Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-02-17 · Heft 14 (17.2.1902) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 14 (17.2.1902)
Date
1902-02-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449809--55378-2518019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43*. Jahrgang. Zweite Anlage zu /v?14 des „Israelit". Leitender Artikel. Der Würfel ist gefallen. u n t e r - E l f a ß, 13. Februar. Im Dezember 1901 berichteten wir im „Israelit" über eine in der Mitte des Israelitischen Konsistoriums des Untcrelsaß eingetretene Krisis, in Folge deren die drei K o n s i st o r i e n - Mitglieder. welche ein Jahr vorher mit einer großen Majorität in das Konsistorium berufen worden sind, demissionirt haben, ohne ihren Wählern, deren Vertrauen sie das ihnen anvertraute Ehren- und Ver trauensantt zu verdanken hatten. Ursache und (Gründe ihrer Demission mitzutheilen. Diese Vorgänge haben innerhalb der israelitischen Gemeinden des Unter Elsaß viel böses Blut gemacht und große Aufregung hervorgerufen, sie haben zu einer nahe bevorstehenden Neuwahl von vier Konsistorium- Mitgliedern geführt, aus welche die Synagogen-Verwalrcr der israelitischen Gemeinden dcS Unterelsaß, seitens der bezw. drei noch sungirerrden Konsistorium- Mitglieder, mittelst eines vom 3. Februar dss. Js. datirten Rundschreibens hingelvicsen werden. Dieses Rundschreiben enthielt das Ersuchen: Gleich nach Empfang genannten Rundschreibens eine Liste der berechtigten Wähler ihrer Gemeinde- Mitglieder in zwei Exemplaren anzufertigen; eine derselben in der Vorhalle der Synagoge anzuschlagen und nach vier Wochen, am 9. März, dem Konsistorium zu übermitteln, die andere bis nach stattgesnndener Wahl sorgfältig anszubewabren. Jetzt schon die Synagogen- Vcrwalter, sowie die wahlberechtigten Gemeindemitglieder des Unterelsaß auf ihd Selbstbestimmungsrecht. durch wen sie während der nächsten fünf Jahre im Konsistorium vertreten sein, lvem sie ihre höchsten Interessen anvertraucn wollen, wenn das Ergebniß ihrer Abstimmung ein treues Bild ihrer Stim- . mnng, ihrer Gesinnung, ihres Willens ergeben soll, auf ihre Ehrenpflicht, vollzählig, zielbewußt zur Wahlurne zu schreiten, um ihrer Ncberzeugung, ihrem Wunsche Ausdruck zu geben, - - aufmerksam zu machen, wäre, in Anbetracht der vielen Wochen, welche von dem noch unbestimmten Wahltage uns trennen, ein verfrühter Versuch. Nmso interessanter, ja umso nützlicher und lehr- ' reicher dürste es für die Gegenwart wie für die Zukunft sein, eine statistische Zusammenstellung der öffentlichen Meinung, welche erwähnte innerhalb des isr. Konsistoriums entstandene räthselhafte Krisis, deren eigentliche Motive noch immer mit dem Schleier des Geheimnisses umhüllt sind, zutage gefördert hat, in dem im Reichslande viel verbreiteten, gerne gelesenen „Israelit" zu veröffentlichen, indem daraus klar und deutlich hervorgeht, in welchem Verhältniß die bisherigen isr. Konsistorium-Mitglieder zu einander und zu ihren Wählern und die Wähler bisher zu ihnen standen. Den Reigen der öffentlichen Meinung eröffnete ein Unus pro nuilt is am 16. Dezember 1901 im Sprechsaal der „Strahb; Post" in folgender Form: „Am vorvorigen Montag fand hier (Straßburg) eine Plenarsitzung der drei israelitischen Konsistorien von Elsaß-Lothringen statt. Bisher haben wir vergeblich auf einen Bericht darüber gewartet. Da aus der Tagesordnung sehr wichtige Fragen standen, wie z. B. die Einführung einer Kirchensteuer, Pensionslasse der Rabbiner und Vorsänger, Verbesserung des Religionsunterrichts. Gewährung von Repräsentationsfosjcn an die Oberrabbiner von Metz, Kolmar u. s. w., so würde es sehr viele Israeliten in Elsaß-Lothringen inieressiren, zu erfahren, was denn für Beschlüsse in diesen so wichtigen Fragen gefaßt wurden. Wir bitten daher um eine gütige Bekanntgabe." Ohne die Antwort ans diese Frage abzuwarten, trat am 27. Dezember ein zweiter Hirns-.pro niultis mit einer viel wichtigeren Frage vor das Forum der Oeffeutlichkeit: „Schon seit einigen Tagen erhält sich das Gerücht, daß von dem zur Zeit aus fünf gewählten Mitgliedern bestehenden israelitischen Konsistorium von Straßburg drei von den erst voriges Jahr gewählten Mitgliedern dem Ministerium ihre Demission eingereicht haben sollen, lieber die Gründe dieser kollektiven Demission ist bis jetzt nichts Genaues zu erfahren. Es dürste daher für die israelitischen Wähler von hohem We.rrhr sein, Aufklärung über diesen so ungewöhnlichen Vorfall zu erhalten. Bitte." An demselben.Tage, am 27. Dezember, ließ sich. Dr. Gustav Lewy, Präsident des isr. Konsistoriums des Unterelsaß, folgendermaßen vernehmen: „In Ihrem hochgesch. Blatte Rr. 1166 befindet sich ein Sprechsaalartikel, der die Plenarsitzung der drei israelitischen Konsistorien von Elsaß-Lothringen betrifft. Die in dieser Plenarsitzung gefaßten Beschlüsse gehören nicht in die große Oeffentlichkeit, da dieselben nur einen ganz kleinen Theil der Bevölkerung interessiren, und zwar die Israeliten des Reichslandes. Mögen der Unus pro nmltis ober die nmlti sich an ihre refp. Konsistorialpräsidenten oder -Oberrabbiner wenden, welche sicher gerne bereit sind, Ungeduldige zu erleuchten." Daß diese Antwort eher aufregend, als beruhigend aus die öffentliche Meinung wirken würde, war vorauszusehen und diese Voraussicht bewährte sich recht bald.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.