Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1902)
- Date
- 1902-02-20
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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369! ten Freiheit, in den ersten Jahren ihres hiesigen Aufenthalts ihrer Freude in Dichterklängen Ausdruck gaben, woraus innige Frömmigkeit und tiefes Gefühl sprechen. Unter Anderen David Jeschurun: Dir die Ehre, o heiliger, heiliger Gott Allmächtiger Herr Zebaoth! Auf diesem Lobsang bleibt meine Seele bauen. Nun mir's, von Sturm und Schiffbruch unversehrt. Gegönnt war, selbst das Amsterdam zu schauen. Das Mißgeschick und Feinde stolz trotzirt. Mein Geist erfährt, daß, wer mit voll' Vertrauen Auf Dich sein' Hoffnung setzt und Dich ehrt. Dich nicht umsonst wird suchen, lver gerecht ist Und die Bahn der Tugend stets nur wandelt. Den heißt Du gnädig Deinem Schuhe werth: Er ist es, der auf richt'gem Weg Dich führt. Und Abraham ben Jsaac: Preiset Gott laut im Liederkranze, Ihm, dessen Hand die Stolzen trifft, Doch die Leidenden erhebt, ihnen Gedeihen und Segen gibt, Wie ein Garten im Frühlingsglanze. Lobet den Herrn, der ewig bleibt. MchwalsMie Mifckre Kolonie in Kai-fevg-fa. Der auf der Rückreise nach Peking stattgefundene Aufenthalt des Hofes in Kai-feng-fu hat die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Stadt gelenkt und der Presse Veranlassung gegeben, kürzere oder längere Beschreibungen von ihr zu veröffentlichen. Daß in diesen auch der Existenz einer jüdischen Kolonie Erwähnung gethan wird, liegt auf der Hand. Da drängen sich denn fast von selbst die Fragen auf: Wann sind die Nachkommen Israels nach dem fernen Osten gekommen? Welchen Weg sind, sie gezogen? Weßhalb haben sie ihre alten Wohnsitze verlassen? Welcher Art war ihre Stellung in dem abgelegenen Theile Chinas? Haben sie ihre geheiligten Bücher, ihre alte Lehre und ihre Sitten bewahrt? Gibt es heute noch Juden in Kai-feng-fu? Haben sie ihre Synagoge noch? u. s. w. Das ist eine ganze Anzahl von Fragen, deren Beantwortung von Interesse ist. Von mehr als einem Gesichtspunkte ist ihre Stellung durchaus berechtigt. Eine Antwort auf zwei dieser Fragen finden wir, soweit eine solche unter den heutigen Verhältnissen überhaupt möglich ist, in der soeben veröffentlichten „Variete Sinologique Nr. 17." In diesem Buche hat der P. Tobar zunächst alles das zusammengcfaßt, was früher schon über diesen Gegenstand gesagt worden ist. und zwar zum Theil durch die alten Missionare, wie z. B. die Patres Gozani, Gaubiel, Domenge, Koegler, Cibot u. s. w., und zum Theil auch durch neuere Forscher, wie James Finn, die protestantische Mission von 2860 nach Kai-fen-fu, W. A. P. Martin. M. H. Gordier, Liebermann, Terrien de Lacouperie, A. Glover u. a. In Bezug auf Alles, was von diesen Forschern bereits mitgetheilt ist, verweist Pater Tobar den Leser auf jene Quellen, aus denen er das schöpfen kann, was er zu wissen wünscht. Wenn der Verfasser selbst über mannigfaltige Fragen keine eigenen Ansichten ausspricht, so geschieht das offenbar nicht, weil ihm die dazu nöthigen Kenntnisse fehlen, sondern weil er sich bescheidener Weise im Hintergründe hält. Dagegen veröffentlicht er den authentischen Text dreier Inschriften, die er auf Stein gefunden hat und von denen er genaue Abdrücke hergestellt hat, die nachher durch Photolithographie vervielfältigt worden sind. Die Uebersetzung ist die denkbar genaueste. Das, was Pater Tobar durch eigene Anschauung oder durch Studium festgestellt hat, benutzt er dann zu einer Beschreibung der Synagoge, deren genauen Plan er in dem Buche niederlegt. Ebenso unterwirft er eine Anzahl Fragen, die bisher strittig waren, so über die Ankunft der Juden in China, über ihren Pentateuch, sowie einige ihrer anderen heiligen Bücher, die in Kai-feng-fu gefunden worden sind, einer eingehenden Kritik. Die Arbeit schließt mit einer Besprechung der Inschriften. In dem Umstande, daß Pater Tobar den echten Text der Inschriften wiederzugeben im Stande ist, besteht der Hauptwerth seiner Arbeit. Diese waren früher selbst nicht bekannt. Die alten Missionare hatten nur sehr zusammengedrängte Auszüge angefertigt, und die chinesische Mission, die Smith im Jahre 1850 nach Kai-fen-fu sandte, nur ganz unvollständige und unrichtige Abschriften mitgebracht. Die Folge davon war, daß die bisher als zuverlässig geltende Uebersetzung des bekannten Sinologen Dr. Medhurst sich als falsch erweist. Trotz aller Sorgfältigkeit, die Pater Tobar auf seine ziemlich umfangreiche Arbeit verwendet hat, haften doch auch dieser einige Unvollkommenheilen an, von denen verschiedene bereits in Zeitschriften angedeutet worden sind. Fraglos aber handelt es sich, bei allen diesen um weniger bedeutsame Details. Wie wir hören, liegt Pater Tobar daran, möglichst mit allen denen in Verbindung zu kommen, die ihm neue Aufschlüsse über die jüdische Kolonie in Kai-feng-fu zu