Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1902)
- Date
- 1902-02-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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386 ließ. Auf benj Todtenbette verlangte er. daß man in seiner Vaterstadt das Kaddisch für ihn bete und seine Jahrzeit alljährlich begehe. Hierfür setzte er für seine Heimathgemeinde ein Legat aus, das natürlich die Verwaltung der Gemeinde zurückwies. Gemen, 25. Febr. Das Alte stürzt und neues Leben blüht aus den Ruinen! Mit diesen Empfindungen begrüßte die hiesige Gemeinde den gestrigen Tag, der in der Geschichte der kleinen, um die Mitte des 18. Jahrhunderts gegründteten israelitischen Gemeinde einzig dasteht. Se. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Marx war der Einladung des Vorstehers, des Herrn Oscar Löwenstein, gefolgt und krönte den Schabos durch seine Anwesenheit. Der trotz seiner jungen Amtsthätigkeit über unsere Grenzen hinaus bei kannte Herr Rabbiner gewann in seiner Rede die Herzen seiner Zuhörer im Sturme. Und wahrlich, die Worte, die der verehrte Herr Redner an seine Gemeinde richtete, waren die Akkorde seiner Herzenssprache. In dem Vergleiche der inneren Einrichtung der einstigen Stftshütte mit unserem heutigen Leben entrollte der Herr Doktor'ein Bild herrlichster Art^ Auf den Flügeln seines erhabenen Gedankenganges nahm er seine Gemeinde mit und mit dem Wortschatz seiner Zunge begeisterte er die Andächtigen für die heilige Sache. Es ist unmöglich, in Kürze eine Schilderung dieser wunderbaren Ansprache wiederzugeben, und noch ganz unter dem Eindrücke des Gehörten stehend, trug Herr L. Cohen aus Borken, der beim Gotesdienst als Vor- 'beter fungirte, mit seiner schönen Stimme den 111. Psalm vor. Möge der gestrige Tag dem verehrten Herrn Dr. Marx den Beweis gebracht haben, welch' jüdisches Empfinden hier pulsirt und in welcher Verehrung seine Anhänger seinen Weg mit den aufrichtigsten Wünschen begleiten. E. L. Wenkkeim (Baden), 23. Febr. Vergangenen .Freitag, 21. d. Mts., trug man die irdischen Reste des Lehrers H o f m a n n von hier zu Grabe. , Er erreichte ein Alter von 78 Jahren. Ueber 60 Jahre wirkte er an hiesigem Orte und die jetzigen Gemeindemitglieder sind sämmtlich Schüler von ihm gewesen. Er verstand es, religiösen Sinn seinen Schülern einzupflanzen, der heute noch vorhanden ist. Anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläums fand eine größere Feier statt und erhielt er damals von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog den Verdienstorden. Sprechsaal. Breslau, 22. Februar. Sehr geehrte Redaktion! Ihre Berichterstattung in Nr. 15 Ihres werthen Blattes über die Verunstaltung des Diskussionsabends im jüdischen Rede- und Diskutirklub „Grätz" zu Breslau bedarf einer Richtigstellung. . Die Worte „Unverschämtheit, Gemeinheit" sind zwar von Ihrem Herrn Korrespondenten in begreiflicher Aufregung gefallen, aber veranlaßt durch eine scharfe Provokation des Herrn F., der die Erklärung vorbrachte, daß nach seiner Ansicht nur diejenigen als Juden zu betrachten seien, die. wie er, strenge an den alten orthodoxen Gebräuchen hielten, daß daher die anwesenden Zionisten nicht unter den Begriff „Juden" fielen. Im Nebligenwurde Herr F. am besten und kräftigsten von dem ihm in religiöser Beziehung nahe stehenden Theologen Herrn Dr. I. F. zurechtgewiesen, der seine Ausführungen mit den Worten begann: „Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden werde ich mich selbst schützen" und so Herrn F. von sich abschüttelte. Es ist doch immerhin bemerkenswerth, daß in einer Versammlung von ca. 60 Herren, von denen mindestens die Hälfte auf orthodoxem Standpunkte stehen, nicht „ein einziger von zwölf Rednern" Veranlassung nahm, Herrn F. zu unterstützen, und alle, ob Freunde oder Gegner des Zionismus, sich warm der persönlich scharf angegriffenen Zionisten annahmen.- Wenn nun Ihr Berichterstatter behauptet, daß die Versammlung ü. tu Graf Pückler verlief, so können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, daß sowohl Zion wie Antizion sich in maßvollster Weise (mit Ausnahme eines Herrn) der Angriffe erwehrte, die von Herrn F. auf sie losgelassen wurden und nur durch die eingangs erwähnte Rede des Hrn. F. eine Disharmonie entstand. Julius Becker, cand. phil., erster Charg. der „Makkabäa". Sally V o s ch w i tz, cand. med. zweiter Charg. der „Makkabäa." Otto Cohn. Hugo Schachtel, pr. Zahnarzt. Vorsitzender der Breslauer zionist. Vereinigung, Mitglied des Zentralkomitees der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Fritz Sondheimer -Frankfurt a. M.). Redakteur Lothar Stark. —-- Halte a. 2., 24. Febr. Sie brachten in Nr. 7 Ihres Blattes eine Notiz aus Halle a. S., worin der Genugthuung darüber Ausdruck gegeben wird, daß endlich auch in Halle a. S. dem reisenden Publikum Gelegenheit geboten ist, in einem „streng-koscheren Restaurant" zu speisen. Da die gebrachte Notiz eine vollständige Verkennung hiesiger Verhältnisse zeigt und in einseitiger Bevorzugung und Empfehlung eines rituellen Speiseinstituts geeignet ist, andere, schon bestehende geschäftlich zu schädigen, wollen Sie nachstehende Berichtigung in Ihr geschätztes Blatt ausnehmen: Es besteht hier in Halle neben anderen später hinzngekommenen Speisehäusern, seit zehn Jahren ununterbrochen ein rituelles Speisehaus (B. Jacobi, Sternstr. 6 a), das bisher den strengsten Ansprüchen in Bezug auf Kaschrus genügt hat und allseitiges Vertrauen und Zuspruch aus den Kreisen Orthodoxer strengster Observanz genoß und noch genießt. R. Frank, Kantor.