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Der Israelit · 1902-02-27 · Heft 17 (27.2.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 17 (27.2.1902)
Date
1902-02-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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auf.und seine Zukunft ist an eine religiöse Wiedergeburt; geknüpft. . ( In der Nähe des Ghettos von Jerusalem - erhebt ] sich die Klagemauer, woselbst sich Freitag Nachmittags die Juden hin begeben, um in der Sprache des Psalmisten und der Propheten, für die Wiedererrichtung des Salomonischen Tempels zu beten. Wird dieser Tempel wieder erstehen? Das ist das Geheimniß Gottes und ich maße mir nicht an, den wahren Sinn der betreffenden biblischen Prophezeiungen sicher festzustellen." Ein Excurs auf die Omar-Moschee, welche sich auf der Tempelstätte zur Zeit erhebt, gibt dem Redner Veranlassung, auf die Religion der Muhammedaner und die der Christen zurückzukommen und die Berechtigung der christlichen Missionsbestrebungen einer Kritik zu unterziehen. Er sagt u. a. darüber: „Wenn es sich um die unlauteren und grausamen Kulte der Wilden handelt, so leistet man der Civilisation einen Dienst, wenn man Missionäre zu diesen Heiden schickt. Das thün auch die Muselmänner. Auf Millionen beläuft sich die Zahl der Fetisch anbetenden Menschenfresser^ Afrika's, die sie bekehrten, indem sie ihnen den Glauben an einen Gott, die Achtung vor dem menschlichen Leben und gewisse moralische Vorschriften zur Beschränkung der Polygamie beigebracht haben. „Aber soll man Missionäre zu den Juden schicken, die ihre Schriften haben, die den einzigen Gott anbeten, wie wir, und manchmal besser, als wir, und die doch den eigentlichen Stamm des Monotheismus bilden? Diese Leute soll man verwirren und sie mit Gewalt bekehren? Man hat wohl einige Resultate bei ihnen erreicht, aber im ganzen genommen sind die Früchte dieser Missionsbestrebungen selten und widerwärtig. Wir thäten besser daran, uns selber umzubilden, um auf die anderen eine größere- Anziehungskraft ausüben zu können." „Es mögen zwei, drei Jahre her sein, daß jüdische Damen von Paris, welche ein religiöses Bedürfniß empfanden, deren Männer aber ungläubig und gleichgiltig waren, deren Söhne ohne Religion heranwuchsen, da sie das Lyceum, statt den Gottesdienst in der Synagoge besuchten, daß dieselben sich mit meiner Frau und mir -in Verbindung setzten. Wir kamen drei Monate lang mit ihnen zusammen. Wir führten sie wieder zu ihrem eigenen Glauben zurück und lernten sie die Propheten des alten Testamentes besser kennen. Was den Stifter des Christenihums betrifft, so verlangten wir lediglich eine- Revision seines Prozesses, eine Wiederzurücksetzung in seine Nation und seine Anerkennung als einen ihrer Propheten.' (Sonst nichts!? Red. d. Jsr.) Madame Zad'ok Kahn^ die Frau des Oberrabbiners, zeigte sich unseren Zusammenkünften günstig, der heklagenswerthe Eugen Manuel unterstützte unsere Worte und das Ende unseres Verkehrs war, daß die jüdischen Damen uns zur Erinnerung, ein Broncebild verehrten, lvelches den Stifter des Christenthums, sein Kreuz tragend, darstellte. Der Zionismus ist in meinen Augen ein krankhafter Traum. Der Sultan wird Palästina den Juden nicht zurückgeben und wenn er es thut, so würde der Czar ihn daran hindern. Israel ist bestimmt, ein zerstreutes Volk zu bleiben; seine Rolle wird so eine nützliche sein. Ich schrieb nichtsdestoweniger an Herrn Mar Nordau, einen der Führer der Zionisten, um ihm zu sagen, daß die Juden den Prozeß des Stifters der christlichen Religion revidiren müssen. Er antwortete mir. daß das Vaterunser ein Resümee jüdischer Ideen sei. daß die Bergpredigt die Quintessenz des rabbinischen Geistes enthalte, daß die synoptischen Evangelien die Blüthe der hebräischen Litteratur repräsentiren und daß der Stifter des Christenthums selbst (wenn man ihn von seinen vermeintlichen Gläubigen trennt) die Ehre der israelitischen Rasse darstellt." Trotz dieser schmeichelhaften Anerkennung, mit welcher sich Herr Nordau hier über die Bckenntnißfchriften des Christenthums und über dessen Stifter ausspricht, hat Herr Hyacinthe Loyson für den Zionismus kein anerkennendes Wort übrig. Er fährt fort: „Weder der Zionismus von Herz! und Nordau, noch der unwissende Talmudismus, und ebensowenig der vage Deismus der „Alliance Jsr." wird Israel regeneriren. Diese Regeneration erfolgt nur durch die Rückkehr zum alten Testament, zum Gesetz und den Propheten. Werden diese dürren Gebeine wieder aufleben? Ich weiß es nicht. Aber es gibt in der Geschichte des Judenthums so viel Wunderbares und so viel Räthselhastes, daß sie kein gewöhnliches Ende nehmen kann. Es wird sicher mit einer sehr großen Sache endigen. Und die Kirche wird dann mit ihm auf einem höheren Niveau Zusammentreffen." Wir haben den Worten des illustren Priesters nur wenig hinzuzusctzen So einverstanden wir damit sind, daß auf den Wegen der Zionisten und der „Alliance Jsraelite" nicht das Ziel der Wiedererhebung Israels erreicht wird, so sehr glauben wir, daß das Urtheil des Redners über den Talmud viel dringlicher einer Revision bedarf, als unser Urtheil über den Stifter der christlichen Religon. Es bedeutet nicht nur eine Verkennung des Talmud, sondern auch eine solche des alten Testamentes, wenn man eine Rückkehr zu dem letzteren mit Ausschluß des ersteren auch nur für möglich hält. Man bemüht sich, zu diesem Zwecke nur in flüchtigen Zügen das Wesen des Talmud zu vergegenwärtigen, soweit es auch dem nichtjüdischen Theologen zugänglich ist. Ist doch der Talmud nichts anderes, als die protokollarische Aufnahme der ' in der Nation durch Ueberlieferung vorhandenen Erklärungen, Erläuterungen,

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