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Der Israelit · 1902-02-24 · Heft 16 (24.2.1902) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 16 (24.2.1902)
Date
1902-02-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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376 „Judenschützling" hingeworfen. Die ehemaligen Zöglinge der Jesuiten haben auf offener Straße ihre Mit-. schüler in der schmutzigsten Weise angegriffen. Sowohl der Direktor als auch der Inspektor der betreffenden Lehranstalt, die selbstverständlich.alle diese Ungeheuerlichkeiten kannten, haben es unterlassen, gegen derartige katilinarische Vorgänge einzuschreiten. Der Vater des christlichen Schülers, der sich in so schöner und uneigennütziger Weise seiner verfolgten jüdischen Mitschüler angenommen, hat sich beim Minister beschwert. Diese Beschwerde hatte zur Folge, daß sowohl der Direktor, als auch der Inspektor an eine andere Anstalt versetzt wurden. Diese Strafe steht in gar keinem Verhältniß zu der groben Pflichtverletzung, die sich diese beiden Beamten haben zu Schulden kommen lassen. Was hat diese jungen Männer, die fast alle Söhne reicher Familien sind, die noch so wenig das Leben, seine Sorgen kennen, was hat diese jungen Männer dazu getrieben, ihre jüdischen Kameraden und die, die sich ihrer angenommen, haben, in so unerhörter Weise zu beleidigen und anzugreifen? Mit der Muttermilch saugen sie diese schmutzigen, mittelalterlichen Vorurtheile ein! Zur Zeit Shakespeares war in England kein einziger Jude. Was hat den genialsten englischen Dichter dazu bewegen können, uns in seinem „Kaufmann von Venedig" einen Shylock vorzuführen, um den Juden lächerlich und verächtlich zu machen? Er that es ganz instinktiv, ohne sich Rechenschaft von dem Unrecht abzulegen, das er einem ganzen Volke gegenüber beging. Man thue, was man wolle, der Jude wird verbrannt! Rußland. Libau, im Febr. Hierselbst hat sich eine dreißig Familien zählende Auswandererpartie, mit 200 Seelen, nach Argentinien eingeschifft. Die Auswanderer, welche größtentheils aus dem Gouvernement Grodno stammen, wurden von dem bekannten Kolonisten und ehemaligen Lehrer Kazowitsch ausgesucht, welcher bereits im vorigen Jahre eine größere Anzahl Emigranten aus Rußland nach Argentinien geführt hat. Die Auswanderer reisen auf eigene Rechnung und genießen nur die auf den Eisenbahnen und Dampfern für die unter dem Schutze der .Jewish Kolonisation Association reisenden Emigranten übliche Preisermäßigung. Rach erfolgter Ankunft in Vuenos-Aires werden sie jedoch auf Kosten der Jewish Kolonisation Association in Mosesville angesiedelt werden. Personalien. PirmasenS, 2. Febr. Rach kurzem, aber schwerem Krankenlager starb im 62. Lebensjahre die hier bei ihren Kindern auf Besuch und Erholung weilende Frau Sophie Badenheimer Wwe., geb. Kahn aus i Rastatt. Die Verstorbene war eine brave, biedere und * fromme Frau, die in den letzten Jahren von schweren Schicksalsfchlägen heimgesucht wurde. Unter großer Betheiligung wurde die Leiche zum Bahnhof geleitet, von wo aus sie nach Rastatt überführt wurde, um an der Seite ihres Gatten gebettet zu werden. St. Briefkasten ver Redaction. Herrn Prof. A. in Mährisch-G.: Wir hab.n Ihnen bereits an dieser Stelle gcaulworut, daß es n.ctit statthaft ist, in den L»hr- und Bcthäusern der Eullusgemeindc odne Erlaubniß des Ottsrabbrners. wie in-m.r geartete Vorträge zu halten. Unter dem Schutze von Talmud Thora darf die Autorität des Rabbiners nichi ausgcspiclt werecn Wenn der Betrcffci-dc ein ehrlicher min p ist. muß er das Rituale, welches ein solches Gehaben mit der gr ätzten.Entickncdrnhett v.rurtheilt. erst recht respcktiren; ,m du ptnn mrje Pi rnaro war id:>di tenrn aam m v? Vaipar -a. Wer öffentliche Vorträge hält, sich ui. der setzt, erklärt, oder gelehrt ohne Erlaubniß seines Rabbiners, ist ein npi^no - Stüter gegen seinen Rabbiner. Diese Ehrerbietung ist man jedem Rabbiner in seiner Gemeinde schuldig. Die wahrhafte Pflege der Thora wird auch jeder gesctzestreue Rabbiner gern fördern; zu persönlichen Ambitionen und Jntriguen gegen seine Autorität, braucht er aber fernen Lehrstuhl nicht mißbrauchen zu lassen. Wenn die Vereinigung blos lernen will, kann dies in einem Privatlokale geschehen. Der Vorstand hat ganz korrekt gehandelt, wenn er die Veranstaltung dieses „Lernens" im offiziellen Lehrhause untersagt bat. Der betreffende Rabbiner ist Zögling des Berliner Seminars und genießt den Ruf eines biedern, frommen Mannes. S. P. in B. Wurde noch nicht gezogen. S. R.: Wir bedauern, daß die von uns vorgenommenen Aenderungen an Ihrem Märchen „Die Sabbatlampe'. Ihren Intentionen nicht entsprochen haben, bei unseren Lesern hatte es in dieser Form großen Beifall. H. r Dankend einverstanden. I. Schwarz, Papa: Die angefragten Werke entsprechen unserer Tendenz. Sofer. H. in H.. Ein Freund der Wahrheit, Berlin: Wir danken Ihnen für Ihre anerkennenden Worte, wir haben aber über das Eindringen d s Scherlismus m die jüdische Fachpresse vorerst genug gebracht. Sie dürfen nicht vergesse,«, daß wir in unserem Stampfe ganz allein stehen, die übrige seriöse jüd. Publicistik dünkt sich woht zu ..vornehm" um unS in unserem Bemühen, das doch auch ihnen zu ante kommt, zu unterstützen Zweifellos ist daS Nachdrucken singirler Inserate strafbar. die Wiedergabe von Familiknnachcichten von Christen und getauften Juden hingegen in einem jüdischen Blatte lächerlich. Cydtkuhnen. Die hiesige Speditionsfirma D. S e gall, über deren so werthvolle Spedition von 3 Packete russischer Zobelselle zu den Krönungsfkierlichkeiren nach London wir jüngst berichteten, expedirle zu Ende der vorigen Woche wiederum ab Rußland 2 Kisten Bilder in Rahmen an das Comite der Internationalen Kunst-Lotterie in Haag (.Holland deren Erträgniß für die Burenkinder bestimmt ist Diese zwei Bildersendungen, im Gewichte von 1‘* und 2 Centnern sind ein russ. Privat-Geschenk.

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