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Der Israelit · 1902-02-24 · Heft 16 (24.2.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 16 (24.2.1902)
Date
1902-02-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jahrgang. . . . ' Wilage zu M 16 des „Israelit". Sollt« sich Mü in 'Scutfdjlani) iitin Hackmk. Kl Göcktiki ««l> Kr Llininoirthschost loiüivt«? Von A. M. Simon, Hannover. lZchlus; dem Hauptblatte.) Da die Lehrlinge in der Anstalt zu Ahlem die - nothwendigsten Grundlagen der Ländwirthschaft ebenfalls erlernen, um ein größeres Gut in genossenschaftlicher Weise später gemeinschaftlich bearbeiten zu können (namentlich, wenn erst unser Projekt, auf einem zu erwerbenden Gute einen Theil der Lehrlinge noch gründlicher in der Landwirthschaft auszubilden, ausgeführt ist) so würden alle Vorbedingungen für den gewünschten Erfolg erfüllt sein. Auf diese Weise wäre es möglich, ohne erhebliche Geldopfer einem großen Theile unserer Glaubensgenoffen eine Zukunft zu sichern, da die eingehenden Pachtsummen eine mäßige Verzinsung decken würden, und bei einem Verkauf der Kostenpreis selbstverständlicher Weise bezahlt werden müßte. Da die Anstalt in Ahlem es sich besonders angelegen sein läßt, die Lehrlinge vor allen Dingen im Obstbau gründlich auszubilden, so würde durch einen rationellen Obstbau nicht allein ihnen eine güte Zukunft gesichert, sondern es würoe auch dem Vaterlande ein großer Nutzen erwiesen, da der Obstbau in Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern, sehr im Rückstände ist; Deutschland importirt jährlich für Millionen Mark Obst, trotzdem non hervorragenden Pomologen bewiesen ist, daß unser Klima sich sehr gut für den Obstbau eignet. In jenen Ansiedelungen würden selbstverständlich auch andere jüdische Gärtner und Landwirthe, die nicht gerade in Ahlem ausgebildet sind, Aufnahme finden können, vorausgesetzt, daß ihre Leistungen sie dazu befähigen. Angesichts der Neuheit der ganzen Frage kann es nicht überraschen, daß noch die widersprechendsten Anschauungen und Uriheile über die Bedeutung. Pflege und Förderung der Landwirthschaft unter den Juden ausgesprochen werden. Die Einen geben sich einem allzu großen Optimismus hin, die Anderen können wiederum einem allzu großen Pessimismus sich nicht entziehen. Zwei Abhandlungen, die neuerdings über das in Frage stehende Thema erschienen sind, verdienen gerade wegen der entgegengesetzten Anschauungen, die sie vertreten, etwas eingehender besprochen zu werden. Die eine Abhandlung führt den Titel: „Die wirthschaftliche Lage der jüdischen Landbevölkerung im Großherzogthum Baden" von Alphons Blum; die andere ist enthalten in dem Juliheft der illustrirten Monatsschrift „Ost und West" und betitelt sich: „Jüdische Bauern auf deutschem Boden" von Dr. Ernst Tuch. Wir wenden uns zunächst der erstgenannten Broschüre zu und heben besonders das auf Seite 34 Gesagte hervor: „Der materielle Grund für die Abneigung der Juden gegen Handwerk und Landwirthschaft liegt darin, daß diese Beschäftigungen der spekulativen Qualität entbehren, also nicht vereigenschaftet sind, den Juden bei einem angeborenen Drange nach möglich reichem und raschen Erwerbe zu befriedigen." „Es sei deßhalb schon aus diesen, aus dem jüdischen Volkscharalter resultirenden Gründen, nicht anzunehmen, daß, wie manchmal betont wird, lediglich die Verbreitung des Handwerks und Ackerbaues oder nur des einen dieser zwei Berufe, geeignet sei und hinreiche, die wirthschaftliche Lage des Landjudenthums zu bessern." Nachdem dann noch behauptet wird, „daß dort,, wo der Jude die Landwirthschaft als Nebenberuf betreibt, er die erforderlichen Arbeiten meistens durch Beauftragte ausführen ließe," fährt der Verfasser fort: „Eine Lehre aber geht warnend aus den geschichtlichen Thatsachen hervor, die nämlich, daß es unzweckmäßig. wenn nicht kurzsichtig und verkehrt ist, eine Sanierung der Lage der jüdischen Landbevölkerung durch Schaffung eines jüdischen Bauernstandes bewirken zu wollen." Ganz im Gegensatz hierzu glaubt Dr. Ernst Tuch, General-Sekretär des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands, durch den vorgenannten Verein die erwachsenen Juden, also auch Familienväter, welche heute unter den trostlosen wirthschaftlichen und sozialen Verhältnissen in den großen Städten und unter den Einflüssen der antisemitischen Bewegung von Tag zu Tag mit größerer Sorge für sich und ihre Familie erfüllt werden, durch genossenschaftliche Ansiedelungen auf zu diesem Zwecke zu erwerbenden Gütern zu tüchtigen Bauern heranbilden zu können. Dr. Tuch meint, der erste Versuch, welcher mit solchen erwachsenen Personen auf einem jetzt anzukaufenden Gute gemacht werden soll, würde einen derartigen Beweis der Eignung der Heranwachsenden Jugend für die Landwirthschaft und zugleich der Rentabilität der letzteren liefern, daß sich Juden aus den Städten, also Hausirer, Kleinkaufleute etc. in Schaaren zur Ansiedelung bereit erklären würden. Er sagt dann noch wörtlich: „In allen Theilen Deutschlands werden jüdische Bauernkolonien erblühen. organisch wird dieser Bauernstandwachsen und wird erst zum Stillstand kommen, wenn alle Elemente von ihm angezogen sein

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