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Der Israelit · 1902-03-03 · Heft 18 (3.3.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 18 (3.3.1902)
Date
1902-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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409 das materielle Resultat des Festes ist sehr erfreulich und mit vollem Rechte hoben mehrere Redner die Verdienste hervor, die sich Herr Frankel, der Beirath der Vereinigung. durch das Arrangement des so überaus gelungenen Festes erworben hat. Möge der Erfolg des siebten Stiftungsfestes ein gutes Prognostikon des so wohlthätig wirkenden Vereines sein. Flieden, im Adar I. Schon wieder hat der Tod eine starke Lücke in unsere Gemeinde gerissen. Rach kurzem Krankenlager verschied der durch seine ächte Gottesfurcht in weiten Kreisen bekannte und verehrte Herr Seligmann Schuster. Der Verstorbene war ein c’ctP rri' der mit allen Fasern seines Herzens am Judenthum und der Emunoh hing. Stets war er der Erste, und Letzte-im Gotteshause. Obwohl arm und nothleidend. sparte er nie, wenn es sich um Ausübung einer Mizwah handelte. Von der Beliebtheit des Verblichenen zeugte das große Leichenbegängnis. Herr Provinzialrabbiner Dr. C a h n in Fulda rühmte in bewegten Worten die Tugenden des Verstorbenen. Möge er im pv p den Lohn für sein verdienstvolles . Leben ernten. F- München, im Febr. In vielen Kreisen meint man, das „Bayer. Vaterland" würde nicht ernst genommen. Mag sein, daß cs nicht verdient, ernst genommen zu werden; so viel ist sicher, daß es in den weitesten Kreisen „Stimmung gegen die Juden macht." Deßhalb kann man nicht Alles ruhig hinnehmen, was es schreibt. Bekanntlich ging in letzter Zeit die Mittheilung durch die Presse, daß die Erben des Baron Cohn in Dessau Millionen Marl in die Masse der Spielhagenbanken zahlten, deren Aufsichtsrath Baron Cohn angehörtc. Das benützt das „Vaterland," um das Andenken dieses Ehrenmannes zu verdächtigen, indem es schreibt: „das läßt auf Vieles schließen." Das läßt aus weiter nichts schließen, als daß nach dem Aktiengesellschaftsaesetz die Aufsichtsräthe haftbar gemacht werden können, wenn sie auch mit der Geschäftsführung gar nichts zu thun haben; es läßt ferner darauf schließen, daß Baron Cohn der „Judenreinen" Direktion der Spielhagenbanken mehr Vertrauen schenkte, als sie verdiente. Statt das Andenken todter Ehrenmänner anzutasten, möge das Blatt sich mit den Trebern in Cassel Genüge thun. wo es mehr Stoff für seine Thätigkeit finden kann. Ttadtlengöfcld. In der Nacht vom Freitag zum Sabbat ff» 'e verschied plötzlich in Folge Herzschlages der Großh. Sächsische Landrabbiner Dr. Moses Salzer im begonnenen 61. Lebensjahre, nach fast neunzehnjähriger Wirksamkeit im Großherzogth^ Sachsen- Weimar. '.'".v sS*. nn jnn i:in rx cyn yve"! vbs (2. B. M.. K. 33.) „Und als das Volk diese schlimme Kunde hörte, da hüllten sie sich in Trauer und keiner legte seinen Schmuck an." Wie hoch angesehen der Verstorbene bei Hoch und Niedrig, Juden und Christen, den ihm unterstellten Vorständen und Lehrern, sowie seiner Vorgesetzten Behörde gewesen, hat die ungemein zahlreiche Betheiligung bei seiner Montag, .den 24. Februar ö. Js., erfolgten Bestattung erwiesen. Außer dem Gemeinderath und Schulvorstande und sämmtlichen städtischen Beamten, waren von auswärts erschienen der Großherzogl. Geheime Regierungsrath Bezirksdirellor Schmith, sowie Herr Schulrath Kogler. Sämmtliche israelitischen Lehrer und Vorsteher des Landes, sowie mancher Bekannte aus der Nachbarschaft war im Leichengefolge zu erblicken. Unsere Stadt hat wohl seit vielen Jahrzehnten ein solch zahlreiches Leichenbegängniß nicht gesehen. Am Grabe hielt, nach dem Vortrage der Liturgie durch Lehrer R ö t h l e r - Gotha, der benachbarte Herzogliche Landrabbiner Dr. F r ä n k e l - Meiningen die Gedächtnißrede. In beredten Worten verglich der gewandte Redner den Entschlafenen mit dem Hohenpriester Aaron, insbesondere betonend, daß derselbe eS verstanden, während seiner Amtstätigkeit den Frieden innerhalb der Gemeinde im vollsten Sinne des Wortes zu pflegen und zu erhalten. Tief ergriffen rief alsdann Lehrer B a u m g a r t- Stadtlengsfeld dem ihm so plötzlich entrissenen Lehrer und Freunde herzliche Worte des Abschiedes, und des Dankes nach Namens seiner Gemeinde und der jüdischen Vereine des Ortes. Derselbe verglich den Heimgegangenen mit unserem großen Lehrer Moscheh, rühmte seine hohe Bescheidenheit und daß er stets die Menschen nach ihrer günstigsten Seite zu beurtheilen pflegte. Als dritter Redner schilderte Lehrer Meyer- Eisenach den Entschlafenen als einen wahren Lehrerfreund. dankte ihm auch Namens des Vereins israelit. Lehrer Mitteldeutschlands für seine mehrjährige Thätigkeit als Vorsitzender desselben. Mit dem Vortrage der üblichen Gebete endigte der ergreifende Akt und die Strahlen der Sonne beschienen den frischen Grabcshügel eines treuen Seelorgers in Israel. Vir Bgrt. Oesterreich. Wien, 26. Febr. (Die goldene Hochzeit des Erzherzogs Rainer.) Ein erleuchteter Fürst aus habsburgischem Kaiserhause beging das Fest seiner goldenen Hochzeit,- und inmitten der Völker Oesterreichs, welche diesem Fürsten mit aufrichtiger Verehrung ergeben sind, betete auch das österreichische Judenthum für das lange Leben des erlauchten Paares. Unvergessen bleiben uns die herrlichen Worte, welche der edle Fürst in feierlicher Generalversammlung der Akademie der Wissenschaften im Jahre 1889 gesprochen und welche ein Ereigniß von historischer Bedeutung bildeten. Damals, als die antisemitischen Hehartikel über die „Verjudung der Wiener Universität," die brutalen Angriffe auf jüdische Dozenten und Studenten

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