Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1902)
- Date
- 1902-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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dem Herrn hervorgcthan; die offiziellen Kreise fanden dies keineswegs als inkompatibel. Daß die schnödeste Mißachtung der jüdischen Ehegesetze keinerlei Anhaltspunkt zur Ämovirung eines Kongreßrabbiners bieten kann, braucht gar nicht betont zu werden. Zur Vermeidung jedweder Mystifikation wird schließlich die Thatsache auch nicht unerwähnt bleiben, daß in einer Kongreßgemcinde Ungarns viele Jahre ein Rabbiner funltionirte und allgemeiner Beliebtheit sich erfreute, von dem alle Welt wußte, daß er getauft sei und im Dienste der evangelischen Mission stehe. Als Preisrichter sollen sungircn die Rabbiner: Dr.' Neumann, Groß-Kanißa; Dr. Ketskemeti. Großwardein,- Dr. Kohlbach und Herzog. Kaposvar; Dr. Partos, Dunasöldvar; Dr. Klein, Dombovar; Dr.Kalemen, Ryiregghaza und Dr. Lichtcnstein, einer. Rabbiner in Budapest. Als weltliche Mitglieder die Herren: M. Schweiger und I. Simon, Budapest; Dr. Franz Chorin jr.; Dr. Franz Mezei; Dr. B. Bischih; Edmund und M. Szabolcsi. Schon heute gibt sich ein allgemeines Interesse kund, ob es Jemandem gelingen wird, den Preis zu gewinnen. Was geschieht aber — dürfte Mancher fragen — wenn ein orthodoxer Rabbiner sich solche Ausschreitungen zu Schulden kommen läßt? Bietet die orthodoxe Organisation ja die nöthige Handhabe zur Maßregelung pflichtvergessener Rabbiner? And. wie werden bei den Orthodoxen die einschlägigen Bestimmungen zur Geltung gebracht? Nun, die Paradejuden. Kongreßvolitiker und journalistischen Gaukler mögen das. gesetzestreue Judenthum höhnen, beschimpfen und verleumden; ein solch frivoles Spiel mit der rabbinischen Würde ist in ungarischen orthodoxen Kreisen theoretisch und praktisch ausgeschlossen. Das orthodoxe Organisationsstatut bestimmt ganz deutlich, daß als Rabbiner nur solche Kandidaten gewählt werden können, die von drei „anerkannten. orthodoxen Rabbinen" hierzu autorisirt sind. Die Entscheidungen eines Rabbiners, die mit dem Schulchan-Aruch kollidiren, haben keine Gültigkeit und wird ein solcher Rabbiner seines Amtes enthoben. Daß aber diese Bestimmungen mit der größten Strenge auch durchgeführt werden, will ich blos mit zwei Beispielen aus der allerjüngsten Zeit erhärten. In der orthodoxen Gemeinde Cs.. wirkte ein frommer und gelehrter Rabbiner durch zwei Jahrzehnte. Bor etwa einem Jahre wurde es bekannt, daß der Rabbiner durch übermäßigen Genuß geistiger Getränke nicht immer nüchtern sei. Es wurde sofort ein Bes din berufen, welches nach genauer Prüfung des Sachverhalts dem Rabbiner bis auf weiteres die Entscheidung ritueller Fragen strengstens untersagte und die Bestellung eines provisorischen Rabbinatsverwesers anordnete. — In der orthodoxen Gemeinde M. L. in Siebenbürgen hat ein rabbinisches Schiedsgericht in einer wichtigen Streitsache zwischen i cm Rabbiner und einem Gemeindemitglied Urtheil gefällt. Dr Ortsrabbiner. Sohn und Enkel hervorragender G'daulim, wollte sich dem Urtheile nicht fügen. Der sonst ganz fromme Mann, sogar der chasidischen Richtung angehörend, wurde sosrt gemaßregelt. Ueber seine rs*vwurde ganz einfach der ausgesprochen. Daß es unter solchen geregelten Verhältnissen zu Skandalszenen ü. In Rosenberg-Arad, Kohlbach-Temesvar, Kelemen, Lichtenstein etc. etc. nicht kommen kann, ist nur selbstverständlich. Und doch geben sich die neologen Gewalthaber alle Mühe, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit, die zurückgebliebenen Orthodoxen bevormunden zu wollen, die kgl. sanktionirte Verfassung der Gesetzestreuen tonsisziren zu lassen und aus der „historischen Entwickelung" der Kongreßorganisation" Steckenpferd zu reiten. Ihr aufgeklärten, gebildeten, reichen und angesehenen Juden, wie lange noch werdet Ihr die Komödie des einheitlichen Kongresses und einheitlichen Judenthums spielen? Zeitungsnachrichten und (Lorrcsponvenzerr. Deutschland. Berlin, 24. Febr. Selten dürfte ein Fest so gelungen sein und bei allen seinen Teilnehmern so angenehme Erinnerungen hinterlassen, als das siebte Stiftungsfest, das die Vereinigung „Judas Töchter" am Samstag iu den Räumender „Gesellschaft der Freunde" feierte. Eine großartige Soiree eröffnet das Fest u. es genügt, die Namen der Mitwirkenden zu nennen, um den seriösen Charakter der Vorträge zu kennzeichnen. Die Damen Frau Jsabella Berger und Frau Dr. R. Stern trugen eine Anzahl Lieder vor, ebenso der Kgl. Hofopernsänger Pauk Knüpfer; musikalische Beiträge lieferten die Herren Wilhelm Berger auf dem Flügel und Anton Hecking aus dem Violincello, während der deklamatorische Theil in den Händen der Frau Niemann-Raabe und der Herren Ernst Wehlau vom Schillertheater, Rudolf Christians vom Schauspielhaus und Otto Fritsche vom Bunten Theater lag. Es ist unnötbig, zu sagen, daß alle diese Vorträge Stürme an Beifall entfesselten, aber hervorgehoben soll werden, daß alle diese Herren und Damen in selbstlosester und liebenswürdigster Weise ihre Kräfte für den guten Zweck ohne jede Entschädigung zur Verfügung stellten. Es fand außerdem eine Tombola statt, zu der außer den Geschenken der Mitglieder, unter anderen auch die Professoren Max Liebermann und Paul Meperbeim eigene Skizzen gestiftet hatten. Während der Kaffeepause brachten die Delegierten einiger befreundeter l Vereine der Vereinigung „Judas Töchter" ihre Gkück- \ wünsche dar und den mitwirkenden Künstlern wurde [ der wärmste Dank der Mitglieder ausgesprochen. Auch