Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1902)
- Date
- 1902-02-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43« Jahrgang. M 17. Gentrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Br. Dehrnann in Mttttnz. Donnerstag, dev 27. Februar 5662 (1902). w^wLMuumuMsavamaf* erhält jeder, für das zweite Quartal neu hinzutretende Abonnent den „Israelit“ bis zum 1. April dieses Jahres. Der Verlag. Mn Wiche in idudle MW Fnzeii. Genf, 23. Februar. Vor kurzem hat, gelegentlich einer Dtonatssitzung der hiesigen Gesellschaft von Pfarrern der nationalen protestantischen Kirche, der berühmte Prediger der Notre-Dame-Kirche in Paris, Hyacinthe Loys o n,. einen nach verschiedenen Seiten hin hochinteressanten Vortrag gehalten. Dieser Vortrag ist soeben unter dem Titel „Juifs et Muselmaus" in dem hiesigen Organ des evangelischen Protestantismus „La Semaine Religieuse" erschienen und entnehmen wir demselben einige markante Stellen. Derselbe knüpft seine Betrachtungen an wieder- ' holte Reisen nach Jerusalem und an seine Bestrebungen durch Hervorhebung dessen, was Juden. Christen und Muhamedanern gemeinsam heilig ist. die Bekenner dieser drei Religionen einander naher zu bringen, lieber die heilige Stadt und ihre jüdischen Einwohner spricht sich der Redner folgendermaßen aus: „Was den gegenwärtigen Stand der Israeliten in Palästina betrifft, so ist Jerusalem noch heute die Stadt der Juden. Trotz aller Demüthigungen und bestimmten Verbote, leben sie daselbst in größerer Zahl, als die Muselmänner und Christen. Sie sind hauptsächlich geringe Handelsleute, denen ihre Thätigkeit wenig Wohlstand gewährt. Ihr eigentliches Quartier in der alten Stadt ist unsauber und Ekelerregend. Sie führen dennoch ein ruhiges Leben unter der Autorität der Sultane, - denn die Bekenner des Islam sind ziemlich tolerant, wenn man nicht ihr politisches Mißtrauen oder ihren religiösen Fanatismus reizt, und die nicht anerkannlcn Religionen erfreuen sich bei ihren äußeren Kundgebungen einer größeren Freiheit in Jerusalem, als in Paris. Die geistige und moralische Lage der Juden in der heiligen Stadt ist kaum besser als ihre materielle. Ihre Rabbinen sind der Ansicht, daß die Unwissenheit ihrer- Untergebenen gegen Unglauben und Chrjstenthum am besten schützt. Sie nähren sie daher mit den Vorschriftten des Talmud und hauchen ihnen einen Schrecken vor den Christen ein.*) Gebildete und liberale Juden, welche die „Alliance isr. Universelle" geschickt hat, haben Schulen und Werkstätten gegründet, wo man die französische Sprache unterrichtet und andere Ideen verbreitet; sie werden aber meistens von den Rabbinen in Jerusalem verurtheilt und excommunicirt. „Es ist wahr, daß die Vertreter der „Alliance" reine Deisten sind, welchen das religiöse Gefühl abgeht." Andererseits habe ich in Jerusalem einen jüdischen Atheisten gekannt, der arm an Mitteln und reich an Gelehrsamkeit, aufrichtig seinem Volke ergeben, alle russischen Anerbietungen abgewiesen und sich in ein Landhaus zurückgezogen hat, wo er ein Journal und eine hebräische Revue heraus-' gibt, ebneso verdanken wir ihm einen großen hebräischen Diktionär. Er wollte eine todte Sprache wieder neu erstehen lassen; aber Israel lebt nur durch Gott wieder . *) Den jcniTmcmitiidjcn Suiten e'.nen Schrecken vor den Christen Einbringen. besorgen in v,ernsnlem die Bestrebungen der dortigen Millionäre. Wer die Mittel und' Mittelchen kennt, mit welchen uv »** «uuiujiui 11111». uu'\iuyu UU| juuilUje -eeleu nur »ehr geringe Ausbeute liefert, ist das Verdienst des Talmud.,mit dcsscii weilt.bic Rabbinen die Gemeinden tränken. DeßblUb ist der. Talmud bei den Missionären nicht gut ungeschrieben. .Dag auch ein aufgeklärter Geistlicher, wie P. Hyacinthe dieses Vorurtheü theilt und weiter verbreitet, ist in der That auffalleiü». Red. d. Isr.