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Der Israelit · 1902-02-27 · Heft 17 (27.2.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 17 (27.2.1902)
Date
1902-02-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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385 Schonlankc, 25. Febr. (Ein Wort zur Pflege der A r m e n u n t e r st L tz u n g.) Die Wirksamkeit in der Ausübung der Mizwoth Zedoto und die Thätigkeit im Liebesdienste der Gemilus Chasodim bildeten stets die schönsten Blüthen am Baume des jüdischen Lebensidcals. Ist ja doch nach dem Ausspruch unserer Weisen der Edelsinn des Wohlthuns der Grundcharakter des jüdischen Volkes und somit das sicherste Kennzeichen eines Juden für seine abrahamitische Abstammung mra xnt? by amen bz.f "v7ii2N. Liebe und Barmherzigkeit durchwehen die mosaische Gesetzgebung und die ganze Religion Israels mit dem wärmsten Hauche der edelsten Humanität. Diese ideale Anschauung hat im Herzen Israels stets feste Wurzel gefaßt und allmählig zu einem Lebensbaum sich entwickelt, unter deffen weitragenden, fruchtreichen Aesten der Arme und Leidende Rettung und Labung findet. Alle sonstigen Meinungsverschiedenheiten über religiöse Einrichtungen und gesellschaftliches Leben, die Israel in Parteien und Fraktionen spalten, verschwinden alsbald vor dem Ruse nach Organisationen, die die Wohlthäiigkeit zum Zwecke haben. Da muß jeder wahrhafte Menschenfreund zu seiner großen Genugthuung bemerken, ein einheitliches Zusammengehen und ein gemeinsames Zusammenwirken, wodurch sich der Ausspruch unserer Weisen bewährt "nVtön rtx rcipct? npis rbr,:/t die Pflege der Wohlthätigkeit ist das beste Mittel, das uns zur erlösenden Verbrüderung zu führen vermag. Diese segensreiche Erfahrung von der verbrüdernden Kraft der jüdischen Opferfreudigkeit im Wohlthun hat die glorreiche Geschichte unseres Stammes nicht minder wie in alten Zeiten auch in unseren Tagen mit goldenem Griffel zu verzeichnen. Die unzähligen Vereine, welche in Deutschland unter den verschiedensten Benennungen und zu den. mannigfachsten praktischhumanen und idealen Zwecken bestehen, entfalten nach jeder Richtung hin eine lobenswerthe und mustergiltige Thätigkeit. Da wird für Wittwen, Waisen und Leidende nach Möglichkeit gesorgt, dort werden die sogenannten kleinen Leute, Handwerker und Kaufleute, die rnit der Roth der Zeit hart zu ringen haben, gefördert. Arme und vom Unglück Verfolgte unterstützt. Hier werden Bestrebungen gepflegt, um rechts- und heimathslosen Brüdern, die in halbbarbarischen Staaten unter dem Zwang der Verhältniffe Kränkung und Bitternisse zu leiden haben, eine neue Zufluchtsstätte zu bereiten, dort wieder entstehen Institute, welche den schönen Zweck verfolgen, Kinder mittelloser Eltern zu einem bürgerlichen Berufe, zum Handwerk, zur Landwirthschaft oder sonst zu einem anständigen Erwerb heranzubilden. Aber nicht bloß in den Großgemeindcn des Reiches, die über reichere Mittel verfügen, sondern auch in den mittleren und kleinen, ja kleinsten Gemeinden, die unter schweren Geldopfern ihre religiösen und kulturellen Einrichtungen aufrecht erhallen, regen sich alle Hände, um mildthätige , fromme Werke der Menschenliebe zu bethätigen. Auch in unserer altehrwürdigen Gemeinde, die ihren guten Ruf aus alter Zeit als Pflegestätte der Thora unter Leitung rabbinischer Autoritäten durch Erhaltung wohlorganisirter Institutionen sich zu bewahren sucht, ist eS eine Freude, zu sehen, wie tief der Geist des Wohlthuns im Herzen der Gemeinde lebt, und wie alle Mitglieder derselben,. Wohlhabende und wenig Bemittelte, wetteifern, um die Mizwoth Zedoko nach vielen Seiten zu verwirklichen. Unter den verschiedenen hier bestehenden Institutionen hebe ich für heute nur den segensreich wirkenden „Armen - Verein" hervor, der den Zweck hat, durchreisende Arme zu unterstützen. Wenn man bedenkt, wie viele Tausende unserer unglücklichen Glaubensgenossen-durch barabarische Gesetze und Zustände, die ihnen den Lebensnerv des Erwerbes in ihren kulturell zurückgebliebenen Heimathsländern unterbinden, zum Wanderstab greifen müssen, um auf Gottes weitem Erdboden einen Ruheplatz zur Ansiedelung ausfindig zu machen, und wie sie da auf ihren harten Wanderungen den einzigen Trost darin suchen, von ihren Glaubensbrüdern freundlich ausgenommen und unterstützt zu werden, dann kann man daran die hohe, kulturelle Bedeutung solcher Armenvereine ermessen. Durch monatliche Beiträge und Spenden der Gemeindcmitglieder wird es dem Verein möglich gemacht, daß der großen Zahl von Armen, welche unsere Stadt aufsuchen. Unterstützungen gewährt werden können. Dem vom Rendanten. Herrn Sanitälsrath Dr. Sachs, vor Kurzem erstatteten Bericht ist zu entnehmen, daß während der letzten 5 Jahre die stattliche Anzahl von 1666 Ausländern und 543 Inländern sich an den Verein um Unterstützung gewandt und solche erhalten haben. Die Vereinskasse, welche seit 1897 besteht, hat eine Einnahme von 3338.27 Mk. und eine Ausgabe von 3285.43 Mk. zu verzeichnen. Das Verdienst einer umsichtigen und warmherzigen Verwaltung des Vereins gebührt vor Allem dem bewährten Vorstand desselben: Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner W ä l d l e r. Herrn Sanitätsrath Dr. Sachs. Herrn Kaufmann B o ch n e r und Herrn Moses Fabian, die der Sache des Vereins die treueste Sorgfalt widmen. Ein so gemeinnütziges Wirten für unsere voll der rauhen Hand des Schicksals hinausgestoßenen Glaubens- und Stammesbrüder verdient den Dank und die Anerkennung aller edlen Menschenfreunde. Dr. H. B. Ans der Mark. In der jüdischen Gemeinde zu Z. kam jüngst eine interessante Frage zur Verhandlung. Vor Jahren war von dort ein junger Mann noch Prag ausgewandert. wo er im Laufe der Zeit zu Vermögen kam, zu hohen Stellungen gelangte — und sich taufen

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