Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1902)
- Date
- 1902-02-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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hinüber, er soll sich nur wenige Mnuten gedulden, ich bin sofort bei ihm." Der Bediente war einigermaßen überrascht, seinen Herrn in dieser verhältnißmäßig milden Stimmung vor dem Empfang eines Gläubigers zu sehen und beeilte sich, dem erhaltenen Befehle zu entsprechen. Dann kehrte er zurück mit einer Tasse Kaffee, die sein Herr nach einer durchschwärmten Nacht gewöhnlich im Bette zu leeren pflegte. Doch Herr von Nauhenstein war bereits aufgestanden, vollendete in ziemlich kurzer Zeit seine Morgentoilette, und trank dann hastig das warme, anregende Getränk. Es hatte ihm wohl gethan.— Nun galt's, die „grandiose Idee," deren Ausführung er am gestrigen Abend begonnen, vollends in's Werk zu setzen. Darum pochte ihm wieder das Herz so ungestünr und auf seiner Stirne perlten Tropfen, die die ziemlich niedere Temperatur des Zimmers nicht hervorgerufen haben konnte. -- Noch einen Moment zögerte er, dann aber richtete er sich entschlossen auf und begab sich in strammer Haltung in das Kabinet, in dem der Geldgeber auf ihn wartete. „Guten Morgen, Herr Meier!" rief er schon von der Thüre aus, „müssen entschuldigen, daß ich Sie ein bischen habe warten lassen, aber ich bin ziemlich fvät nach Hause gekommen." Herr Meier erwiederte ziemlich unwirsch den freundlichen Gruß. „Der Herr Baron wissen, warum ich gekommen bin," sagte er, indem er den am heutigen Tage fälligen Wechsel aus seiner Brieftasche zog. „Ich bitte um mein Geld—" Der Freiherr wechselte die Farbe. „Ihr Geld ist Ihnen sicher." . „Mein Geld ist mir sicher, sobald ich es in der Tasche habe," entgegnete er gezwungen lachend, „also Herr Baron, ich bitte —" „Ihr Geld ist Ihnen sicher," wiederholte Herr von Rauhenstein, indem er mit nervöser Fingerbewegung auf den Tisch trommelte. „Ich bitte, Herr Meier, setzen Sie sich und hören Sie mich einige Augenblicke ruhig an —" Der Andere zog die Stirne in Falten, die Geschichte kam ihm nicht geheuer vor. „Setzen will ich mich und will Sie auch einige Augenblicke ruhig an- - hören, aber der Herr Baron wissen, daß ich geschworen habe, wenn ich heute mein Geld wiederum nicht be- : kommen sollte, daß ich mich noch heute an Ihre Braut, an Fräulein von Rauhenstein wenden werde." . .. „Das werden Sie nicht nothwendig haben, denn ' ich habe mich bereits gestern in dieser Angelegenheit an meine Braut gewendet, und zwar persönlich —" „Haben der Herr Baron? — Das ist gescheidt — sehr gescheidt — nun? — und?" — ' Der Freiherr zog die bereits mehrfach erwähnten Blankette hervor. „Meine Bralft wollte sich auf Details nicht einlaffen. hat aber, wie Sie sehen, alle .biefe Blankette unterschrieben, und es mir überlassen, diese!- , ben nach Belieben auszufüllen." „Großartig!" rief Herr Meier, indem er die Blankette eines nach dem andern prüfend in Augenschein nahm, „in der That großartig, Herr Baron. Ein Wechsel' auf Fräulein von Rauhenstein, der ist gut — der ist wie baares Geld." „Das will ich glauben. Und dabei ist daS Vermögen meiner Braut noch ungleich größer, als selbst ich es gewußt habe. Erst gestern hat ein Juwelier, dem wir den Schmuck ihrer verstorbenen Mutter gezeigt haben. die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und erklärt, der Schmuck, habe einen geradezu unschätzbaren Werth." Herr Meier, der die Blankette noch immer betrachtte, schüttelte noch immer staunend den Kopf. „Herr Baron, ich muß viele, viele Mal um Entschuldigung bitten, wenn ich je gezweifelt habe, wenn ich es je an Ehrerbietung habe mangeln lassen. — Aber der Herr Baron haben keine Ahnung davon — man verdient daß Geld so schwer und wird so oft darum betrogen." „Ich weiß das, Herr Meier. Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen." „Doch ja, ich muß mich entschuldigen, aber ich habe ja nicht wissen können. — Freilich, daß Fräulein von Rauhenstein ein fürstliches Vermögen besitzt, das weiß jedes Kind. Aber daß das gnädige Fräulein dem Herrn Baron schon vor der Vermählung ein so großartiges Vertrauen schenkt, das hat man doch nicht wissen können —" „Freilich konnte man das nicht wissen, und es wäre mir sehr lieb, wenn auch noch jetzt nichts davon in die Öffentlichkeit dringen würde. Ihnen, mein lieber Herr Meier, habe ich es sagen müsse.n, dieses Vertrauen war ich Ihnen gewissermaßen schuldig." Herr Meier verneigte sich geschmeichelt. „Der Herr Baron können sich auf meine Diskretion verlassen! — Ich nehme mein Geld von dem Bankier des gnädigen Fräulein in Empfang, aber über die Sache selbst kommt kein Wort über meine Lippen." „Ich will Ihnen auch mittheilen, warum ich in dieser Angelegenheit so sehr auf Diskretion bestehen muß. Sie wissen, ich habe ziemlich viel Schulden " „Das weiß ich, leider Gottes. — Aber' ich weiß auch, daß der Herr Baron mit den Wechseln,- die Sie da haben, drei Mal alle Ihre Schulden zahlen können und noch mehr." „Das ist richtig. Aber wenn auch Fräulein von Rauhenstein mir mit diesen Blankette» chich möchte fast sagen, ihr ganzes Vermögen bereits übergeben hat — so — ich weiß selbst nicht, wie ich mich auSdrücken I soll.-Aber sehen Sie, wenn bekannt würde, daß I PMSUtf W y-j M Ul WJWW!I.WW^^WWWWPB——e—f