Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-03-03 · Heft 18 (3.3.1902) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 18 (3.3.1902)
Date
1902-03-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449813--55464-2518109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sei sehr schön, er werde sie als angenehme Erinnerung bewahren und entließ die Deputation in huldvollster Weise. Den Mitgliedern derselben fiel besonders der äußerst freundliche und leutselige Empfang auf, wie auch die größere Dauer der Audienz, die eine huldvolle Ehrung für die israelitische Kultusgemeinde Baden bildet. S e u I I I e t Q fi* Nach vierhundert Jahren. 41s Von Fried Er schrie laut auf, er warf sich ihr zu Füßen, er umllammerte ihr Knie, in den verzweiflungsvollsten Worten erflehte er ihre Verzeihung, schwur bei allen Heiligen, daß nie wieder auch nur ein einziger Tropfen eines geistigen Getränkes über seine Lippen kommen werde; er erklärte sich zu jeder Sühne bereit, er wolle zu dem Manne gehen, wollte sich persönlich bei ihm entschuldigen, wollte ihm ein reiches Schmerzensgeld zukommen laßen: 20, 30, 40,000 Mark oder noch mehr. — „Ach, Du kennst diese Leute nicht — wenn die nur Geld sehen. Der Mann wird mir nicht nur Fern verzeihen, wenn er so viel Geld bekommt, wird er den Unfall noch als Glück betrachten." Jsabella blickte ihn betroffen an. „Wann bist Du von Hause aögereist?" „Gestern Nachmittag um vier Uhr." „Ach so! — Dann, dann weißt Du's vermutlich noch nicht —" „Was weiß ich noch nicht?" fragte er, als sie zögernd inne hielt.. „Daß — daß — im heutigen Morgenblatt steht es —" „Aber um's Himmelwillen! Was denn? was steht im heutigen Morgenblatt?" „Daß — daß der Unglückliche gestern Abend gestorben ist." Der Freiherr stieß einen Schrei aus und sank vollständig kraftlos in den Lehnsessel zurück, während aschfarbene Bläffe sein Angesicht überzog. „Jetzt ist Alles aus!" murmelte er, „jetzt weiß ich, daß ich Dich nie, nie werde mein nennen könnenö Gott! o Gott!" — Er bedeckte das Antlitz mit den Händen, während ein konvulsivisches Zittern seinen Körper erbeben machte. Jsabella empfand aufrichtiges Mitleid mit dem sichtlich Leidenden. „Alfred," 6at, sie. „fasse Dich — sei ein Mann —" Er schüttelte abwehrend den Kopf. „Ach, Du weißt nicht — nun ist alles verloren!" „Sprich nicht so, Alfred. — Ich sehe es ja ein, eS ist ein furchtbarer Gedanke, den Tod eines Menschen verschuldet zu haben, aber —" Er hörte sie nicht. Mit stieren Blicken betrachtete er seine wohlgepflegten, weißen Hände. „Daran klebt Blut." flüsterte er, in sich erschauernd, „nie wird sie ihre Hand in die meine legen." „Das ist richtig, an eine Verbindung zwischen uns ist nicht mehr zu denken. Aber wenn ich auch nicht mehr Deine Braut bin, so bin ich doch Deine Kousine. Du kannst nach jeder Richtung hin auf mich rechnen." Ob er sie hörte? — Er hatte beide Arme auf die Knie gestützt, der Kopf lag schwer in beiden Händen — ein Bild jammervollster Verzweiflung. „Du hättest nicht Herkommen dürfen. — Hast Du denn nicht vor Deiner Enthaftung Dein Ehrenwort geben müssen, die Stadt nicht zu verlassen?" „Ich erinnere mich nicht — aber höchst wahrscheinlich. Nun ist die Kaution verfallen—" „Daran habe ick» nicht gedacht. Aber daß man sagen könnte. Du habest Dein Ehrenwort gebrochen!, --meiner Ansicht nach müßtest Du unverzüglich zuriickkehren —" Er erhob sich mit sichtlicher Anstrengung. „Wenn Du meinst. Ich habe ohnehin hier nichts mehr zu thün. — Lebe wohl!" — „So warte doch — der nächste Zug geht nicht vor halb Zwei. Ich werde einige Erfrischungen kommen lassen und dann kann Pedro einen Wagen holen, der Dich zum Bahnhof bringt." Er schüttelte abwehrend den Kopf. „Ich danke Dir," sagte er tonlos, aber seine Stimme bebte. „Du bist gut — o, so gut —" „Lass' das, wir wollen einander nicht weich machen. Wirst Du etwas genießen?" Er schüttelte abermals den Kopf. „Unmöglich — und dann muß ich auch noch in's Hotel die Rechnung begleichen und meinen Koffer nehmen. Lebe wohl!"—■ „Warte doch noch einen Augenblick. Du kannst in dieser Verfassung nicht so weit gehen, ich werde einen Wagen kommen lassen." ..Dann bitte, gleich —" ..Sogleich." wiederholte Jsabella, indem sie schellte und dem gleich darauf eintretenden Bedienten befahl, schleunigst einen Wagen herbeizufchaffen. Herr von Rauhenstein, der seinen früheren Sitz wieder eingenommen hatte, verharrte in lautlosem Schweigen. Jsabella saß ihm gegenüber und bemühte sich, dem vollständig Gebrochenen einige Trostesworte zu sagen, er erwiederte nichts. Endlich kam der Bediente mit der Meldung, daß der Wagen vor dem Hause halte. . Der Freiherr stand auf: „Lebe wohl!" sagte er leise, ohne ihr jedoch die Hand zu reichen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.