenden Vedürfnißzuschuß in Aussicht gestellt hat. Dadurch aber, daß der derzeitige Lehrer an die öffentliche Schule zu Lingen berufen worden, ging die Synagogengemeinde eine rechtsverbindliche Verpflichtung gegen ihn ein, die nicht etwa nach privatrechtlichen Grundsätzen, sondern ausschließlich nach den Vorschriften des öffentlichen Rechtes zu beurtheilen ist. Die dem Lehrer laut Anstellungsurkunde zugesicherten Gehallsbezüge müssen ihm demnach auch von der Gemeinde so lange gewährt werden, als er nicht anderweitige Verwendung im Schuldienst findet. Hoffentlich können wir bald über eine friedliche Lösung der schwebenden Frage, die von großer Bedeutung ist, berichten. St. Papenburg, 28. Febr. Die von den Lehrern des Reg.-Bezirk Osnabrück in's Leben gerufene freie Konferenz. deren Hauptaufgabe es ist, in allmonatlichen Zusammenkünften durch entsprechende Vorträge sich im jüdischen Wissen gegenseitig zu bereichern, hielt am 24. Febr. hier ihre dritte Versammlung ab. Die diesmalige Tagung nahm einen sehr anregenden, alle Teilnehmer zufriedenstellenden Verlauf. Durch Beschaffung von hebr. Werken etc. soll zunächst der Grund zu einer Lehrerbibliothek gelegt werden; insbesondere aber wird es das Bestreben der Konferenzmitglieder sein, ihren Gemeinden geeignete, den Sinn fur's wahre Juden-

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