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Der Israelit · 1902-03-03 · Heft 18 (3.3.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 18 (3.3.1902)
Date
1902-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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414 so antreffen, wie sie es im Hause gewohnt sind! Nach „christlichem Vorbild zurecht gemacht/in christlicher Art reformirt!" Kein Unterschied mehr zwischen Haus und Synagoge, zu dem christlich eingerichteten Hause gehört auch eine Synagoge, die mehrK ir ch e als S Y n a - g o g e sein soll und deßhalb alles spezifisch Jüdische abzustreifen hat. In diesem System liegt eine gewisse Logik, aber immer nur eine gewisse, scheinbare Logik. Eine wirkliche Logik, .die sich aufbaut auf den einigen, ehernen Gesetzen der Logik würde zu einer ganz anderen Schlußfolgerung kommen. Diese Logik würde verlangen, daß man sich mit keinem Zwitterding zwischen jüdischem und christlichem Kultus begnügt, das von beiden Kulten etwas hat und deßhalb weder jüdisch noch ch r i st l i ch ist. Das christlich eingerichtete Haus verlangt logischer Weise auch eine ganz und gar christlich eingerichtete Kirche. Warum treten die Reformer nicht ganz offen und ungeschminkt mit dieser Förderung hervor, die einzig und allein nur von ihrem Standpunkte logisch wäre? Warum schrecken sie davor zurück? Warum finden sie nicht den Muth, ihre wahren Herzensgedanken zu offenbaren? Warum spricht man stets von einer „Verschönerung" des jüdischen Gottesdienstes, während man die unverkennbare Absicht hat, ihn von Grund aus zu zerstören. ihn zu „verchristlichen, alles Jüdische aus demselben zu entfernen?!" In seinem famosen „Gutachten" bezog sich Herr Rabbiner Dr. Frank auf. 120 Gemeinden, die angeblich mit dem Orgel-Gottesdienst und den dazu gehörigen Reformen beglückt sind. Hat der Herr Rabbiner sich vielleicht einmal nach den Wirkungen dieser Reformen in den einzelnen davon heimgesuchten Gemeinden umgeschaut? Wenn er das wirklich gethan hat, dann hätte er auch von diesen Wirkungen etwas erzählen müssen. Er zog es vor. darüber zu schweigen. Nun, wir wollen das „Gutachten" des Herrn Rabbiners in diesem Punkte dahin ergänzen, daß die Einführung der Orgel und der mit dieser zusammenhängenden Reformen das Gemeindeleben noch überall z e r st ö r t, die Synagoge ihrer Besucher beraubt und es dahin gebracht hat, daß selbst in größeren Gemeinden Freitag Abends nur höchst selten Minjan, der Sabbatgottesdienst überaus kläglich, noch nicht von zwei Prozent der männlichen jüdischen Bevölkerung der Gemeinde besucht ist und alle sonstigen Kultuseinrichtungen einem „unaufhaltsamen Verfall" überliefert wurden! Das sind selbst für einen „reformfreundlichen Rabbiner" keine idealen Zustände, denn ein weiterer Verfall des jüdischen Kultuslebens in solchen Orgelgemeinden wird zweifellos die Frage auftauchen lassen: „Brauchen wir überhaupt noch einen Rabbiner, wenn doch das ganze Gemeindelebne zerstört ist?" Unseres Erachtens kann in solchen Gemeinden diese Frage ruhig mit „Nein" beantwortet werden. Die Orgel ersetzt nicht allein, nach Ansicht der Reformer, die jüdischen Gebete, sie ersetzt noch weit mehr — einen Reform-Rabbiner. Zeitungsnachrichten und Eorrespsndenze«. Deutschland. Hamburg, im Febr. Im Jsr. Gemeinschaftsheim (Toynbeehalle) wurden vom 26. Qkt. v. I. (Eröffnung) bis zum 4. Febr. dss. Js. an 27 Aörnden folgende Borträge gehalten: 1) Ueber Toynbeehallen. 2) Ueber Ahasver in Nom, von Robert Hamerling. 3) Wissen und Bildung. 4) Ueber Hygiene der Bekleidung. 5) lieber Erziehung. 6) lieber Hagedorn. 7) Ueber die Entwickelung der Presse. 8) lieber Meier Czofowicz von Orzesko. 9) lieber den Einfluß der Suggestion auf die Massen. 10) Einfluß der jüdischen Religion auf den Islam. 11) Exegetische Skizze. 12) Ueber Nährstoffe 1.13) Die wissenschaftlichen Anarchisten. 14) Ist Vaterliebe größer als Mutterliebe. 15) Ueber die Temperamente. 16) lieber Nährstoffe II. 17) Ueber Heinrich Heine mit Rezitation. 18) Schilderung des Lebensganges Rich. Wagners. 19) Ueber Spiele, insbesondere Kartenspiele und körperliche Uebungen (mit anschließender Diskussion). Gelesen wurden: 1) Das Jahrzeitlicht von Kompert. 2) Frauen-Liebe und -Leben von Chamisso. 3) Scene aus Lessings „Nathan der Weise." 4) Scene aus „Uriel Acosta." 5) „Die Hexe" von Wiidenbruch. 6) Lieder eines Semiten von Lölvenberg. 7) Göthe'fche Gedichte. 8) Gedichte von Otto Ernst. Gust. Falke, Wildenbruch, Heinrich Seidel. 9) Das Märchen vom Glück. 10) Der Messias und der Esel. 11) Die Hosen des jungen Herrn Erasmus. 12) Der Strike der Schmiede. 13) Durch langer Zeiten Ferne von A. Schwarz. 14) Allmächtig durch die Herzen ruft, von Jsr. Anderbach. 15) Zwei Lieder aus dem Vereinsliederbuch für „Jung-Juda," herausgegeben im Aufträge des Jüd. Turnvereins „Var Kochba." 16) Das alte Testament (Skizze v. Lothar Brieger) Wasservogel. 17) Worte des Rabbi an seinen Sohn. 18) Aus „Juda" von Böerie's Freiherrn von Münchhausen: 1. Euch. 2. Triumpfgesang der Juden, 3. Mose, 4. Sabbat der Sabbat te. 19) Humoresken von Frau F. Wolfs. 20) Gladiolen von Anni Diedrichsen. 21) Brautlieder von P. Cornelius. 22) Aus der Hergottsperspektive von P. I. Vierbaum. 23) Die Nachtigall, Märchen von Andersen. An jedem Abend fanden musikalische Vorträge statt, woran sich viele Künstler ersten Ranges betheiligten. Im Ganzen waren es 80 verschiedene Mitwirkende, die durch Vorträge, Rezitationen und musika-

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