Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1902)
- Date
- 1902-02-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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urkunde, theils durch besondere Gesetze, wie das Eivilstandsgesetz und das Zuständigkeitsgesetz, aufgehoben worden. Geblieben ist im Wesentlichen nur noch die Kontrolle des Gemeinde-Haushalts. Aber das genügt, um den Berichten des Polizeipräsidiums das Kapitel „Judensachen" einzufügen. -Ans Württemberg. Im neu hcrausgegebenen Württcmb. Hof- und Staat-Handbuch wird das Resultat der Voltszählnng vom Jahre 1900 verwerthet. Darnach haben die isr. Gemeinden des Landes mit wenigen Ausnahmen abgenommen. Wir zählen die Seelenzahl der Gemeinden nachfolgend auf und bezeichnen nebenbei die Zunahme seit 1895 mit -j-, die Abnahme mit — in Klammern. Assaltrach mit Eschenau 81 (— 18), A'rchshofen 34 (4- 2), Aufhausen 36 (— 10). Baisingen 148 P- 14). Berlichingen 89 (— 13). Bonfeld 44Y4- 4), Braunsbach. 120 (— 39), Buttenhausen mit Filialen 9fio (— 52), Buchau mit Filialen 862 (— 12), Eannstadt 484 Pf- 78), Crailsheim 316 (’4- 40), Ereglingen f>ö {— 22), Dünstach-Gerabronn 34 f— 5), Ernsbach?9 (—28). Edelfingen 136 (—7), Eßlingen 133 P- 5), Ellwangen 65 10), Freudenthal mit Zaberfeld 168 (— 37). Göppingen 340 (4- 6), Gmünd 81 Pi- 19), Hohebach mit Filial. 123 (— 41), Hall 187 (-- 31). .Heilbronn 815 (.4- 3), Höchberg 35 (— 18), Horb 134 p- 16), Künzelsau 132 (— 4), .Kochendorf mit Cebfieim 110 (~- 10), Lebrensteinfeld 76 P-J- 6). Lauchbeim 47 P— 26), Laudenbach 89 (i- 2), Laupbeini 444 (— 37). Lugwigsburg 243 Pf 20). Michelbach mit Filial. 177 f— 39). Markelsheim 64 (— 1). Mergentheim 276 (— 4), Mühlen 31 (— 3)x Mühringen 130 P— 18), Maisenbach 39 ( — 5), Niederstetten 163 (— 19), Nordstetten 65 P- 7), Oberdorf 218 <4 4), Ochrinaen 164 (~r S), Ohnhansen 95 P-l), Rexingen 387 i-u 3). Rottweil 97 (—2), Sontheim 67 (— 3). Stuttgart 3027 P!- 397), Tübingen mit Reutlingen 159 (— 5), Thalheim 85 (— 1). llnterdeufstetten 46 P- 2). lUin 609 P- 34), Weikersheim 82 (4- 7), Wackbach 18 (4- 0). 34 Gemeinden haben sonach theilweise ganz erheblich abaenommen. 20 Gemeinden zeigen Zunahmen. Bemerkenswerth ist - auch die weitere Zerstreuung der württemb. Israeliten, der Ansiedelung an Orten, wo bisher noch keine Israeliten wohnten. Es dürfte eine wichtige Aufgabe der isr. Oberkirchenbehörde sein, die /Zerstreuten nahen Gemeinden zuzuibeilen und für den Religionsunterricht der Kinder der Zerstreuten entschieden Sorge zu tragen. (Wanderlehrer!) Oesterreich. Wien. 20. Febr. Ani Montag, 10. Adar!. nmrde wie wir in voriger Nummer bereits kurz berichteten. Frau Rosa Hildesheimer. Tochter des bekannten russischen Großindustriellen Israel Brodsln und älteste Schwiegertochter des unvergeßlichen Gründers des Berliner Rabbinerseminars, Rabbi Israel Hildes- - ftrimer s. A., aus deni irdischen Leben abgerufen. Um diese vortreffliche und edle Frau klagen und weinen Alle, die das Glück hatten, sie zu kennen und ihre vorzüglichen Eigenschaften. zu bewundern. Sie war eine würdige Tochter ihres bedeutenden Vaters und ihres großen und weltberühmten Schwiegervaters. Innige Frömmigkeit, vereint mit einem hohen Sinn für alle Werke der Wohlthätigkeit waren ihr herrlichstes Schmuck. Rührend war ihre Ehrfurcht vor Talmide Ehachomim, ängstlich bemüht war sie, stets die Männer in jeder Weise zu ehren und zu fördern, die ihr als Meister auf dem Gebiet der Thora, genannt wurden. In Preßburg, der berühmten Zentrale des Thorastudiums, hat sie auf ihre letztwillige Verfügung hin auch, die Grabesftättc gefunden. Eine unübersehbare Menschenmenge, worunter wir zahlreiche Mitglieder der Schiffschul in Wien bemerkten, gab ihr am gestrigen Mittwoch das letzte Geleite und lauschte tiefbewegt den ergreifenden Trauerreden, die ihr auf dem Preßburger Bei Olam von drei Rabbinern gewidmet wurden. Rabbiner Fürst aus Wien, der zweite Preßburger Rabbiner F r i e d m a n n und Rabbiner F c u chtwang aus Nikolsburg waren bemüht, in zündenden Worten das herrliche Lebensbild der Verklärten zu zeichnen. Die vielen Bedürftigen, die bei Rosa Hildesheimer stets eine offene Hand fanden, werden die Wohlthäterin vermissen; doch mehr noch als diese werden diesenigen, welche in Wien wahres Judrnthum zu schätzen wissen, die unausfüllbare Lücke beklagen, die durch den Hingang der seltenen Frau in unser Gemeindeleben gerissen ivorden ist. Der Allgütige mögen dem trauernden Gatten, dem Sohne und der ganzen Familie Trost und Störle gewähren, den schweren Schlug zu überwinden. . Frankreich. Paris, 17. Febr. Ein Vorgang, der für die Zeiten. die wir jetzt durchleben, sehr bezeichnend ist, hat auf sich mit vollem Recht die öffentliche Aufmerksamkeit ge- . lenkt. In Janson de Sailly, einem in der Nähe von Paris gelegenen Städtchen, befindet stch ein Gymnasinn,, dessen Direktor die Herren Jesuiten um ihre Lorbeeren beneidet. In dieser Anstalt befinden sich einige Zöglinge, die den Elementarunterricht in den von Jesuiten geleiteten Schulen erhalten haben. Diese jungen Herrchen haben nun die Theorien, diedie ehrw. „Väter" ihnen in ihrer Kindheit eingeflößt haben, nicht vergessen und mißhandelien ihre jüdischen Mitschüler in geradezu skandalöser Weise. Ein christlicher Schüler, Sohn eines sehr hohen und einflußreichen Staatsbeamten, hat feine Entrüstung über dieses schnöde Vorgehen kundgegeben und stch seiner jüdischen Kameraden angenommen. I Nun haben die jugendlichen Antisemiten sich mit einer . . wahren Wuth auf die Juden und noch mehr auf den