Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1902)
- Date
- 1902-02-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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331 „Die von den drei Mitgliedern des isr. Konsistoriums des Bezirks Unierelsaß eingereichte Demission ist leider bis zur Stunde noch nicht öffentlich aufgeklärt worden. Es besteht daher der allgemeine Wunsch: 1) daß die Sacke gründlich untersucht und eventuell be stehende Mißstände für die Folge unmöglich gemacht werden; 2) daß bei einer Neuwahl die ausgetretenen drei^Nitglieder eine Kandidatur wieder annehmen, und in ihrem Wahlaufruf die Gründe ihrer Demission veröffentlichen. — Die große Majorität, mit welcher sie wieder in das Konsistorium berufen, werden, möge ihnen dann als Sporn dienen, um wieder mit neuem Eifer und Freude die ihnen anvertrauten religiösen Interessen unseres Bezirkes wahrzunehmen." Diese öffentliche Meinung mißfiel aber dem Herrn Aron Durlach in so hohem Grade, daß er sich am 28. Januar zu folgender Äeußerung hinreißen ließ:, „Seit der Zeit, daß drei Mitglieder des Bezirks Unterelsaß dem hochverdienten Konsistorialpräsidenten Dr. med. G. Lewv ihre Demission gegeben und zur Bekräftigung eine Kopie dem Bezirkspräsidenien eingefchickt. erscheinen Sprechsaalartikel pro und_ contra, aber immer anonym als: ^IInns pi-y multis-“ ..Unus pro omnibus" und nun gar „Ein isr. Wähler." Solche anonyme Zuschriften verdienen keine Beachtung. Wer nichi den Muth besitzt, mit voller Namensunterschrift hervorzutreten. sondern hinter dem Deckmantel der Anonymität arbeitet, der hat gar kein Recht, vor die Öffentlichkeit zu kommen. Will er seine Person nicht einsetzen, so soll er — still sein. Um allen Mißdeutungen entgegenZutreten. stelle ich hier Folgendes fest: Der anonyme „Isr. Wähler" schreibt: „Es besteht der allgemeine Wunsch, daß die Sache gründlich untersucht und eventuell bestehende Mißstände für die Folge unmöglich gemacht werden." Damit bin ich vollständig einverstanden! Denn da bekäme sicher unsere höchste Landesbehörde von ein und denselben Konsistorium nicht zwei verschiedene Berichte. Weiter schreibt der anonyme „Isr. Wähler": „Daß bei einer Neuwahl die ausgetretenen drei Mitglieder eine Kandidatur wieder annehmen und in ihrem Wahlaufrufe die Gründe ihrer Demission veröffentlichen. Die große Majorität, mit welcher sie wieder in das Konsistorium berufen werden, möge ihnen dann als Sporn dienen, um wieder mit neuem Eifer und Freude die ihnen anvertrauten religiösen Interessen unseres Bezirks wahrzunehmen." Dies bestreite ich auf alle Fälle und spreche dem anonnmen „Isr. Wähler" das Recht ab, im Namen der Allgemeinheit zu sprechen. Mögen nur die Wahlen kommen, der anonyme „Isr. Wähler" müßte Nase und Ohren auf sverren über das negative Ergebniß seiner Miinsche. Das scheinen die Herren auch zu wissen. Denn ich frage mich: Warum haben sie einen zweiten Demissionsbericht an den Bezirkspräsidenten gerichtet und haben gebeten, zu veranlassen, sie wieder durch den Konsistorienpräsidenten in das Konsistorium zurückzuführen. bezw. ihre Demission rückgängig zu machen? Hat denn Präsident Dr. Lewy an dieselben die Bitte gerichtet, sie möchten zurücktommen? Sicher nein!! Ich will mein Urtheil über diese ganze Demissionsgeschichte hier nicht aussprechen, ich würde sonst einen harten Ausdruck brauchen müssen, und Vas will ich nicht, denn ich möchte nur der Aufklärung, nicht der Verbitterung dienen. Ich sage deßhalb nur: An dem erwähnten Gerüchte muß etwas Wahres fein! Man weiß, daß der Konsistorialpräsident von dem Bezirkspräsidenten gebeten worden ist, einen Tag zu bestimmen, an welchem das. noch bestehende Konsistorium und die Demissionäre bei dem Bezirkspräsidenten sich einsinden mögen, um die Sache zu besprechen. Man weiß auch, daß Mittwoch. 29. Januar dazu bestimmt ist; die aufrichtigen Freunde des Friedens und der Eintracht werden eine solche Lösung der Angelegnehei: — falls dieselbe noch zulässig ist -— am wärmsten begrüßen, weil dadurch die Erregung einer Neuwahl in unserem Bezirk und unserer Gemeinde vermieden wird. Aber nur dann kann der Rücktritt vom Rücktritt von Erfolg gekrönt sein, wenn wir uns der Hoffnung hingeben dürfen, daß es sich nicht um eine sog. Replaifrage, sondern um eine herzliche und solide Versöhnung handelt." Ob Herr A. Durlach mit dieser seiner Kundgebung dem „hochverdieuteu Konsistorialpräsidenten Dr. med. G. Lewy" ein Vertrauensvotum oder den „Demissionären" ein Abgangszeugniß mit der Note „nicht genügend" auszustcllen beabsichtigte? Die öffentliche Meinung schweigt. — Umso lauter riesen am 28. Januar die „Demissionäre" Herrn A. Durlach zu: „Auf den Sprechsaal-Artikel des Herrn A. Durlach in Nr.. 77 näher einzugehen, haben wir keine Veranlassung. Nur auf die Behauptung, wir hätten einen zweiten Bericht eingereicht, worin wir gebeten haben sollen, unsere Demission wieder rückgängig zu machen, erwiedern wir. daß dies der . Wahrheit vollständig widerspricht. Die der Regierung eingereichte Erklärung enthielt nichts anderes, als die Begründung unserer Demission. Wir stellen dies hier fest, um einer falschen Behauptung entgegenzutreten, werden aber auf weitere Svrechsaalartikel nicht mehr eingehen." Worauf Herr A. Durlach am 29. Januar folgende ausweichende Erklärung abgab: „Aus dem Sprechsaalartikel Nr. 90 entnehme ich, daß die mannigfach herumschwirrenden Gerüchte von der bevorstehenden Zurücknahme der Demission /der Herren A. Mach, F. Oppenheim und L. Schwarz der Begründung entbehren. Ich freue mich, durch mein Eingreifen die genannten drei Herren veranlaßt zu haben, mit ihrer Erklärung hervorzutreten. Ich glaube dadurch auch diesmal wieder zur Klärung einer Sachlage beigetragen zu haben, welche die isr. Bevölkerung unseres Bezirks in hohem Maße intereffirt." Hiermit wurden die Akten der öffentlichen Meinung I geschlossen.