Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1902)
- Date
- 1902-02-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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323 All' denen, die uns bisher beigestanden haben, sprechen wir unseren wärmsten Dank aus; vor allem unseren Aerzten, den Herren Dr. Alfred Günzburg und Dr. Hermann Schlesinger, für ihre aufopfernde Thä- .tigkeit; ferner Herrn Dr. med. Michael Sachs für die Behandlung der Augenkranken, Herrn Zahnarzt Heinrich Borchardt für die Behandlung der Zahnkranken, der Schwester Oberin Thekla Mandel für ihre liebevolle mütterliche Fürsorge,, dem städtischen Armen-Amt, den hiesigen Korporationen und Vereinen für ihre materielle Beihülfe, und unseren Freunden, welche die Kranken öfter durch Geschenke und Besuche erfreut haben! Von gröberen Zuwendungen im abgelaufenen Jahre erwähnen wir mit besonderem Dank: Die Zuwendung der Erben des seligen Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild mit Mk. 10,000. Das Andenken des verblichenen Wohlthäters wird in steter, liebevoller Erinnerung in der Anstalt wach erhalten werden. Von Herrn Jakob Isaak Hausmann erhielten wir die Gabe von Mk. 5000 anläßlich seines 70. Geburtstages. Möge derselbe noch eine lange Reihe von Jahren sich . an dem segensreichen Wirken unserer Anstalt erfreuen. . Aus dem Nachlaß desin Nizza verstorbenen Philanthropen Herrn Jakob Plaut wurde uns ein Legat des Verblichenen durch Herrn S. Frenlel in Berlin in Höhe von Mb. 5000 zugestellt. Diese Summen sind sämmtlich zum Kapitalfonds geschlagen. Er wurden verpflegt: 10 männl. und 23 weibl. Personen; es verstarben 3 männl. und 3 weibl. Personen; entlassen wurde 1 männl. Person, sodaß am 31. Dez. 1901 6 männl. und 20 weibl. Personen verblieben. Die Gesammtzahl der Pflegtage betrug 6004 gegen 3904 im Vorjahre. Znowrazlaw, im Febr. Die Sch'loschim, die dreißig Tage sind vorüber, nicht aber der Schmerz und . die Trauer um unseren allverehrten Vorsitzenden des Repräsentanten-Kollegiums. Herrn Kgl. Kommerzienrath Julius i Gedalja) L e v y, der zugleich.Stadtverordnetenvorstehcr, Mitglied des Provinzial-Landtages, Deputierter des Kreistages, Vorsteher des vaterländischen Frauenvercins u. s. w. gewesen. An dem Verklärten bewährte sich das Schriftwort: r*rc„ nra bv rc:"f ber Segen, mit dem Gott m i ch gesegnet, übersteigt weit die Segnungen, die meinen Vorfahren zu Theil geworden. (Siehe Raschi zu 1. B. M. 49,26). Auch der Vater des Verewigten. Michael Levy, war eine hochanaesehene, hervorragende und überaus verdienstvolle Persönlichkeit, bellen Andenken die Stadt geehrt, indem sie eine Straße unserer Stadt „Michael Levy - Straße" nannte, dessen Verdienst die Deputierten des Kreistages anerkannt und gewürdigt, indem sie am Hause der Familie eine kostbare Marmor¬ * r tafel m?t folgender Inschrift anbringen ließen: „Dem Andenken des Kaufmanns Michael Levy! Geboren 12. August 1807. Gestorben 30. Januar 1879. In Anerkennung seine r selb st l ö sen Thätigkeitundseiner Verdienste um die Entwickelung der. Jndust r i e. Ge - widmet vom Kreise I n o w r a z lalt)." Also auch der Vater war berühmt, angesehen und hochgeehrt bei Juden und Christen, aber das Ansehen des Sohnes war durch seine soziale und politische Stellung und Wirksamkeit im Leben, wie das überhaupt möglich ist, noch größer, noch höher, ja, es ragte so hoch hinauf, um mit der heiligen Schrift zu reden, zb'v rvis rvxr. bis zu den Höhen der Ewigkeit und Unsterblichkeit, an die der Tod nicht.heranreicht, vor denen auch der Todesengel voll heiliger Scheu zurückweichen, zurücktreten muß. Die heilige Schrift erzählt vom Stammvater Jakob, es war bei seinem Leichenbegängnis; iss ^ra -iedo" eine große und sehr schwere Trauer (1. B. M. 50,10), und unsere Weisen im Talmud (Sotah 13 a) erklären dieses Wort, indem sie sagen: Sechsunddreißig Fürsten-Kronen schmückten den Sarg Jakobs, denn Sechsunddreißig Fürsten' hatten an der großen, schweren Trauer Theil genommen, und dem Stammvater Jakob die letzte Ehre erwiesen. Und wahrlich, es waren vielleicht nicht viel iveniger „Kronen", Freiherren- und Grafen-Kronen, die bei dieser großen und schweren Trauer den Sarg des edlen Kommerzienraihs Levy geschmückt, denn die ganze Aristokratie, der höchste Adel von Weit und Breit, alle Rittergutsbesitzer aus der ganzen Umgegend, sie sind alle zu Hunderten und Hunderten herbeigeströmt, um dem Verklärten die letzte Ehre zu erweisen. Der Obervräsident von Posen a. D., Baron von W ilamowitsch, der Regierungspräsident von Bromberg, der Präsident der Handelskammer, hohe Offiziere, Graf Poninski. die Geistlichkeit von allen Konfessionen, der Landrath, Magistrat und Stadtverordneten-Vorstand und Repräsentanz, Alle, Alle waren sie da, um dem Ehre zu erweisen, dem Ehre gebührt. Daß von der jüdischen Gemeinde bei diesem Leichenbegängnisse Nieinand gefehlt, braucht nicht erst gesagt zu werden. Auch darin theilte der Verklärte das Geschick Jakobs, daß rr nicht zu Hause, auf heimathlichem Boden, sondern in der Fremde, im Sanatorium zu. Frankfurt a. M. — ganz plötzlich — gestorben ist. Und wie Jakob, ivünschte auch er ..'»es bx '.-.rr r,sp" „Begrabet mich zu weinen Vätern." (1. B. M. 49, 29.) Ursprünglich sollte ja die hier angekommene Leiche unmittelbar vom Bahnhof nach dem Friedhofe gebracht werden; .aber Magistrat und Stadiverordneten-Kollegium hatten beschlossen, den verdienstvollen und ehrwürdigen Tobten in ganz besonderer Weise zu ehren und auszuzeichnen, indem sie ihn nach der Stätte seiner eifrigen, rastlosen, dem Wohle der Stadt gewidmeten Thätigkeit und