Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-02-24 · Heft 16 (24.2.1902) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 16 (24.2.1902)
Date
1902-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449811--55419-2518062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

368 Nach Erledigung des geschäftlichen Theiles referirte Herr P e r i tz über den Hamburger Lehrerverbandstag. Redner rühmt den im ganzen harmonischen Verlauf der Tagung und die liebenswürdige Gastfreundschaft der Hamburger Kollegen; bedauert aber, daß die Verhandlungen selbst nur einen so geringen positiven Ertrag geliefert haben. Viele der zur Entscheidung gestellten Aufgaben waren weder durch Behandlung in den Vereinsversammlungen, noch durch Besprechung in den jüdischen Blättern genügend vorbereitet gewesen. Die Delegierten-Versammlung griff deßhalb öfter als sonst nöthig gewesen wäre, zu dem in solchen Fällen bequemen, aber praktisch wenig bedeutsamen Auskunftsmittel: der Kommifsionsverweisung. Der Verband müßte nothwendig danach streben, praltisch leistungsfähiger zu werden. In der folgenden Debatte wurde besonders das Rechtsverhältniß des Verbandes zur V. V. K. und die beabsichtigte Einrichtung einer Kantoren-Sektion innerhalb des Verbandes ausführlich besprochen. Das Kuratorium wurde als reine Verwaltungsbehörde des Verbandes bezeichnet, die der Kompetenz der Delegierien-Verfammlung und des Verbands-Vorstandes untersteht. In Sachen der Kantorensektion wurde bedauert, daß die bezüglichen Vorkehrungen nicht lebhafter betrieben würden. da von anderer Seite im entgegengesetzten Sinne gearbeitet werde. Für die nächste Vereinssttzung am 27. Februar wurde folgende Tagesordnung festgesetzt: 1) Herr Rabbiner Dr. Perles „Harnacks Auffassung vom Judenthum, 2) Herr Samuel „Zur Methodik des biblischen Geschichts-Unterrichts." P. Frankfurt a. M., 20. Febr. Zu dem Nachruf des sel. Herrn L. Hamburger ist noch nachträglich zu bemerken, daß derselbe im Jahre 1892 im ...Israelit" wie auch in der „Frankfurter Zeitung" bekannt machte, daß er an den berüchtigten Rohling ein Schreiben gerichtet. daß er sich verpflichte. 10,000 Ml. zu zahlen, wenn er (Rohlings oder jeder andere Antisemit, in irgend einem jüdischen Werke oder einer Schrift, etwas vom Gebot des „Vlutmordes" (Ritualmord) nachweist. Bis heute wurde noch kein Beweis erbracht und von Herrn Hamburger keine Zahlung verlangt. Hanau, 20. Febr. (Gründungsfeier und s i l b e r n e H o ch z e i t.) Am Donnerstag. 13. Febr., . waren es 25 Jahre seit Bestehen der Firma A b r. S ch w a b L E o., zugleich beging der Chef der Firma. Herr Samuel Schwab, im Verein mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Schon am Vorabend des Ehrentages wurde der Jubilar u. deffen Gemahlin in angenehmster Weise überrascht, indem die Kameraden der Freiwilligen. Feuerwehr der 3. Kompagnie mit ihrem Hauptmann, Herrn Chr. Fuchs und Stadtverordneten Herrn Jean Bailly erschienen waren, um im Verein mit aus Kameraden der Freiw. Feuerwehr, sowie der Turngemeinde gebildeten Sängern, nebst einem Theil der 166cr Negimentskapelle, den Jubilar abwechselnd mit Musik und Gesang ehrten. Zum Schluffe . brachte Herr Bailly mit kernigen Worten ein begeisternd aufgenommenes Hoch auf den Jubilar aus. Am Morgen des Festtages erschien eine Deputation der Freiw. Feuerwehr der 3. Kompagnie, Hauptmann Fuchs und Jean Bailly, wobei Letzterer als Sprecher für seine Kameraden Herrn Samuel Schwab, der auf eine 35jährige Thätigkeit als Mitglied der Freiw. Feuerwehr zurückblicken kann, beglückwünschte und als Anerkennung guter Kameradschaft und treuer Pflichterfüllung: „Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr'." die herzlichsten Wünsche seiner Kameraden in Form eines Blumenstraußes überbrachte. Aus dem großen Kreise der Freunde wurden dem Jubelpaare die denkbar schönsten Ehrungen zu Theil. Herr Samuel Schwab, einer unserer angesehensten und bescheidensten Mitbürger, welcher an allen sozialen Fragen regen Anthei! nimmt, trat 1877 in die zwei Jahre früher seitens des Herrn Abr. Schwab-Berlin gegründete Firma Abr. Schwab & Co., von da ab genannt, ein. welche er seit dem Jahre 1891 allein dirigirt. Er hat es verstanden, mit fester Hand und sicherem Blick aus kleinen Anfängen, allmählich mit zäher Ausdauer und nie ermüdendem Fleiße, es zu der jetzt im In- und Aus lande sich des ehrenvollsten Rufes erfreuenden Firma zu bringen. Wenn auch manchmal von Klippen gefährdet und von Wellenschlag umringt, der Kapitän hat sein Schiff muthig. auf Gottes Hilfe vertrauend, in den Hafen geführt. Möge es Herrn Samuel Schwab vergönnt sein, an der Seite seiner Gattin, im Kreise seiner Familie noch recht lange zum Nutzen- und Frommen Aller wirken zu können. (H. Az.) Würzburg. 7. Febr. Das hiesige „Journal" berichtet aus der Sitzung der Gemeindebevollmächtigten: Das Schächten solle den christlichen Metzgern im hiesigen Schlachthose verboten werden, beantragte G.-B. Frey im Gemeindekollegium. G.-B. Neckermann erklärte, die Metzger ließen sich keine Vorschriften machen, wie sie ihr Vieh schlachten sollten. Wenn der christliche Metzger nicht s ch ä ch t e n müßte, thäte er es nicht, übrigens tödte die Schußmaske auch nicht sofort; bei einem starken Thier müßten immer noch einige Schläae auf den Kopf gegeben werden, bis es tobt sei. G.-B. Dr. Stern betrachtet die Sache vom objektiven Standpunkt; es sei doch eigenthumlich, daß die Militärverwaltungen in Ansbach und Mainz nur Fleisch von gefchächteien Thieren zu Konservenfleisch nehme; das Schächten habe also auch seine Aortheile. G.-B. Hartmann betonte, man solle ein Gewerbe, das schon von allen Seiten gedrängt wurde, nicht noch mehr drängen, sondern den Antrag ablehnen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der G.-B. Bayer, Frey und Schubert abgelehnt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.