Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1902)
- Date
- 1902-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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384 Gesinnungsgenossen angeschloffen hat. Durch ausgesetzte Preise für hervorragende Leistungen, durch Zuschüsse bei Herausgabe von wissenschaftlichen Werten, durch periodisch erscheinende Aufsätze denken wir zunächst auf die Gelehrtenwelt einzuwirken; unsere Jahresberichte, ein Jahrbuch oder eine -Quartalsschrift, die Ermöglichung wohlfeilen Bezuges der von uns unterstützten Werte sollen das -Interesse des Publikums wach halten." .Dieser Ausruf hat allseitig lebhaften Widerhall gefunden, und eine grosse Anzahl von Mitgliedern hat sich bereits mit namhaften Beiträgen der Gesellschaft angeschloffen. In der konstituirenden Versammlung wurde ein aus neun Mitgliedern bestehender Vorstand gewählt; derselbe hat seine Arbeiten bereits begonnen und ist schon jetzt in der Lage, mit seinem ersten Preisausschreiben an die Oefsentlichkeit zu treten. Wir sind der Ueberzeugung, daß Jeder, der der Wissenschaft des Judenthums Interesse entgegenbringt, unsere Mittheilung freudig begrüßen und die Ziele der Gesellschaft gerne durch Erwerbung der Mitgliedschaft fördern wird. (Auch wir zweifeln nicht, dass jeder wahre Jude es sich zur Ehre aureckmen wird, dieser von der geistigen Elite des deutschen Judenthums begründeten Gesellschaft als Mitglied anzugehören. Red. d. „Jsr.") Köln, im Febr. „An alle auf dem Boden des Gesetzes stehenden Juden Rheinlands" richtet sich das folgende Rundschreiben: «lYirPo ix xnrcn *». „Zersplitterung führt zum Verfall, Vereinigung zu neuem, frischen Leben." Der Abfall vom jüdischen Gesetz und die Gleichgiltigkeit gegen dasselbe ziehen immer weitere Kreise; immer kleiner wird die Schaar derer, die noch fest zur sturmerprobten Makkabäer-Fahne halten. Soll diese traurige Thatsache das Judenthum nicht dem gänzlichen Verfall entgegenführen. dann gilt auch für uns Rheinländer das-alte Wort: „Verbunden werden auch die Schwachen mächtig!" Ueberall sehen wir Zusammenschluss der Gleichgesinnten. Der Staat selbst eint die Mitglieder anderer Religionskreise. Das Gebot der Selbsterhaltung fordert dasselbe von uns. Als glänzendes Beispiel leuchten uns jene Männer voran, welche vor sechs Jahren wieder das Banner der jüdischen Gesetzestreue auf westphälischem Boden aufpflanzten! Die dringende Nothwendigkeit einer solchen Vereinigung aller Gesetzestreuen im Rheinland bedarf kaum einer näheren Darlegung. Sind doch so viele, namentlich kleinere Gemeinden vorhanden, welchen die Mittel fehlen, einen eigenen Rabbiner anzustellen oder .sich einem Rabbinate anzuschliessen. Sie vermögen nicht die nothwendigsten Institutionen den Anforderungen des Gesetzes entsprechend einzurichten. In manchen Gemeinden muss die Jugend, der Hauptstütze alles jüdischen Lebens, des Religionsunterrichtes vollends entbehren. Hier ist der Einzelne gänzlich hilflos. Hier gilt es, mit vereinten Kräften, das Mangelhafte zu bessern, das Fehlende zu schaffen, auf dass „neues Leben blühe aus den Ruinen." In dieser Erkenntniß traten am 19. Januar d. I. eine stattliche Anzahl Männer aus verschiedenen Gemeinden der Rheinprovinz zusammen und gründeten einen „Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands". An Euch, liebe Gesinnungsgenossen in rheinischen Landen, ist es nun. Eure Kraft dafür einzusetzen, daß dieser Verein baldmöglichst sich in der Lage sieht, den geschilderten Uebelständen abzuhelfen. Dieses hohe Ziel kann aber nur dann erreicht werden, wenn Alle, die unsere Anschauungen theilen, und Alle, die ein warmes Herz für unsere Ziele haben, baldigst unserem Sammelrufe folgen, dem Verein beitreten und Mitglieder nebst Gemeinden für unsere Sache gewinnen. Von den einzelnen Gemeinden fordern wir nicht zu große Qtser! Wir Alle, die wir die Gesetzestreue im Judenthum nach der Ueberlieferung vertreten, wollen uns vereinigen, "rcnr6 rntsj? damit „die Krone unserer heiligen Thora im alten Glanz auf's Neue erstrahle!" Nähere Auskunft ertheilen gerne die Unterzeichneten Mitglieder des provisorischen Komitees: Rabb. Dr. Wolf- Köln, A. B a e r - Ahrweiler, Seminarlehrer Rektor G u t-Köln. S. Hanauer- Euskirchen. A. Wallach- Euskirchen, F. Wendel- Euskirchen. Stadtrath I. B. Jonas- M.-Gladbach, Nathan K a h n-K'6ln, Salomon Hecht- Köln. ' Anmeldungen zum Verein beliebe man an die Adresse Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf in Köln a. Rh. zu richten. Breslau, 24. Febr. lRabbiner Dr. P. Neustadt gestorbenJ Noch bin ich furchtbar erschüttert von der soeben erhaltenen Nachricht. Kaum vermag ich sie zu fassen; aber die seit einigen Wochen gehegte Befürchtung ist nun doch zur traurigen Wahrheit geworden. Heute Morgen hat ein Mann seine Seele ausgehaucht, der dem Judenthum viel, unendlich viel galt: Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt, Dirigent der Breslauer jüdischen Religions-Unterrichts-Anstalt. ist nicht mehr. Die großen Verdienste, die sich der theure Verstorbene um das Judenthum erworben^,sind ja erst vor einigen Wochen wieder ausführlich erörtert und von seiner Majestät dem Kaiser sogar durch Verleihung des rothen Adlerordens gewürdigt worden, da es dem Rabbi vergönnt war, noch einen so seltenen Jubeltag. sein sechzigjähriges Lehrerjubiläum zu begehen. Aber nicht nur den großen Lehrer, den Talmud Chochom haben wir zu beweinen, wir müssen auch um den Juden trauern, um einen Juden, der, wie nur Wenige seiner Zeit, von dem hehren, heiligen Glauben durchdrungen war. So ist mit ihm, der nunmehr im Alter von 78 Jahren von Gott abberufen worden, ein Mann dahingeschieden, dessen seltener Glaubenseifer lange Zeit unserer Jugend ein leuchtendes Vorbild bleiben wird. F.