Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1902)
- Date
- 1902-02-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43* Jahrgang. rffe Beilage z« Jß 14 des Lsraekit." Leitender Artikel. Leopold Hamburger y% i - . Frankfurt a. M., 12. Februar. Eine schmerzliche Kunde durchflog heute unsere Stadt: Herr Leopold Hamburger, den ein anscheinend unbedenkliches Unwohlsein seit Wochen an das Zimmer gefesselt hatte, ist in Folge plötzlich eingetretener Verschlimmerung seinen Leiden erlegen. Leopold Hamburger wurde am 1. Juni 1836 in Hanau geboren. Bereits im Alter von 14 Jahren verließ er seine Vaterstadt, um in München in das Bankhaus I. N. Oberndorfer einzutreten. Während seiner langjährigen Thätigkeit in diesem Hause legte er den Grund zu seinen reichen kaufmännischen Kenntnissen; aber auch in die weiten Hallen der jüdischen Wissenschaft wurde er von dem Theilhaber dieser Firma, Herrn Merzbacher s. A., eingesührt. Als Prokurist seines Hauses leitete er eine Zeit lang die Wiener Zweigniederlassung, um dann an diesem Platze 1861 unter eigener Firma ein numismatisches Institut zu begründen. Bereits im Jahre 1864 verlegte er seinen Wohnsitz nach Frankfurt a. M., und dort gelang es ihm, der Firma L. L L. Hamburger aus kleinen Anfängen heraus, durch unermüdliche Thätigkeit und außergewohnliche Begabung, die führende Stelle an der Spitze ihrer Branche zu verschaffen. So wenig Ungewöhnliches in dem hier skizzirten äußeren Lebensgange lag, so viel Außerordentliches bietet das Bild des seltenen Mannes, wenn wir uns vergegenwärtigen, was außerhalb seines Berufes, in dem er mit solchem reichen Erfolge thätig war, von ihm geschaffen und geleistet wurde. Aus seiner tiefen, dem innersten Quell seines Herzens entströmenden Liebe zu dem Judenthum, dessen Gesetze er auch auf allen seinen weiten Reisen auf das genaueste beobachtete, floß Theilnahme u. Liebe für alle die Armen und Enterbten seines Volkes. Am mächtigsten aber zog es ihn zu Jenen, die in ihrer Sehnsucht nach dem Lande der Väter dort ihren Wohnsitz aufgeschlagen und für die Erfüllung dieser Sehnsucht mit der Noth des Lebens doppelt schwer zu kämpfen haben. Von dem heißen Wunsche beseelt, diesen. Aermsten der Armen Hilfe zu bringen, wohl auch geleitet von der - eigenen Sehnsucht nach jenen Stätten, mit denen unsere heiligsten Erinnerungen unauflöslich verknüpft sind, unternahm er im Jahre 1883 eine Reise nach dem heil. Lande. Ein mehrmonatilcher Aufenthalt befähigte ihn. bei seinem klaren Blicke, zu erkennen, wo der Sitz deB Nebels liegt. „Arbeit, nicht Almosen/ war der Wahlspruch, mit dem er wieder in die Heimath zurückkehrte. Mit dem Feuereifer und der Energie, die ihm fast bis in seine letzten Tage treu blieben, ging er. sofort daran, die gewonnene Erkenntniß in Thaten umzusehen. So wurde er, wie er sich selbst gern nannte, der „erste Zionist," dessen Ziele allerdings mit den Ntopien eines Herzl und Nordau nichts gemein hatten. Neben seinem numismatischen Geschäft, hatte er von nun an noch ein anderes: Er wurde Importeur palästinensischer Produkte. Er bezog Wein, Orangen, Esrogim von dort und suchte und fand für sie Absatzgebiete, wobei er freilich meist statt eines nicht erhofften Gewinnes die Spesen aus eigener Tasche zu decken hatte. Ein Theil seiner Geschäftsräume glich zeitweilig einem Drechslerladen; wieder Erzeugnisse des heiligen Landes, für die er Käufer auf seinen Reisen heranzuziehen wußte. Für die Ausbildung junger Leute zu Handwerkern, Gewerbetreibenden, Aerzten u. s. w. verstand er stets Mittel aus Freundeskreisen und auS eigener Tasche flüssig zu machen. Welche Freude war es für ihn, als der Gedanke, den er als einer der ersten gefaßt und praktisch ausgeführt, endlich auch in weitere Kreise drang und der Import palästinensischer Produkte zu ungeahnter Entwickelung gelangte. Man sollte glauben, eine solche doppelte, geschäftliche Thätigkeit habe auch die ungewöhnliche Arbeitskraft eines Leopold Hamburger so in Anspruch nehmen müssen, daß für nichts anderes mehr Raum geblieben wäre. Doch dem war nicht so. Eine rege, geistige Arbeit ging ununterbrochen nebenher. Sie befähigte ihn, sein enormes, sich fast über alle Gebiete erstreckendet Wissen auf der Höhe der Zeit zu halten. Davon legen seine so verschiedene Gebiete behandelnde Schriften ein vollgültiges Zeugniß ab. Im Jahre 1889 erschien seine Streitschrift: „He r r Otto Hartmann und sein Kampf gegendie .Schlachtweise der Israeliten /in der die Angriffsweise dieses Schächtgegners einer geradezu vernichtenden Kritik unterzogen wird. Ein ganz anderes Gebiet behandelt die im Jahre 1892 erschienene Schrift: „Die Münzprägungen während des letzten Aufstander der Israeliten gegen Rom/ (Berlin, W. Porwetter.) Weit hinaus über das im Titel angedeutete geht der Inhalt dieser Schrift, die auf jene noch so wenig erforschte Periode der Geschichte deS jüdischen Volkes helle Streiflichter wirft und dem Historiker, wie dem Kulturforscher neue Aufschlüsse bietet. Ganz das Gleiche gilt von seiner letzten Arbeit: „Die beiden palästinensifchenMünz- 5W