Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1902)
- Date
- 1902-02-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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334 mit einem Buchhändler in Verbindung zu sehen. Noch mehr widerstrebt es ihnen, durch Inserate, Reklamen und Anpreisungen jeder Art für ihre Werke Propaganda zu machen. Die Verfasser nehmen zumeist ihre Werke in Selbstverlag und vertrauen ihrem inneren wahren Werth, daß es sich auch ohne alle moderne Agitationsmittel Bahn brechen werde. Dieses Vertrauen bewährt sich jedoch nur in seltenen Fällen. Wohl dringt die Wahrheit am Ende siegreich durch, aber sie nimmt sich Zeit dazu, so daß die meisten Autoren diesen Sieg nicht mehr erleben. Durch die verhältnißmäßig billigeren Druck losten im Vergleich zu früheren Zeiten werden auch viele Bücher gedruckt, die nicht immer erstklasiige Geistesprodukte enthalten. Unter den zahlreichen Produktionen, das Korn von der Spreu gewissenhaft zu scheiden, erfordert bei der Menge neu erscheinender Schriften, eine fortgesetzte Thätigkeit, die nicht nur einen großen Theil von Zeit und Muße beansprucht, sondern auch nur auf Kosten des normalen, täglichen Thorastudiums möglich ist, zu dem wir Alle verpflichtet sind. - Diese und ähnliche Erwägungen haben in unserer druckseligen Zeit eine gewisse Zurückhaltung und Skepsis neuen Publikationen gegenüber zur natürlichen Folge, die auch mich davon zurückgehalten hätten, einen prüfenden Blick auf den in Rede stehenden Probebogen zu werfen, wenn der Herausgeber nicht die Freundlichkeit gehabt hatte, mir durch briefliche Aufforderung das Studium des Vogens nahe zu legen. Der Herausgeber ist Herr Rabb. Tob. Fischer in S a r v a r (Vas m. Ungarn). Es handelt sich um ein posthumes Werk seines Onkels fnan "mv fns rnn xV •UUycNBI p*p"! T2K i>'N. Der erste Vogen enthält die Erklärung des ersten Psalms, ohne sie vollständig zu Ende zu führen. Auf der einen Seite des Textes ist der Commentar von Raschi und auf der anderen der.des Verfassers, der den Namen rare npto führt. Er hat hier zunächst den Eharakter einer Einleitung zu dem Buche der Psalmen, eine Darstellung seiner Eigenart, seiner Beziehungen zu den '«Dm ntfön, an der Hand von Aussprüchen unserer rcx t:r aus Talmud und Midrasch, der sich dann die Texterklärung jedes einzelnen Wortes, ja jeder einzelnen Nüance, sowie - des ganzen einheitlichen Zusammenhangs anschließt. Jede Zeile zeigt die Belesenheit. die Gründlichkeit, den weiten Blick und den feinen Takt des Verfassers, getragen von einer leichten, schlichten svstematisch geordneten Art der Darstellung in einer Weise, die demjenigen, der sich in das Studium des Ganzen vertieft, geradezu einen Ausruf freudigen Erstaunens abringt. Meine Sehnsucht nach dem Werke selbst, das diese Probe geweckt hatte, wurde jetzt durch Empfang des nunmehr erschienenen ersten Theiles befriedigt. Derselbe umfaßt in siebzehn Bogen die Erklärung der 20 ersten Psalmen, des pemi mH L'tznn. Nachdem die eingehende Darstellung des ersten Psalms in dem Probebogen die Möglichkeit jeder weiteren Zuthat auszuschließen scheint, folgt in dem folgenden Bogen nichtsdestoweniger eine neue Erklärung des Psalms. Während der Psalm nach der ersten Erläuterung das Wesen des vollendeten Gottesdienstes zum Gegenstand hat. überrascht uns die zweite als ein gedrängtes Compendium der rechten Art und Weise des Thorastudiums. Und nun reiht sich diesen beiden Darstellungen noch eine dritte an, welche, von jeder individuellen Auffassung absehend, sich an die nationale Bedeutung des ersten Psalmwortes lehnt; alles im Anschluß an die hierhergehörigen Aussprüche der Weisen im Talmud und Midrasch. Aber damit begnügte sich dieser Commentar noch nicht. Am Fußende, unter dem Strich, folgt auf jeder Seite noch ein zweiter Commentar unter dem Titel: w ntrvc der nicht so sehr die Darstellung jedes einzelnen Psalms in seinem Zusammenhang. als die sich daran anschließenden einzelnen agadischen Aussprüche der Weisen besonders zum Gegenstand hat. So geht es durch das ganze Buch mit einer erschöpfenden Tiefgründlichkeit und genialer Vielseitigkeit, die mit jedem Schritt vorwärts zu wachsen scheint. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß alle bisherigen Eommentare der Psalmen dem Verfasser geläufig sind und allenthalben Berücksichtigung finden; besonders gilt dies von -tri und p*-n Aber die originelle Auffassung und Erklärungsweise, die nichts in das Wort hineinträgt und nichts dem Text unterlegt, sondern eine unerschöpfliche Fülle von Gedanken und Wahrheiten ungesucht darin findet und sie daraus ungezwungen entwickelt, sichern dem Werke einen Werth, in dem es von wenigen anderen Schriften dieser Art übertroffen wird. Das Staunen über diesen ungeahnten Geistesschatz. dessen Hebung wir dem verdienstvollen Herausgeber verdanken, erreicht seinen Höhepunkt durch die in ver Vorrede gemachte Mittheilung, daß sich von demselben Verfasser ein derartiger Commentar handschriftlich vorfindet, der mit dem ersten Verse der Thora in mrx"i2 beginnt und mit dem letzten Verse in LD'Tr endet! Dieser Commentar umfaßt zehn große Foliobände, von welchen jeder einzelne den äußeren Umfang eines gewöhnlichen Talmudbandes hat! Der Verfasser hat dieses Riesenwerk, wie er in einem Schlußworte beifügt, an seinem 70. Geburtstage vollendet und bittet Gott um Beistand, auch seine übrigen begonnenen halachischen und agadischen Merke zum Abschluß zu bringen. Dazu gehört eine Erklärung der nmrr pie und eine nach Hunderten zählende Sammlung von rsan-T, auf welche in dem gedruckt vorliegenden Commentar wiederholt verwiesen wird.