Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1902)
- Date
- 1902-03-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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lische Leistungen sich in den Dienst der Sache stellten. Ihnen gebührt warmer Dank, ebenso den Damen, die unausgesetzt an jedem Versammlungabend die Bewirthung übernahmen. In der Lesehalle liegen 30 jüdische, in deutscher, französischer, englischer, holländischer, polnischer, hebräischer Sprache und im Jargon geschriebene Zeitungen aus. Die Lesehalle ist Sonntags von 10—12 Uhr, Montags, Mittwochs und Donnerstags von 8—10 Uhr Abends, Samstags von 12—2 Uhr geöffnet. Die Beaufsichtigung der Lesehalle wird von' einer Anzahl Herren durchgeführt. Frankreich. Paris«, 24. Febr. Es ist sehr charakteristisch, daß die Antisemiten jeden großen Mann in Beschlag nehmen und auf jede mögliche und unmögliche Weise darzuthun sich bemühen, daß er ein Anhänger ihrer Theorien war. Die deutschen Antisemiten haben schon längst bewiesen, daß sowohl Kant, als auch Göthe.waschechte Antisemiten waren. Die ganze gebildete Menschheit feiert in diesem Augenblick den hundertjährigen Geburtstag Vikor Hugo's. der nächst Goethe ohne Zweifel der größte Dichter des 19. Jahrhunderts ist. Und bei dieser Gelegenheit wagen es die französischen Antisemiten, den unsterblichen Dichter zu den Ihrigen zu zählen! Jeder, der auch nur oberflächlich das Leben und Wirken Hugo's kennt, wird leicht ermessen können, welch' eine bodenlose Gemeinheit und Niederträchtigkeit in diesem Vorgehen steckt. Männer, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ihren Patriotismus, den sie gepachtet zu haben vorgeben, betheuern, wagen es, ihren Nationaldichter, auf den das französische Volk mit vollem Recht so stolz ist, in so schmählicher Weise zu beleidigen, denn in der That — eine schlimmere Beleidigung kann wohl kaum dem Andenken Hugo's angethan werden. Der Mann, der „L’historie ck'un crime“ und ,.Les cliätiments“ geschrieben hat, soll ein Antisemit gewesen sein! Der unsterbliche Dichter, der in seinen „Miserables“ seine lebhafte Theilnahme am Schicksal aller derer, die unter Verfolgungen zu leiden haben, bekundet, wird jetzt beschuldigt, den niedrigsten Instinkten, Haß und Neid, gefröhnt zu haben! Der Dichter, der die schönen Verse geschrieben hat: Je Ieur raconte aussi I’histore: la misere T>n peuple 7111 f persGentfc qu’il fautenfin benir. diesem Dichter wagt man jetzt, antisemitische Gesinnung zuzuschreiben! Es gehört eine bodenlose Unwissenheit und eine grenzenlose Unverschämtheit dazu, um dies zu thun. Lrcist pneri, juieii, piieri puerilia tractant. Ein mir befreundeter Reichstagsabgeordneter sagte mir ernst: „Die Antisemiten suchen überall den Juden, und wo sie ihn nicht finden, so — erfinden sie ihn." . So bandeln sie. wenn um einen Verbrecher die Rede ist. Handelt es sich aber um einen genialen Mann, so suchen sie den Antisemiten; und da sie ihn in diesem Falle wohl niemals finden, nun, so erfinden sie ihn! Große Geister geniert es nicht, und kleine haben sie nicht. Pi. Rumänien. Bukarest. 23. Febr. Der „Entwurf zum neuen Landpolizeigesetze," welcher durch die im ursprünglichen ministeriellen Projekte vorgesehene Ausschließung der Fremden vom Betriebe eines jeden offenen Verkaufsgeschäftes in den Dorfgemeinden, auch im Auslande großes Aufsehen und berechtigten Widerspruch erregt hatte, ist von den Sektionen der Kammer mit Zustimmung der Negierung wesentlich abgeändert worden. Namentlich ist nach dem nunmehr der Deputirtenkammer vorliegenden Gesetzentwurf der eben erwähnte Ausschließungsparagraph gestrichen worden. Doch wird hierdurch die durch ein bereits bestehendes Gesetz sanktionirte Ausschließung der. Fremden vom Betriebe der Schankwirthschaften,in den Dorfgemeinden nicht außer Kraft gefetzt. Daß zu den Fremden auch die nicht naturalisirten rumänischen Juden gerechnet werden, ist bekannt und es ist daher um so unbegreiflicher und um so bedauerlicher, daß auf einer zur Bekämpfung de8 Altoholismus an die Dorfschulen und an die Landbürgermeistereien vertheilten bunt lithographirten Bildertafel der rumänische Bauer dargestellt wird, wie er zuerst von einem jüdischen Schankwirth zum Alkoholgenuß verleitet und dann von diesem im vollsten Sinne des Wortes ausgezogen wird, um schließlich nach, einem im Rausche verübten Todtschlag im Kerker zu enden. Die betreffende Bildertafel ist auf Kosten der dem Ministerium für Kultus und Unterricht unterstehenden Schullafle hergestellt worden, und würde deren öffentliche Zurschaustellung in den Dorfschulen und in den Amtslokalen der ländlichen Bürgermeistereien, als eine offizielle Unterstützung verleumderischer antisemitischer Aolksverhetzung um so mehr zu gelten haben, als der Schankbetrieb, in den Dorfgemeinden ein ausschließliches Privileg der rumänischen Staatsbürger bildet und als. sonach der nicht im Besitze des rumänischen Bürgerrechts befindliche rumänische Israelit gar nicht in die Lage kommen kann, den rumänischen Bauern zum Trünke zu verführen, um ihm darauf in trunkenem Zustande seine Habseligkeiten abzunehmen. Dieses Geschäft wird vielmehr in unseren Dorfschaften ausschließlich von Vollblut-Rumänen oder rumänisirten Armeniern, Griechen und Vulgaren besorgt. Hierzu bemerkt die Red. d. „Franks. Zeitung": Dieses Verfahren des rumänischen Unterrichtsministe-, riums kann nicht scharf genug verurtheilt werden, denn es ist nur geeignet, den rumänischen Staatsbürgern israelitischen Glaubens neuen Schaden zuzufügen. So lange die rumänische Regierung daran festhält, diese Staatsbürger, welche keine andere Heimath als Rumänien besitzen, die Militärpflicht ableisten und die Steuern bezahlen, wie alle anderen Rumänen, als