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Der Israelit · 1902-02-24 · Heft 16 (24.2.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 16 (24.2.1902)
Date
1902-02-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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371 „Und wenn sie sich nicht so verhielte — wann wird j „Ich könnte Ihnen erwiedern, daß Sie auch dieses sich das Herausstellen? — Einen Mann zu heirathen, I unter derselben Voraussetzung gegeben haben. Meiner der so und so lang in Hast gewesen ist — Ansicht nach jedoch war jenes Versprechen überhaupt „Wenn er unschuldig in Haft gewesen, so wäre das j kein Versprechen. So viel ich mich erinnere, glaube ich meiner Ansicht nach keine Schande —" ' gehört zu haben, daß Sie zu dem Sterbenden gesagt. „Ihr Standpunkt ist ein zu idealer. Jede Haft ist Sie wollten Alles thun, was er verlange, nur möge er eine Schande — und selbst wenn es sich nicht um meinen Sie nicht verlassen. Aber er hat Sie doch verlassen — Verlobten, wenn es sich nur um den Sohn meines jenes sog. Versprechen war daher von - Anfang an Onkels handeln würde—" 1 nichtig." „Wenn Ihnen dieses gar so schwer auf dem Herzen ( Jsabella drückte die Hand ihrer älteren Freundin liegt, so würde ich es nicht für unmöglich halten, daß an ihre Lippen. „Dank, innigen, herzinnigen Dank! Sie durch eine entsprechende Kaution vorläufig seine . Enthaftung bewirken könnten." 1 „Könnte ich das, dann würde ich mich dazu ver- * pflichtet halten, schon um meines Onkels willen, dessen! Namen der — der Unglückselige entweiht hat. — Aber ich bitte Sie, sagen Sie mir, was könnte ich thun, an! wen müßte ich mich wenden, um seine Befreiung zu erlangen?" „Jedenfalls müßten Sie sich zunächst an einen Advokaten wenden." „An welchen, bitte, sagen Sie es mir —" „Ich weiß in der That nicht, w en ich Ihnen am ' besten empfehlen könnte. Aber auf einenige Stunden kommt es doch nicht an. Warten wir. bis mein Sohn ' nach Hause kommt und gestatten Sie mir. mit ihm da-! rüber zu sprechen."! „Ja, bitte, sprechen Sie mit dem Herrn Doktor da- I rüber und lassen Sie mich gefälligst baldigst seine An-! wort wissen. Wenn ich sicher wäre, nicht zu stören, i würde ich hinauf kommen."! „Sie stören nicht, Kind, dessen können Sie verj sichert sein. Aber ich finde Sie heute zu aufgeregt —" „Und das nimmt Sie Wunder?" rief das junge « Mädchen in steigernder Erregtheit, „bedenken Sie doch um's Himmelswillen? Mein künftiger Gatte — ein Elender!" Frau Müller schüttelte den Kopf. „Wenn er in - Wirklichkeit ein Elender ist. so kann Sie doch Niemand zwingen, ihn als Ihren künftigen Gatten zu betrachten —" „Wie? Sie rathen mir, mit ihm zu brechen?" „Wenn es sich in Wirklichkeit so verhält, wie die Zeitung berichtet, dann rathe ich Ihnen allerdings zum Bruche." Jsabella athmete tief auf. „Aber mein Wort —" „Sie waren des Glaubens. Ihre Hand und Ihr Wort einem Ebrenmanne verpfändet zu haben — wenn er durch die geschilderte Niedertracht bewiesen hat, daß! er mit Nichten ein Ehrenmann ist, so hat Ihr Wort! keine bindende Kraft für Sie." Jsabella athmete abermals auf, der Ausdruck ihres lieblichen Angesichts war ein vollständiger anderer gej worden. „Aber das Versprechen, das ich meinem ster-; benden Onkel gegeben habe?" -- Sie haben eine schwer drückende Last mir vom Herzen genommen, jetzt bin ich vollkommen ruhig.". „Das habe ich vorausgesehen. Sie hatten das Ganze von einem falschen Standpunkte aus betrachtet, als ob Sie bereits unwiderruflich an Ihren Vetter gekettet wären." . „Ich habe es allerdings so aufgefaßt. Aber Sie haben mir die Augen geöffnet, das werde ich Ihnen nie vergessen. — Gott sei Dank! Ich bin noch frei! — frei' —Mit jugendlicher Lebhaftigkeit sprang sie aus und breitete die Arme gen Himmel. „Ah! wie hebt sich mir die Brust so leicht." Frau Müller nickte ihr lächelnd zu. „So sehe ich Cie lieber. Kind. — Aber wie ist es denn, wollen Sie sich für die Enthaftung Ihres Vetters bemühen?, event. für dieselbe eine nicht unbedeutende Kaution leisten?" „Gewiß, dazu halte ich mich verpflichtet, selbst wenn zu befürchten wäre, daß die Kaution verfallen könne. Dafür bin ich doch noch die Millionenbraut." „Ich glaube. Sie werden sich nicht mehr lange als solche betrachten, denn dem Anscheine nach ist Ihr Vetter keineswegs schuldlos verhaftet. — In unserer vor dem Mammon knienden Zeit wird der Sprößling einer der hervoragendsten Adelsfamilien, der Bräutigam einer Millionenbraut, nicht ohne die schwerwiegendsten Indizien verhaftet." „Ich halte ihn gleichfalls für schuldig, und — aber eigentlich ist es doch niederträchtig von mir, daß ich mich so froh, so leicht, so glücklich fühle. Finden Sie nicht, liebe Frau Müller, daß das niederträchtig von mir ist?" „Keineswegs, Ihr Frohünn hat vielmehr volle Berechtigung. Sie fühlen sich glücklich, daß Sie der Gefahr entgangen sind, während Ihres ganzen Lebens an einen Unwürdigen gefesselt zu sein." Jsabella nickte ihr glücklich lächelnd zu. „Sie. verstehen mich in Wirklichkeit weit besser, als ich mich selbst verstehe und Sie finden für meine Gefühle weit rascher als ich den richtigen Ausdruck. Wenn ich nur wüßte, wie ich meinen Dank Ihnen gegenüber bethätigen könnte —?" ‘ Es war gelungen. Gegen einen hohe Kaution war Herr von Rauhenstein vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden. Die verzweiflungsvolle Stimmung der ersten

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