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Der Israelit · 1902-03-03 · Heft 18 (3.3.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 18 (3.3.1902)
Date
1902-03-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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407 Angriff nehmen, als die Lösen Zeitungen, die alles erfahren und ausplauschen, die verblüffende Neuigkeit verbreiteten, der Araber Rabbiner werde in den nächsten Tagen die achte Mischehe in der Synagoge einsegnen. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Friedensarbeit mit den dummen Orthodoxen mußte diese Mischeheschließung des Araber Rabbiners um j e d e n Preis verhindert w-rdcn. Und das fromme Unternehmen ist glücklicher Weise gelungen. Dr. Rosenberg ist nun auf einem Wendepunkt angelangt; er hat sich auch in diesem Belange als treuer Nachahmer seines Vorgängers Aron Chorin bewährt: er hat widerrufen. In neologen Kreisen ist Dr. Rosenberg durch diese Widerrufung selbstverständlich vollkommen rehabilitirt. Rabbi Mordechai Szabolczy, der fromme Redakteur des ungarischen Neologenblattes, begrüßte mit religiösem Pathos den Arader Zadik und nannte seine „Widerrufung" eine „heroischeHandlung, eine Heide n t h a t." Der große Chacham Sofer war doch etwas vernünftiger, als der superkluge Redakteur'des „Egyenlöseg." Auch Aron Chorin hat seinerzeit widerrufen, aber die gottessürchtigen Männer ließen sich von diesem volksverführerischen Komödianten nicht täuschen. Und was Chacham Sofer damals über Chorin sagte, das paßt vollständig auch auf seinen Nachtreter: „Man verbrenne sein heuchlerisches Geständniß mit seinen übrigen verführerischen Schriften und es bedecke ihn die Schande seiner Jugend!" Doch wir wollen diese famose Widerrufung wörtlich reproduziren, damit man einen Begriff davon habe, was. die frommen Neologen als „h e r o i s ch e T h a t" deklariren. „Ich habe zwei Gründe für meinen Entschluß" — schreibt der reumüthige Epigone Chorin's — „der eine ist, daß gerade meine hiesigen Arader Gläubigen auf meinen Standpunkt nichts geben und sich taufen, wenn sie Andersgläubige heirathen. In sechs Jahren ist ein einziger Fall vorgekommen, daß ich eine von Arader Leuten geschlossene gemischte Ehe eingesegnet habe. Ich habe auch schon das gethan, daß ich den jüdischen Bräutigam oder die jüdische Braut, die mit Andersgläubigen heirathen wollten, gebeten habe, ihren Glauben nicht zu verlassen, .da ich doch ihre Mischehe . einsegnen will; lein einziges Mal fand ich Gehör. (Die Arader Juden sind doch gewitzigte Leute. Die Religion ihres Rabbiners hat in ihren Augen nicht mehr Werth, als die Taufe. Anmerkung des Setzers.) Freilich habe ich da bereuet, was ich gethan. Soll ich denn dafür meinen Rücken herhalten? (O, der arme Märtyrer!) „M ein Prinzip gebe ich nicht auf!" Auch heute bekenne ich mich zu dem Grundsätze, daß der jüdische Geistliche seine Gläubigen mit Andersgläubigen einsegnen kann." Diese Widerrufung nennt das ungarische Judenblatt „Egyenlöseg" eine „Heldenthat/' verherrlicht nebstbei Dr. Rosenberg als Philantrop und preist sich glücklich, diese Entschließung des gelehrten und frommen Mannes erpreßt zu haben. Die FriedenSmissionäre, die inzwischen gefeiert haben, waren schon auf dem Sprung, das Versöhnungswerk neuerdings zu inauguriren, da kam aber wieder der Satan und trieb die Einheitsapostel . auseinander. Der Vorstand der Arader jüdischen Gemeinde richtete nämlich an den Rabbiner die Aufforderung, sich über die Motive seines Entschlusses, Brautpaare verschiedener Religion nicht mehr einzusegnen, zu äußern. Der in die Enge getriebene Rabbiner legte nun in einer umfangreichen Erklärung dar. seineUeberzeugung gestatte ihm nicht mehr, Paare gemischter Religion einzusegnen, obwohl er der Ansicht ist. „daß die Einsegnung weder der Religion, noch dem Talmud widerspreche." (Ist der Arader Rabbiner Doktor der Philosophie oder der Chemie? Frage des Setzers.) Die jüdische Gemeinde wird nun demnächst eine Versammlung abhalten, um dem Beschlüsse, der Rabbiner möge die Paare gemischten Glaubens einsegnen, den er „selbst provocirte," Geltung zu verschaffen. In diesem Stadium dieser „unliebsamen" Affaire ist es nur selbstredend, daß die Friedenskommission die „Versönhnungsarbeiten" sistiren mußte. Eines ist aber bestimmt: welche Wendung immer diese famose Angelegenheit nehmen wird, dem Arader Rabbiner wird kein Haar gekrümmt werden. Dr. Rosenberg bleibt persona grata des Rabbiner-Seminars, -rabbinischer Würdenträger des ungarischen neologen Judenthums. Dem Vernehmen nach beabsichtigen auch mehrere hervorragende Gelehrte, durch die „Ungarisch-jüdische ' literarische Gesellschaft," die Herausgabe einer Preisschrift zu veranlassen, lvelche folgende Frage beantworten soll:' „Was mutz ein Rabbiner einer ungarischen Kongreßgemeinde verüben, bezw. wie gegen die jüdische Religion, Moral und Sittlichkeit sich vergehen, damit er im Sinne der israelitischen Kongreßverfassung amovirt werden könne?" Zur Orientirung der Preisbewerber wird mitgetheilt werden, daß die meisten Kongreßrabbiner notorische rep 'tzbnv und Jttro -r"n sind, diese Dinge daher nicht als Crimen betrachtet werden. Einzelne Herren dieser Garde hatten auch das Malheur, daß man sie Ißt« ä. tete mit Mitgliedern des schönen Geschlechts in flagranti ertappte. Sie wurden mit einem staatlichen. Schandgeld abgefertigt und erhielten Stellen in anderen Gemeinden. Solche Kleinigkeiten kommen selbstverständlich auch nicht in Betracht. Bibelkritik wird im Seminar den zukünftigen Rabbinen von amtswegen vorgetragen. Die Leug-' nung der göttlichen Offenbarung, die ostentative Höhnung des traditionellen Judenthums ist in .diesen Kreisen auf der Tagesordnung und kann für die Preisschrift gar keinen Stoff bieten. Es hat sich schon ein Seminarzögling in Amt und Würde als fideler Jagdfreund vor

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