Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1902)
- Date
- 1902-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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367 Die Schwierigkeit, Gärtner unterzubringen, wird von Jahr zu Jahr geringer, werden, wenn erst einmal die in der Erziehungsanstalt in Ahlem ausgebildeten jungen Leute selbstständig geworden sind. Die daselbst gegründete Unterstützungskasse für frühere Zöglinge, sowie ein Verbandsorgan, wie es die jungen Ahlemer begründen wollen, und welches nach Bedarf und Umständen erscheinen soll, wird das Zusammengehörigkeitsgefühl fördern. - Von hochherzigen begüterten Glaubensgenoffen wurden in letzter Zeit verschiedentlich größere Summen für milde Zwecke hinierlassen., In einzelnen Fällen ist bezüglich dieser Stiftungen eine feste Bestimmung noch nicht getroffen worden. Große Verdienste würden sich die Personen, welche über die Verwendung solcher Hinterlassenschaften zu bestimmen haben, oder andere reiche Glaubensgenoffen, die schon bei ihren Lebzeiten sich über die segensreichen Folgen ihrer Stiftungen freuen wollen, erwerben, „wenn sie für eine zu bildende Centrale aller Vereine, die Handwerk und Bodenkultur unter den Juden fördern wollen, einen großen Fonds bestimmten. Aus diesem Fonds könnten, unter Wahrung der religiös-gesetzlichen Vorschriften, zu einem sehr niedrigen Zinsfuß Gelder an die einzelnen, in-den größeren Gemeinden bestehenden oder zu begründenden Vorschußkassen hergeliehen werden, ähnlich wie die Regierung den Raifeisenschen Kaffen derartige Darlehen gewährt. Die einzelnen Gemeinde-Kaffen müßten dann ihrerseits das Geld an fleißige Handwerker, Gärtner etc. zu niedrigen Zinsen herleihen. Die Zinsen, welche das große Stiftungslapital aufbringt, könnten dann gleichfalls zur Unterstützung fleißiger, arbeitsfähiger Personen verwandt werden. Um die tüchtigen jungen Leute, die nicht nur ihre Lehr-, sondern auch ihre Gehülfenzeit gut benutzt und etwas Ordentliches gelernt haben, selbstständig zu machen, ist es wünschenswerth, daß I) die Verwalterstellen an den jüdischen Friedhöfen ihnen übertragen werden, und daß 2) einige reichere Glaubensgenoffen die Gelegenheit benutzten, gut gelegene Landkomplexe, möglichst in der Nähe großer Städte, zu mäßigen Preisen anzukaufen, um sie später an tüchtige Gärtner oder Landwirthe in einzelnen Theilen zu verpachten oder in Parzellen zU verkaufen, oder aber diese letzteren im Ganzen auf eine Reihe von Jahren zu verpachten und durch Leute, die ihre gegenseitigen Leistungen kennen, gemeinschaftlich bearbeiten zu lassen. Vielleicht könnte einer derartigen Kooperativgesellschaft auch zu einem vorher festzusetzenden Preise unter günstigen Abzahlungsbedingungen das Kaufrecht eingeräumt werden. (Lchlub folgt in der'-Beilage.) Zeitungsnachrichten und borrespondenzett. Deutschland. Berlin, 20. Febr. Die Aktien - Gesellschaft ' „Deutsche Palästina-Bant" bereitet sich darauf vor, ihren Betrieb erheblich zu vergrößern. Dieselbe wurde im Mai 1899 gegründet und hat während dieser Zeit mit gutem Erfolge gearbeitet. Zwar konnte sie im ersten Jahr auf das Kapital von 450,000 Mk. keine Dividende verthcilen, aber schon im Jahre 1900 kamen 5 pCt. zur Vertheilung, und in diesem Jahr wird die gleiche Dividende zur Vertheilung gelangen. Da das bisherige Kapital für den vergrößerten Betrieb nicht mehr ausreichen dürfte, wird die Deutsche Palästinabank ihr Kapital auf eine Million erhöhen. Der Prospekt über die Chancen dieses Unternehmens sagt: Die „Deutsche Palästinabank" ist das einzige deutsche Bankunternehmen im Orient; ihr Tätigkeitsgebiet ist aussichtsreich. Der Geldverkehr Palästinas ist schon lvegen der zahlreichen religiösen Institutionen und Stiftungen aller Konfessionen verhältnißmäßig bedeutend. Ebenso beträchtlich ist der Handelsverkehr des theilweise sehr ' fruchtbaren Landes. Die Ausfuhr umfaßt hauptsächlich Landesprodukte, nämlich Orangen, Gerste, Sesam, Oel und Wein, die Einfuhr europäischer Erzeugnisse aller Art, wobei der Antheil Deutschlands noch bedeu- - tend gesteigert werden kann. Die Zahl der ansässigen. Deutschen ist nicht unbedeutend; z. B. sind hervorzuheben die Kolonien der Templergemeinde, meist Württemberger, die gutes Fortkommn als Winzer, Landwirthe, Kaufleute und Fuhrunternehmer finden und zu'den loyalsten und nütz- '■ lichsten Einwohnern des Landes zählen. Palästina mutz in Zukunft eine hohe wirthschaftliche Bedeutung ge- ' winnen, sobald die Bagdadbahn das reiche Mesopota- - mien, sein seit Jahrtausenden vernachlässigtes, natür- ' liches Hinterland wieder zu einer normalen Kultur- und Produktionsstufe gehoben haben wird. Königsberg i. Pr., im Febr. Der „Verein jüd. Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg i. Pr." hielt am 10. Febr., unter Vetheiligung aller Mitglieder, Hierselbst seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Vogelstein, - eröffnete die Sitzung mit einer ausführlichen Besprechung der Ziele und Zwecke des neuen Vereines, der? bestimmt ist, sowohl den praktischen Aufgaben der jüd. Schule, wie der wissenschaftlichen Fortbildung seiner Mitglieder zu dienen. . / Die Versammlung vereinbart die Arbeitsthätigkeit? des Vereins und erledigt einige sonstige geschäftliche-^- Angelegenheiten. ' Es wird die Einrichtung' einer ~ Journalmappe mit pädagogischen und jüdisch-wissenschaftlichen Zeitschriften beschlossen. . '