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Der Israelit · 1902-02-17 · Heft 14 (17.2.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 14 (17.2.1902)
Date
1902-02-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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330 Am 29. Dezember gab die öffentliche Meinung ..vom Lande" folgende Erklärung ab: „In Nr. 1168 gibt der Präsident des isr. Konsistoriums des Unterelsaß. Dr. Lewy, zu,, daß die in der Plenarsitzung der drei isr. Konsistorien von Elsaß- Lothringen gefaßten Beschlüffe die Israeliten des Reichslandes interesiiren. stellt diesen Interessenten aber anheim., sich an ihre resp. Konsistorien-Präsidenten oder -Oberrabbiner zu wenden, wenn sie etwas Näheres erfahren wollen. Zwischen der Bekanntgabe an „die große Oeffentlrchteit" und diesem etwas summarischen Bescheide dürfte es doch den Mittelweg eines Circulars an die Gemeinden geben. Eine solche Betannigabe an die „Interessenten" dürfte sich auch vom Standpunkte der Konsistorien aus dringend empfehlen. Seit jener Plenarsitzung werden überall die abenteuerlichsten Gerüchte über den Berlauf derselben, sowie deren die Theilnehmer selbst enttäuschenden Ausgang lolportirt. Eine Bekanntgabe im angedeuteten Nahmen würde nach unserer Ansicht aufklarend und beruhigend wirken und zur Erhaltung des Prestiges der Konsistorien beitragen." * In ähnliche: Weise verlieh am 30. Dezember ...Ein unabhängiger Wähler" der diesbezüglichen öffentlichen Meinung Ausdruck: „Mit den Ausführungen des Herrn Präsidenten des israelitischen Konsistoriums kann man sich insoweit einverstanden erklären, daß innere Kultusangelegenheiten, wie z. V. Verbesserung des Religionsunterrichts n. f. w., nicht zu Besprechungen in öffentlichen Blattern geeignet sind. Wenn aber in einem Konsistorium so unerquickliche Zustände herrschen, daß von fünf gewählten Mitgliedern drei ihr Mandat niederlegen. so dürfen dennoch die israelitischen Wähler des Bezirks ohne Verzug hiervon unterrichtet werden. Es wirft sich unwillkürlich die Frage, auf, warum denn diese drei Mit- . glieder. welche in der vorjährigen Wahl mit einer so großen Majorität in das Konsistorium berufen wurden, so plötzlich die Flinte in's Korn werfen? Diese Mitglieder müssen doch davon überzeugt sein, daß sie das ganze Vertrauen ihrer Wähler genießen! Es muß daher die dringende Bitte an sie gerichtet werden, die Gründe ihrer Kollektiv-Demission bekannt zu machen, sei es in einer öffentlichen Wählerversammlung, oder vermittelst der Presse. Denn nur nach vollständiger Klarlegung können dir Wähler zu dieser Demission Stellung nehmen und gleichzeitig. Vorsorge treffen, daß für die Folge ihren Vertrauensmännern die Ausübung ihres Mandats ermöglicht wird." y' Jnzwischen bemächtigte sich auch die „Hagenauer Zeitung" dieser öffentlichen Meinung, indem sie am 27. Dezember Folgendes schreibt: „Wie verlautet, haben drei Mitglieder des Isr. Konsistoriums des Unterelsaß ihre Demission gegeben. Ueber die Gründe dieses Rücktrittes lveitz man bisher nichts Bestimmtes. Man sieht diese drei Herren ungern scheiden. Auf ihre Fahne hatten sie Gerechtigkeit und' Frieden geschrieben. Besonders Herr Moch-Hagenau verstand es, manchen Zwiespalt und manche Uneinigkeit in den israelitischen Gemeinden der Kreise Hagenau und Weißenburg auf gütlichem Wege beizulegen. Zur Zeit zählt das Konsistorium nur zwei gewählte Mitglieder: Dr. Lewy. Arzt in Straßburg. Präsident, und Julius Klein in Bischheim. Stimme im Konsistorium bat auch der jeweilige Öberrabbiner. zur Zeit Oberrabbiner Ury. Straßburg. Falls die bis jetzt noch völlig räthselhafte Demission der drei Mitglieder angenommen wird, findet nächstens Neuwahl statt." - Hierauf gibt die Straßburger „Bürgerzeitung" am 31. Dezember folgende bemerkenswerte Antwort: „Es ist bedauerlich, wenn man sieht, daß nur bei einer Neuwahl — die jetzt hoffentlich Kattfinden wird — die Fahne, auf welcher „Gerechtigkeit und Frieden" geschrieben steht, gehißt wird. Der Schreiber obigen Artitels hat wahrscheinlich — und das nicht mit Unrecht — das Gefühl, daß die Worte auf dieser Fahne verblaßt sind und will sie den Wählern wieder neu auf malen. Hoffentlich nicht mit dem Hintergedanken, daß er sie nach der Wahl seiner drei Kandidaten schleunigst wieder versteckt. Ueberhaupt scheinen schöne Worte, die aber nicht alle gehalten worden, den ganzen Zwist hervorgeruftn zu haben. Die nicht demiffionirenden Herren sind Männer, die ihre Beschlüffe und Meinungen niemals nach Wünschen Dritter fassen und morgen nach Wunsch Anderer wieder ändern. Eine Körperschaft, wo man die Allgemeinheit vertritt, ist nicht da. um Freunden gefällig zu sein. Die Regierung wird die Gelegenheit einer Neuwahl den Wählern nicht vorenthalien." Mit dieser charakteristischen Meinungsverschiedenheit betreff Eigenchaften, Ehrenhaftigkeit der israelitischen Konsistoriumsmitglieder beendete die öffentliche Meinung am 31. Dezember ihre mit Anstand, Takt und Würde geführte Debatte, um sie am 15. Januar 1902 von neuem zu eröffnen. Wie im alten Jahre, so war auch im neuen Jahre der Unus pro multis der erste Vertreter der öffentlichen Meinung: „Vor bereits geraumer Zeit haben drei Mitglieder des israelitischen Konsistoriums des Bezirks Unterelsaß ihre Demission eingereicht. Die Regierung hat sicherlich Kenntniß von den verschiedenen Streitigkeiten, die in letzter Zeit im Schoße der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde vorgekommen sind, und von den Miß- Helligkeiten im Konsistorium selbst. Es bedarf jetzt des Eintretens der Regierung, um ein für allemal die so sehr gewünschte Ruhe und friedliche Arbeit herbeizuführen. Möge thunlichst bald die so nöthige Ergänzungswahl angeordnri werden." Nach fünf Tagen, am 21. Januar 1902 ergriff ein „Ein israelitischer Wähler" das Wort^

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