Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1902)
- Date
- 1902-02-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449809--55369-2518010- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
330 ich schon vor unserer Vermählung so und so viel von dem Vermögen meiner Braut bezogen habe, so könnte das von ihren. Verwandten gegen mich ausgebeuiet werden, man könnte versuchen, meine Braut gegen mich zu verhetzen. Und wenn ich auch ihrer Neigung sicher zu sein glaube —" , „Dafür haben der Herr Baron vollgiltige Beweise." „Allerdings — ihr Vermögen ist mir in jedem Falle gesichert, aber ihre Persönlichkeit —" „Ich verstehe und wiederhole nochmals, der Herr Baron können auf meine Diskretion Häuser bauen." „Darauf verlasse ich mich auch. Und ich hoffe, Herr Meier, Sie werden auch einverstanden sein, daß ich den Zahltag des Wechsels, den ich Ihnen auszustellen im Begriffe bin, auf den zehnten November festsetze — „Herr Baron —" „Ich verlange es nicht umsonst. Ich schulde Ihnen 50,000 Mk. und stelle Ihnen einen Wechsel aus für 66,000 Mk.—" Herr Meier wiegte überlegend den Kopf und rieb sich die Stirn. „Warum erst am zehnten November?" „Weil erst am siebenten das Trauerjahr um meinen Vater zu Ende sein wird. Unsere Vermählung kann daher nicht vor dem achten November stattfinden. Ich hoffe. Sie sind damit einverstanden —" „Einverstanden," erklärte Herr Meier, indem er sich erhob. „Wenn der Herr Baron jetzt die Güte haben wollten, auf ein Blankett mit der Unterschrift Ihrer Fräulein Braut, mir einen auf 65,000 Mk. lautenden Wechsel, zahlbar am 10. November, auszustellen — ich muß zu einer Antisemitenversammlung —" „Gleich, Herr Meier, gleich überreiche ich Ihnen das. Gewünschte und erbitte mir statt dessen meinen am heutigen Tage fälligen Wechsel." — | Das Geschäft war nun rasch erledigt. Herr Meier hatte sich unter wiederholten tiefen Verbeugungen ent- I fernt und der Freiherr warf sich vollständig erschöpft I in ein Fauteuil und bedeckte mit der Hand die Augen.! Es war vollbracht! Der Freiherr von Rauhenstein war ein Lügner! ein Wechselfälscher! Wild sprang er auf, wer durste das sagen? Wer durste das auch nur denken? Aber es sagte ja Niemand, außer ihm selbst dachte es auch Niemand, hatte doch auch Niemand eine Ahnung davon. — Der Freiherr fuhr sich mit der Hand über die Stirne, wieder was sie bedeckt mit kalten Tropfen.— Unerhört! solch' widersinnige Schwachheit! Nein, er durfte sich derselben nicht mehr schuldig machen. Wieder richtete er sich stramm auf und begab sich zurück in sein Ankleidezimmer, um seine Toilette zu vervollkommnen. Der Besuch eines Freundes unterbrach ihn, er hatte ja an ihre Verabredung vergessen, in dem berühmten H'schen Austernkeller den Lunch einzunehmen. Er war dem Freunde in Wirklichkeit dankbar, daß er gekommen war, ihn abzuholen. In heiterer Gesellschaft beim Glase Wein, da vergehen die Schrullen am raschesten. Und daß die beliebten Schalthiere mit Champagner hinabgespült werden mußten, das war deck selbstverständlich. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Kalenöev. Freitag. 21. Februar. 14. Adar. pp 2N18 Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt »u M. 5 Ufte 30 Min. Samstag, 22. Februar. 15. Adar. pp entfi ,rwm Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main 0 Uhr 45 Min. — Berlin G-Uftr 13 Min. — München 6 Uhr 26 Min. — Hannover G Uhr 30 Min. — Stuttgart 6 Uhr 35 Min. — Vrag G Uhr 10 Min. — Straßburg 6 Uhr 40 Min. — Posen ü Uftxr 00 Min. — Stettin ß Uhr 07 Mut. Der ..Israelit« «scheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jrdeSmal fa mindestenzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. _ Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich »der vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Tuchhandel verkehrt durch $. Zf. Skrinackrr, Leipzig, NotzplatzZö. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Dirccre Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs»Mark oder 16 Krone» österr.. sür's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3792. Telephon 10.5. Gtellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AnSgabk deS Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, aus dieselbe unter Nr. 3792» abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung des JnsertionsbetragS au außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Hinter den Knllisfen der Congrcß-Konwdie. — Zeitunasnachrtchten und Correfpon» denzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Hamburg. Königsberg. Burgpreppach. Sckrimm. Ungarn: Ans Ungarn. — Feuilleton: Nach vierhundert Jahren (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Leopold Hamburger ':''». — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Juoivrazlaw. Kunitz. Breslau. Rußland: Petersburg. Inhalt der »wetten BeUage: Leitender Artikel: Der Würfel ist gefallen. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des Israelit«. Schottstraße Nr. 2. Mainz. Drmk und Verlag der 2oh. Wirth'fchen Hofbnchdruckerci Actien-Gefellfchaft in Mainz. Hierzu zwei Bcttageu.