Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1902)
- Date
- 1902-02-20
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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363 häusliche und Familienpflichten. Im letzten Drittel endlich trage man Morallehren vor. die zur wahren Gottesfurcht hinleiten, etwa Abhandlungen autz dem Buche Chowas Hal'wowaus, Reschit Chochma I u. a. Nicht aber wolle man dabei seine Weisheit und j Geistesschärfe bewundern lassen, das wäre unlöblich! und der heiligen Sache unwürdig. Wer andere? schmücken möchte, muß das zuvor bei sich selbst vollj führen." (Kizzur Scheloh.) Diese Anweisung des j berühmten Werkes entspricht so ziemlich der Mahnung, j welche der Talmud jedem Israeliten ertheilt: j «12:2 Es ist bekannt, daß .{ auch hier wieder ein Unterschied gemacht wird in der j Bewerthung der einzelnen Theile: n:vzh p an dt.j6 j K*!on |*o in'% der mehr auf die religiöse Praxis hini . leitenden Mischnah möge man eifriger nachgehen. Im j großen Ganzen dürfte man dem er st gezeichneten j Wege folgen und die Dreitheilung wählen:! 1) Schriftauslegung. 2) Praktische Religionsvor- | schriften. 3) Moralische und erbauliche Abhandlungen.! (Agada und Musar.) Der dritte. Theil soll jedoch! enge mit den beiden ersten verbunden bleiben.; War doch die Agada durch ihre Gleichnisse, sinnige; Deutungen, Erzählungen und Parabeln, volksthümi licher, beliebter. In Sotah 40 b wird uns berichtet: R. Abahu und R. Chia der Sohn Abas kamen nach einer Stadt. R. Chia trug dem Volke einfache Schriftauslegung vor. R. Abahu dagegen verbreitete sich über j die Agada. Da fand ersterer nur wenige Zuhörer. 1 Alle umstanden R. Abahu. Als R. Chia darob verdrießlich ward, sagte sein Freund zu ihm: „Du verj kaufst Edelsteine und Perlen, die nicht jeder sich anzu- [ schaffen vermag. Ich dagegen biete kleine Nadeln und! . Kurzwaaren. Bei wem werden sich wohl mehr Käufer! einsinden? Gewiß bei mir! Dennoch ist Dein Vortrag j besser, gehaltvoller, lehrreicher." Diese Unterhaltung j zwischen zwei Lehrern der talmudischen Zeit soll uns j heute noch ein Wink sein. Schöne sinnige Erj zählungen hört man auch heute noch gern, sie fesseln die! Zuhörer. Darum möge Agada und Musar — - wie oben erwähnt — neben dem ersten und z w eite n T h e i l einhergehen.! Fassen wir zunächst den ersten Theil in's Auge: j die Schriftauslegung. In den Pirke Abot lesen wir! das Wort: mpob trcn p. Von altersher ist somit; dieser Weg als der elementarste gekennzeichnet worden, j Er ist wohl auch für jeden Lehrer und für alle Zuhörer j der gangbarste. Ja. es war die ursprünglichste Form j der Belehrung an Israel zu der Zeit, als die Tradition | noch wirklich mündliche Lehre war, also vor der Abi faffung der Mischnah. Man nahm die Thorarolle und sprach über den Inhalt zum Volke, oder zu den Schülern. Und sollen denn ganz grundlos unsere Weisen den Pentateuch auf die einzelnen Sabbate des Jahres vertheilt haben? Es ist somit durch den Wochenabschnitt uns ein festes Programm, ein Lektionsplan für das ganze Jahr hindurch an die Hand gegeben. (Fortsetzung folgt.) MM,,;.' _ I |j i, _ | "p M. in miB ib Lttersrifche Notiz „Kleiner Weinberg." „Exhorten beim Jugendgottesdienst," so betitelt der durch seine schriftstellerische Thätigkeit vortheilhaft bekannte Literat, Rabbiner Dr. Ad. F r a n k l - G r ü n in K r e m s i e r , sein neuestes Werk. Kommissionsverlag: I. Kauffmann in Frankfurt a. M. Nach einer objektiven Beurtheilung des anregenden, hochspannenden Buches, muß jeder Unbefangene zu dem Schlüsse kommen, daß der gelehrte Verfasser zu jenen Religionslehrern gezählt werden kann, welche es richtig erkannt und anerkannt haben, daß namentlich der jüdische Religionslehrer sich nicht darauf be-. schränken darf, die Religion blos zu lehren; vielmehr eifrig bestrebt sein muß, seinen Schülern einen echten und rechten religiösen Lebenswandel anzuerziehen und anzugewöhnen. Dazu gehören vorzugsweise gewissenhaft durchzuführende religiöse Hebungen. Wenn nun die Weihe der allsabatlichen Jugendgottesdienste erhöht wird durch begeisternde Ansprachen, in welchen der Ju- > gend unsere heroischen Geistes- und Glaubenshelden aller Zeiten und Verhältnisse als Muster und Vorbilder. vorgeführt, Citate aus Bibel, Talmud, Midrasch und überhaupt aus der großen Schatzkammer unserer reichen, unübertroffen herrlichen jüdischen Litteratur sinnreich ausgelegt und die aus denselben hervorgehenden Lehren für das praktische Leben unserer Zeit weise angewendet werden, daß diese auf die empfängliche Jugend glaubenskräftigend, seelenstärkend, herzerhebend und gemüthveredelnd wirken müssen, und überdies das gesprochene Wort zur lebendigen That wird, durch die tiefinnere Ueberzeugungstreue und von Herzen kommende und zu Herzen dringende Weise, mit welcher es vorgetragen wird, dann kann mit Recht erhofft werden, daß die heranwachende jüdische Jugend von frommerer Gesinnung und von wärmerer Glaubensliebe durchdrungen sein wird, als wir dies seit der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wahrnehmen mutzten. Die Exhorten Dr. Frankl-Grün's durchzieht wie ein rother Faden ein frischer, lebendiger, echt religiöser, unfern erhabenen Glauben verherrlichender, und tvas die Hauptsache ist, zur Bethätigung unserer Glaubenssatzungen feurig anregender und anleitender Geist, welche daher — abgesehen ihres nicht zu unterschätzenden reichen Inhaltes — Jugendbildnern, angehenden Religonslehrern. als Muster nicht warm genug empfohlen werden können. Das nach seinem inneren Werthe und Gehalte reichliche, verhältnißmäßig aber kleine, nur 89 Oktavseiten umfassende Werkchen verdiente wohl, 0*13 „Großer Weinberg" genannt zu werden, und ist sein l Name „Kleiner Weinberg" dem Umstande zuzuschrei- ' ben, daß der Verfasser mit der Benennung- *rjn'oi3 die Sinonymie mit der Benennung seines Amtssitzes, der Stadt und Gemeinde „Krem—siet" verewigen wollte. / . Straßnitz im Adar I 5662. F.