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Der Israelit · 1902-02-20 · Heft 15 (20.2.1902) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 15 (20.2.1902)
Date
1902-02-20
Page
– (sequence 26)
Language
German
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358 ein Haus gekauft und Bet Jahacob genannt, Haus Zatobs, nach Jacob Tirado, einem der Stifter und anspielend auf den Namen des Volkes. Schon 1597 wurde Gottesdienst darin gehalten. Alle diese Juden waren Portugiesen. 1602 und 1603 kamen auch Juden aus Spanien nach Emden. Der dortige Rabbiner — Uri Halevi — sandte sie nach Amsterdam und kam dann dorthin, um ihre Kinder zu beschneiden. Die Amsterdamer Regierung fürchtete jedoch die spanischen Juden; eS könnten sich leicht Spione darunter befinden, die ihrem früheren Vaterlande dienen wollten. Doch wurde ihnen der Aufenthalt nicht verweigert; im Gegentheil, auch sie erhielten die Erlaubniß, eine Synagoge zu bauen, welche das „Haus des Vaters" genannt wurde. 1604 siedelten einige Juden aus Amsterdam nach Hamburg über, andere nach Dänemark, später nach England; jedoch alle Niederlassungen betrachteten sich auch ferner als Kolonien der Amsterdamer Gemeinde, wodurch dieselbe der Mittelpunkt der im Norden und Westen zerstreuten Israeliten wurde. Wahrend des Streites zwischen den Remonstranten und Contra Remonstranten wurde die Frage über die freie Ausübung deS Gottesdienstes wieder erörtert. Man konnte doch den Juden nicht erlauben, was man den Remonstranten verbot. Letztere unterließen nicht, Bittschriften u. a. an Prinz Maurits einzureichen, worin auf diese Contradiction hingewiesen wurde. Die Folgen waren, daß im Jahre 1619 ein Reglement für die hebräische Nation durch die Staaten von Holland angenommen wurde, welches von Reimer Pamo, Bürgermeister von Amsterdam und Hugo de Groot, Pensionares von Rotterdam, abgefaßt wurde. Nach diesem. Reglement sollte jedes Mitglied der Staaten (die Mitglieder der Staaten waren u. A. achtzehn Städte), ebenso wie Amsterdam, seine Meinung abgeben in Betreff der jüdischen Nation, und demnach sollten die Städte die freie Wahl haben, den Juden wohl oder nicht zu gestatten, Andachtsübungen zu halten. Die Frage von Unterscheidungszeichen durfte nicht gestellt werden, wie es viele Päpste und Kirchenversammlungen verlangten oder, wie im Jahre 1713 Friedrich Wilhelm II. von Preußen den Juden einen grünen Hut zu tragen befahl. (In Engmußte ein solcher in gelblicher Farbe getragen werden.) In Amsterdam siedelten sich die Juden in einem Stadttheil an, wo 1566 und 1667 die Anhänger der neuen Lehre zusammen kamen. So wurde dann den Juden vollständige Gottesdienst-Freiheit. 1602 kauften sie einen.Friedhof in Groede (Nord-Holland) und 1606 überließ ihnen Amsterdam einen solchen in Anderkerk an der Amstrl mit der Verpflichtung eines Geldbeitrages für diejenigen Kirchen, an welchen ein Leichenbegängniß vorbeiging. 1721 wurde jedoch diese Verordnung wieder aufgehoben. - AlS im Jahre 1648 der Friede mit Spanien geschloffen wurde, meinten die Generalstaaten, daß Artikel 4 (das ungestörte Verbleiben und gegenseitige Handeltreiben) auch für den Juden anwendbar sei. Die Spanier erlaubten das Letztere wohl, aber nicht dar Erstere; die Juden konnten sich dort repräsentiren lassen. Welche Beschwerden auch eingebracht wurden, Spanien beharrte auf seinem Standpunkte. Da faßten die Staaten von Holland und die Generalstaaten 1653 einen wichtigen Entschluß: sie erklärten die Juden ausdrücklich zu Nnterthanen der Staaten, weßhalb Artikel 4 auf sie anwendbar war. Doch in Spanien ließ man sich nicht erbitten. Als Cromwell in England die Regierung antrat, glaubten die Juden auch England für sich geöffnet, und als 1664 zwischen den Staaten und England Friede geschlossen wurde, begrüßten die Juden in gefälliger Weise den britischen Gesandten in ihrer vornehmsten Synagoge mit Musik. Die Unterhandlungen mit Cromwell hatten aber — doch nicht durch dessen Zuthun — kein günstiges Resultat. Erst ein Jahrzehnt später wurden sie auch in England zugelaffen. Daher darf Amsterdam die Metropole der Juden vom nordischen Europa genannt werden. Die Gastfreundschaft, welche man ihnen erzeigte, haben sich durch treue Anhänglichkeit an ihr Fürstenhaus vergolten, wovon unsere Geschichte so manches treffende Beispiel anführt. In den Jahren 1615—1616 kamen hier die ersten deutschen Juden an. Diese waren in vielen deutschen Städten oft den feindlichen Anfällen der Bürger ausgesegt, die sich durch sie in ihrem Erwerb benachtheiligt glaubten. In den freien Reichsstädten, wo die Bürger die Verwaltung hatten, traten Judenverfolgungen sehr oft zu Tage und so kamen die Verfolgten wie von selbst dazu, das klassische Land der Freiheit aufzusuchen. Doch wurden sie keineswegs von den aristokratischen Portugiesen als ihres Gleichen behandelt, von denen ja viele adelige Titel besaßen. Die deutschen Juden brachten nichts mit. als ihre Armuth; weder Geld, noch Handelsbeziehungen. Außerdem hatte man hier auch mehr Sympathie für die Südländer, weil diese, wie man sich sagte, der Glaubensverfolgung zu entgehen hierher kamen, während die deutschen Juden oft nur aus materiellen Gründen hierher kamen. 1648, das Jahr, in welchem die Religionskriege beendet waren, brachte auch hierin den Verfolgten eine Aenderung, doch hauptsächlich auch durch die Uebersiedlung der polnischen Juden, die 1653 der Verfolgung der Russen entflohen. 1656 kamen 3000 dieser Flüchtlinge auf einigen Schiffen auf Tessel an; sie zogen nach Amsterdam und' bauten eine besondere Synagoge. Da sie bemittelt waren, belästigte man sie nicht, um den Handel zu begünstigen. 1673, als sie der Landessprache genügend mächtig waren, wurden ihnen die besonderen Versammlungen untersagt und vereinigten sie sich mit de» deutschen Juden. Wir können uns vorstellen, wie begabte Israeliten unter dem Eindrücke der wiedererlang-

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